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Unter Blutdruck versteht man den vom Herzmuskel erzeugten Druck, unter
dem die Blutmasse des ganzen Körpers durch die Adern (Arterien)
getrieben wird
Unter Blutdruck versteht man den vom Herzmuskel erzeugten Druck, unter
dem die Blutmasse des ganzen Körpers durch die Adern (Arterien)
getrieben wird. Der Blutdruck ist abhängig von der Schlagkraft des
Herzens, von der Elastizität der Gefäßwandung und dem Widerstand der
Arteriolen und Kapillargefäße (den kleinen arteriellen Blutgefäßen).
Der Blutdruck steigt durch eine erhöhte Herztätigkeit und die Verengung
der kleinen arteriellen Blutgefäße der Haut.
Die
Steigerung des systolischen Blutdrucks (Pumpdruck auf die Arterien beim
Auswurf des Blutes aus dem Herzen, d.h. zum Zeitpunkt des
Zusammenziehens des Herzmuskels) erfolgt durch die verstärkte
Herzleistung.
Die Steigerung des diastolischen Blutdrucks (Blutdruck in den Arterien
zwischen zwei Herzschlägen, Widerstand der Arterienwände zum Zeitpunkt
der Erschlaffung des Herzens, d.h. während der Füllung mit Blut)
erfolgt aufgrund der Verengung der kleinen Arterien (Arteriolen) durch
Noradrenalin. Die kleinsten Arterien sind die eigentlichen
Widerstandsgefäße des Blutstroms und bestimmen, wie viel Blut zu den
Organen und Geweben fließt.
Die Arterien (vom Herzen wegführende Blutgefäße) haben Muskeln in ihren
Wänden und können sich daher bei der Systole (Blutauswurf des Herzens
mit entsprechendem Pumpdruck) elastisch ausdehnen und bei der Diastole
(Ruhephase des Herzens) wieder zusammenziehen, wodurch das Blut
weiterbefördert wird.
Die Venen (zum Herzen hinführende Blutgefäße) haben einen niedrigen
Druck und sind eher weit gestellt. Es besteht eine schwächer
ausgeprägte Muskulatur als bei den Arterien. Deshalb befindet sich in
den Venen mehr Blut als in den Arterien. Auf dieses sog. "Reserveblut"
kann bei besonderen Belastungen zurückgegriffen werden.
Der Blutdruck wird gemessen in Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg).
Die Blutdruck-Normalwerte (systolisch/diastolisch) sind:
für 10-30jährige: 120/80 mm Hg,
für 30-40jährige: 125/85 mm Hg,
für 40-60jährige: 135-140/90-95 mm Hg.
Grenzwerthypertonie: 140-160/90-95 mm Hg (mehr als 140/90 mm Hg ist überhöht).
Hypertonie (Bluthochdruck): Werte über 160/95 mm Hg.
Niedriger Blutdruck (Hypotonie): Werte unter 100/70-65 mm Hg.
Die angeführten Grenzwerte gelten nicht für gelegentliche
Blutdruckschwankungen, sondern für den durchschnittlich gegebenen
Blutdruck. Besonders kritisch ist ein zu hoher diastolischer Blutdruck
(über 95 mm Hg), der auf eine zu geringe Elastizität der Gefäße und
damit auf eine Verkalkung und Verhärtung der Arterien hinweist. Er kann
aber auch Ausdruck einer psychisch bedingten, chronischen Verspannung
sein.
Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf. Die höchsten Werte ergeben sich
am Vormittag (8.00-11.00), späten Nachmittag und frühen Abend
(16.00-20.00). Während der Mittagszeit (besonders nach dem Mittagessen)
sinkt der Blutdruck deutlich ab, am stärksten während der Nacht
(tiefste Werte gegen 3.00). Frühaufsteher haben einen starken
Blutdruckanstieg in den frühen Morgenstunden.
"Morgenmuffeln" haben einen verzögerten und langsameren Anstieg im
Laufe des Vormittags (viele Menschen mit niedrigem Blutdruck klagen
über Morgenmüdigkeit). Umgekehrt sinkt der Blutdruck am Abend bei den
Frühaufstehern früher ab als bei den Morgenmuffeln. Entsprechend den
Blutdruckschwankungen ändern sich auch die Körpertemperatur und die
allgemeine Leistungsfähigkeit.
Hypertonie (hoher Blutdruck) bedeutet, dass sich das Herz zu sehr
anstrengen muss, um zur Versorgung der Gewebe das Blut durch den ganzen
Körper zu pumpen. Der Blutdruck wird zu hoch, wenn das Herz mit jedem
Zusammenziehen eine erhöhte Blutmenge ausstoßen oder einen erhöhten
Widerstand der Arterienwände überwinden muss (bedingt durch mangelnde
Elastizität der Gefäße infolge von Verkalkung).
Bei Bluthochdruck muss das Herz mehr Kraft aufwenden, weshalb sich ein
verstärktes Muskelwachstum entwickelt. Der vergrößerte Herzmuskel
benötigt mehr Sauerstoff, der jedoch gerade bei Gefäßverkalkungen nur
unzureichend zugeführt wird.
Typische Bluthochdrucksymptome: pulsierende Kopfschmerzen, Schwindel
(oft mit Ohrensausen und Flimmern vor den Augen), Kribbeln in Armen und
Beinen, Wetterfühligkeit, Nasenbluten, leichter Druckschmerz in der
Brust, Atemnot (besonders bei physischem und psychischem Stress),
Herzbeschwerden, Müdigkeit, Leistungsminderung, Nervosität,
Reizbarkeit, Unruhegefühl.
Angst, Aufregung und Stress führen häufig zu steigendem Blutdruck,
bewirkt durch das sympathische Nervensystem. Obwohl der Blutdruck in
Angst-, Stress und Konfliktsituationen messbar erhöht ist, wird dies
oft gar nicht so erlebt. Bei extremer körperlicher oder seelischer
Belastung (z.B. bei heftigem Streit) kann der Blutdruck bis auf 240/130
mm Hg ansteigen.
Viele Menschen glauben, sie könnten in Stress und Ärgersituationen ganz
ruhig bleiben, und erkennen ohne Messung gar nicht, wie hoch ihr
Blutdruck in diesen Situationen ansteigt. Sie sind stolz darauf, wie
gut sie sich beherrschen können.
Wenn der Blutdruck aufgrund von Stress dauerhaft erhöht ist, kann eine
funktionelle Störung in eine organische übergehen. Der Körper lernt,
dies als Normalzustand zu verstehen, und sorgt nicht mehr für Maßnahmen
zur Senkung des Blutdrucks.
Bei Ruhe und Entspannung bewirkt das parasympathische Nervensystem ein
Absinken des Blutdrucks als Folge der reduzierten Herztätigkeit und der
Erweiterung der kleinen arteriellen Blutgefäße der Haut.
Schock- und Schreckreaktionen sowie überfordernder Stress bewirken eine
parasympathische Überaktivität mit starkem Blutdruckabfall bis hin zum
Kreislaufzusammenbruch. Subjektiv macht sich dies bemerkbar in
Schwindel- und Ohnmachtsgefühlen, eventuell sogar in kurzer Ohnmacht.
Der so häufige und belastende Schwindel (Schwankschwindel: der Boden
unter den Füßen scheint zu schwanken) resultiert oft aus folgenden
Kreislaufproblemen:
- Niedriger Blutdruck: als Folge von Angst oder "ohnmächtig" machendem
Stress, besonders bei genereller Neigung zu niedrigem Blutdruck oder
orthostatischer Hypotonie (Versacken des Blutes in den Beinen beim
Stehen).
- Alarmreaktion des Körpers (Bereitstellungsreaktion) ohne
anschließende Bewegung. Die Erweiterung und vermehrte Durchblutung der
Gefäße der Muskulatur führt zu einer unzureichenden Durchblutung des
Kopfes.
- Schulter-Nacken-Verspannungen. Die Verspannung dieser Muskelgruppen
beeinträchtigt die Blutzufuhr und damit auch die Sauerstoffzufuhr zum
Kopf.
Das Versacken des Blutes in den Venen (und damit die Schwindelzustände)
bzw. der Stau in den Muskeln kann durch drei Methoden leicht behoben
werden:
- Bewegung der Muskulatur, vor allem der Beine, wodurch das Blut von
den Venen zum Herzen gepumpt wird. Jede Bewegung erhöht sofort den
Blutdruck.
- Kälteanwendung. Durch eine kalte Dusche (nach einer
Warmwasseranwendung) ziehen sich die Venen zusammen und befördern das
Blut schneller zum Herzen zurück. Oft reicht es, die Unterarme unter
das Leitungswasser zu halten.
- Ausreichende Ernährung, salzreichere Kost und vermehrte
Flüssigkeitszufuhr erhöht bei niedrigem Blutdruck die Flüssigkeitsmenge
in den Gefäßen.
Niedriger Blutdruck und dessen Ursachen
Als niedriger Blutdruck (Hypotonie) gilt ein systolischer Blutdruck
unter 105 mm Hg und ein diastolischer Blutdruck unter 70-65 mm Hg. Die
Gefäße sind durch eine Fehlsteuerung der Gefäßnerven so erweitert, dass
die vom Herzen ausgeworfene Blutmenge nicht ausreicht, um einen
normalen Blutdruck herzustellen. Dies führt zu Blut- und
Sauerstoffmangel im Gehirn sowie zu Beeinträchtigungen aller
Körperfunktionen.
Niedriger Blutdruck äußert sich in folgenden Symptomen: Müdigkeit,
Abgeschlagenheit, Antriebsschwäche, Unlust, Erschöpfung,
Konzentrations- und Leistungsschwäche, Schwindelgefühle,
Ohnmachtsneigung, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Schwarzwerden vor den
Augen, blasses Gesicht, kalte Hände und Füße, Herzschmerzen
(Mangeldurchblutung des Herzmuskels und damit Sauerstoffmangel),
Herzklopfen (Ankurbelung des Blutdrucks), Herzstechen, Krämpfe innerer
Organe (Mangeldurchblutung), Übelkeit, Appetitlosigkeit, Magendrücken,
Blähungen, bei Frauen oft Unterleibskrämpfe, Stimmungsschwankungen,
Gereiztheit, depressive Verstimmung, Wetterfühligkeit, Schlafbedürfnis,
Schlafstörung (Blutleere im Gehirn, besonders zwischen 2 Uhr und 4
Uhr). Schwarzwerden vor den Augen, Flimmern oder Sternchensehen beruht
auf einer Mangeldurchblutung der Sehbahn und des Augenhintergrundes.
Bei "nervösem Niederdruck" sollten keine blutdrucksteigernden Mittel
eingenommen werden, die den Sympathikusnerv reizen und eine
Zusammenziehung der Blutgefäße bewirken, weil sich dadurch alle
angeführten Symptome noch verschlechtern können. Besser sind sportliche
Betätigung und Kneipp-Methoden. Menschen mit niedrigem Blutdruck kamen
vor dem Ausbruch von Panikattacken mit ihrer körperlichen
Befindlichkeit ganz gut zurecht.
Viele Menschen mit Panikstörung haben einen generell niedrigen
Blutdruck (z.B. 95/65 mm Hg), ohne in der Vergangenheit darunter
gelitten zu haben. In einer bestimmten Situation fiel der Blutdruck
noch weiter ab, so dass es zu einer bedrohlichen Unterversorgung des
Körpers mit Blut und damit auch mit Sauerstoff und Nährstoffen
(namentlich Glukose, d.h. Zucker) kam, die der Körper durch eine
Ankurbelung von Herz und Kreislauf zu beheben versuchte. Dies wird oft
als Panikattacke erlebt.
Panikattacken mit anfänglicher Ohnmachtsangst und anschließendem
Herzrasen haben oft eine ganz einfache Erklärung. Vor Panikattacken
sind die großen Gefäße häufig erweitert, der Blutdruck sackt ab, es
kommt zu Schwindel, Druck auf der Brust, Schweißausbruch, Übelkeit und
im Extremfall zu Ohnmacht. Das Herz fängt daraufhin zu rasen an, um den
Kreislauf wieder anzukurbeln. Solche vegetativen Symptome machen Angst.
Die aufkommende Panikreaktion bewirkt zusätzlich einen massiven
Adrenalinschub und damit eine Umkehr der Symptomatik: Kreislauf und
Blutdruck werden weiter erhöht (durch Herzrasen und Verengung der
Blutgefäße), die Atmung wird beschleunigt. Diese Alarmreaktion schützt
wirksam vor Ohnmacht.
Herzrasen ist das Mittel der Wahl, um bei niedrigem Blutdruck in
bestimmten körperlichen oder seelischen Stresssituationen den Blutdruck
rasch zu erhöhen. Bei steigendem Blutdruck kann man nicht mehr
ohnmächtig werden!
Patienten mit einem Kreislaufschock (extreme Gefäßerweiterung) wird vom
Arzt Adrenalin gespritzt, das sofort die Gefäße verengt und vor einem
Kollaps schützt. Eine Panikattacke bewirkt dasselbe.
Es gibt vier verschiedene Arten von niedrigem Blutdruck:
1. psychovegetativ bedingte Hypotonie: in Belastungssituationen;
2. symptomatische Hypotonie: Folge von Krankheiten;
3. orthostatische Hypotonie: beim Aufstehen und längeren Stehen;
4. konstitutionelle (essentielle oder primäre) Hypotonie: anlagebedingt.
Psychovegetativ bedingte Hypotonie
Psychovegetativ bedingte Hypotonie äußert sich im Extremfall in einem
kurz andauernden Verlust des Bewusstseins und der Muskelspannung.
Dieser langsam sich entwickelnden vagovasalen Ohnmacht (Synkope) gehen
folgende Vorzeichen voraus: Muskelschwäche, Schwindelgefühl, Übelkeit,
Schweißausbruch, Unruhe, Blässe, Seufzeratmung, Gähnen (als Zeichen von
Sauerstoffmangel).
Sinken der systolische Blutdruck (infolge geringerer Herztätigkeit) und
der diastolische Blutdruck (infolge Entspannung der Blutgefäße der
Haut) weiter ab, kommt es zunächst zu einer Pulsbeschleunigung, bei
Erreichen von systolischen Blutdruckwerten zwischen 60 und 55 mm Hg zu
einem plötzlichen Absinken der Pulsfrequenz mit anschließendem
Bewusstseinsverlust. Dauert die Bewusstlosigkeit länger als 10-20
Sekunden an, können auch klonische Muskelkrämpfe auftreten. 30% aller
gesunden Erwachsenen haben schon einmal eine vagovasale Synkope erlebt.
Der Blutdruckabfall lässt sich rasch beenden, wenn der Betroffene in
die horizontale Lage gebracht wird (mit den Füßen hochgelagert),
Bewegungen macht oder die Muskeln der Arme und Beine mehrfach fest
anspannt (dadurch steigt der Blutdruck).
Der vagovasale Anfall hängt mit einer Hemmung der Fluchtreaktion
zusammen. Die physiologische Vorbereitung auf die Fluchtreaktion führt
zur Mehrdurchblutung der Muskulatur. Wenn man wegen einer Hemmung der
Fluchtreaktion in Bewegungslosigkeit verharrt, kommt es zu einer
unphysiologischen "inneren Verblutung" in die Muskulatur und damit zu
einem verminderten Rückstrom des Blutes zum Herzen. Es erfolgt eine
Abnahme des Herzzeitvolumens (Herzfrequenz mal Schlagvolumen pro
Minute). Überschreitet die Verminderung des Herzzeitvolumens ein
kritisches Ausmaß, tritt Bewusstlosigkeit ein. Voraussetzung ist eine
Immobilisierung der Motorik in aufrechter Haltung, die Betroffenen
stehen steif da ohne Bewegung. Im Liegen erfolgt keine vagovasale
Ohnmacht, weil sich das Blut gleichverteilt und nicht in den Beinen
versackt.
Die vagovasale Ohnmachtsneigung beruht auf einer Alarmreaktion des
Körpers, d.h. auf einer Aktivierung für Kampf oder Flucht, ohne
anschließende Bewegung, so dass durch den reduzierten Rückfluss des
Blutes von den Muskeln zum Herzen eine Minderversorgung des Gehirns mit
Blut und Sauerstoff erfolgt, was zu Schwindel und Ohnmachtsneigung
führt. Jede körperliche Bewegung beseitigt den Schwindel und die
Ohnmachtsneigung, weil der Blutdruck steigt und die Blutgefäße der Haut
verengt werden, so dass mehr Blut und damit auch mehr Sauerstoff in das
Gehirn gelangt. Selbst lautes Schreien oder Singen sowie die spontane
Äußerung der Angstgefühle führt bereits zur Normalisierung von Puls-
und Blutdruck.
Psychodynamisch wird die Ohnmacht in Form einer Synkope als Mechanismus
gesehen, einer ausweglos erscheinenden Situation zu entkommen, da Kampf
oder Flucht nicht möglich sind oder nicht gewagt werden. Die
Betroffenen fühlen sich in großen seelischen Belastungssituationen
hilflos und "ohnmächtig". Dissoziative ("hysterische") Anfälle treten
dagegen ohne Blutdruck- und Herzfrequenzänderungen auf.
Symptomatische Hypotonie
Symptomatische Hypotonie tritt auf als Folge von Krankheiten,
Allergien, Medikamentennebenwirkungen oder bestimmten körperlichen
Zuständen:
- Herzkrankheiten (Herzschwäche, Herzinfarkt) und viele andere Krankheiten.
- Allergien.
Nicht die Antikörper, sondern die dabei freigesetzten körpereigenen
Reizstoffe (Histamin) senken den Blutdruck durch starke
Gefäßerweiterung.
- In der Genesungszeit
nach Operationen und Infektionskrankheiten, vor allem auch nach einer
Grippe (eine nicht auskurierte Grippe kann eine Panikattacke auslösen).
- Während der Schwangerschaft.
- Übermäßiger
Alkoholkonsum. Die Blutgefäße der Haut erweitern sich, wodurch der
Blutdruck gesenkt wird (Ausnahme: Sekt, und zwar wegen des
Kohlensäuregehalts). Menschen mit reiner Panikstörung ohne Agoraphobie
haben oftmals eine mehr oder weniger lange Zeit von Alkoholmissbrauch
hinter sich.
- Nikotinentzug. Die
Blutgefäße der Haut erweitern sich nach der Nikotin-bedingten
Verengung, was zu Herzrasen führt, weil der Blutdruck dadurch gehoben
wird.Wetter. Warmes oder schwüles Wetter bewirkt über eine
Gefäßerweiterung einen Blutdruckabfall.
- Medikamente.
Viele Medikamente (z.B. Tranquilizer, Antidepressiva) haben als
Nebenwirkung eine Blutdrucksenkung. Bei kreislaufbedingter
Ohnmachtsneigung sollten keinesfalls Beruhigungsmittel eingenommen
werden, weil diese den ohnehin meist zu niedrigen Blutdruck noch weiter
senken. Alle Medikamente sollten auf eine unerwünschte Blutdrucksenkung
hin überprüft werden. Bei niedrigem Blutdruck sollten wegen der
möglichen Blutdrucksenkung weder trizyklische Antidepressiva (z.B.
Amitriptylin mit Präparaten wie Saroten® oder Tryptizol®) noch
bestimmte nicht-trizyklische Antidepressiva (Mianserin mit den
Präparaten Tolvon® und Tolvin® und Trazodon mit den Präparaten
Trittico® und Thombran®) eingenommen werden. Die neueren Antidepressiva
(selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) haben keinen
blutdrucksenkenden Effekt. Bei notwendiger Einnahme eines
Antidepressivums mit möglicher Blutdrucksenkung kann eine
Blutdruckkrise durch ein kreislaufstabilisierenden Medikament wirksam
verhindert werden.
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Orthostatische Hypotonie
Orthostatische Hypotonie (mit der Folge von orthostatischem Schwindel)
ist eine Sonderform des niedrigen Blutdrucks, die beim Übergang vom
Liegen zum Stehen oder bei längerem Stehen auftritt (orthostatisch =
aufrecht stehen). Sie zeigt sich besonders bei jüngeren Frauen, bei
großen, hageren Menschen, bei Personen mit Krampfadern (die erweiterten
Beinvenen nehmen zuviel Blut auf) und bei vielen Patienten nach
krankheitsbedingten Liegephasen.
Diese Störung ergibt sich aus dem vorübergehenden Versagen der
Kreislaufregulation beim Aufstehen oder im Stehen. Das Blut folgt der
Schwerkraft und versackt deshalb beim Aufrichten oder längeren Stehen
nach unten in die Beine. Im Liegen dagegen entspricht der Blutdruck der
Betroffenen der Norm. Da die dünnwandigen Venen leichter dehnbar sind
als die Arterien und sich kaum selbst zusammenziehen können, versacken
beim Aufstehen kurzfristig 400-600 ml Blut in den Beinen. Diese Menge
wird den Blutgefäßen in Oberkörper und Kopf entzogen, so dass weniger
Blut zum Herzen zurückfließen kann. Wenn sich aber die Herzkammern
weniger füllen, dann sinkt auch die Pumpleistung des Herzens und der
Blutdruck fällt ab.
Bei normalem Blutdruck wird dieser Reaktion sofort durch Verengung der
Beingefäße und Abgabe von gespeichertem Blut aus den Depots des Körpers
gegengesteuert, so dass man von dem kurzen Blutdruckabfall nichts
bemerkt. Das gelingt bei der orthostatischen Hypotonie nicht schnell
genug. Es kommt beim plötzlichen Aufstehen oder nach längerem Stehen zu
Schwindel, Übelkeit, Flimmern und Schwarzwerden vor den Augen oder
sogar zu einer kurzen Ohnmacht infolge der Blutleere im Gehirn.
Zugleich wirkt sich die verzögerte Gegenregulation des Sympathikus
(vermehrte Ausschüttung der Stresshormone) in Form von Herzrasen,
Schweißausbrüchen und Angstgefühlen blutdrucksteigernd aus.
Der orthostatische Schwindel wird beim Stehen vor allem dann
provoziert, wenn der Blutdruck ohnehin schon niedrig und nur im Liegen
normal ist, sowie bei Krampfadern, wo an sich bereits bis zu 20% des
Blutes in den Venen versacken.
Essentielle (konstitutionelle) Hypotonie
Essentielle Hypotonie (anlagebedingt, ohne zugrundeliegende Krankheit)
kommt familiär gehäuft vor und kann durch psychosoziale Faktoren
verstärkt werden.
Die Hypotoniesymptome Antriebsschwäche, chronische Müdigkeit,
Ohnmachtsneigung und reduziertes Leistungsvermögen können
verschlüsselter Ausdruck einer bestimmten Persönlichkeit sein.
Konstitutionell niedriger Blutdruck hat dann keinen Krankheitswert,
wenn er (wie oft der Fall) keine Lebensbeeinträchtigung darstellt.
Ein zu niedriger Blutdruck kann oft viele Jahre lang unerkannt und ohne
belastende Auswirkungen vorhanden sein, dann aber durch psychosoziale
Stressfaktoren, die zu einem ständigen psychischen Ohnmachtserleben
führen, zu einem großen Problem werden. Ohnmachtserleben gegenüber den
Anforderungen des Alltags und Unvermögen, die Konflikte zu lösen, führt
zu Erschöpfung und Blutdruckabfall.
Eine Tasse Kaffee oder Schwarztee sind bewährte blutdrucksteigernde
Mittel. Bei erniedrigten Blutdruckwerten sind nur in extremen Fällen
Medikamente sinnvoll.
Sympathomimetika (z.B. Präparate wie Effortil®, Novadral®, Dihydergot®)
führen direkt zu einer Verengung der Venen in Armen und Beinen und
damit zu einem verbesserten Rückfluss des Blutes zum Herzen. Sie haben
meist nur eine vorübergehende Wirkung und sollten bei akutem Bedarf
nicht länger als 4-6 Wochen eingenommen werden, da ein Gewöhnungseffekt
(nachlassende Wirkung) mit einer anschließenden Verschlechterung des
Allgemeinbefindens eintreten kann.
Die medikamentöse Sympathikuserregung kann über die Gefäßverengung die
Pulsrate beängstigend steigern. Die Blutdrucksteigerung führt oft zu
einer als unangenehm erlebten, erhöhten Allgemeinerregung und Unruhe.
Es können auch Herzrhythmusstörungen und Angina-pectoris-ähnliche
Beschwerden auftreten.
Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft empfiehlt bei
niedrigem Blutdruck anstelle von Medikamenten ein intensives
Trainingsprogramm: Wassertreten, Kneippgüsse, Wechselduschen,
Atemgymnastik und regelmäßige sportliche Betätigung. Morgengymnastik,
Krafttraining und Ausdauersportarten wie Leichtathletik
(Zirkeltraining), Schwimmen, Radfahren, Ballspiele, Tennis, Laufen,
Wandern oder Schilanglauf stärken den Kreislauf.
Durchblutungsveränderungen im Körper
Blut ist das Transportmittel, das den ganzen Körper mit Sauerstoff,
Zucker, anderen Nährstoffen, Abwehrzellen und Hormonen versorgt und die
Abfälle beseitigt. Die fünf Liter Blut des Körpers werden jeweils durch
Erweiterung bzw. Verengung der Blutgefäße der verschiedenen Organe so
umverteilt, wie es dem aktuellen Bedarf entspricht.
Bei Angst, Aufregung und Stress bewirkt das sympathische Nervensystem
eine Erhöhung der Durchblutung durch die Erweiterung der Blutgefäße in
den Organen, die für die momentane Aktivität bzw. für das Überleben
besonders wichtig sind (Herz, Lunge, Leber, Skelettmuskulatur, vor
allem die großen Muskeln wie z.B. Bizeps und Oberschenkeln). Es erfolgt
eine vermehrte Versorgung der Arm-, Bein- und sonstigen
Kampf-Flucht-Muskulatur mit Sauerstoff und Nährstoffen.
Gleichzeitig wird die Durchblutung der Gefäße in den Organen, die für
die momentane Tätigkeit nicht unbedingt nötig sind (Magen, Darm,
Nieren, Haut, Schleimhäute, Geschlechtsorgane), vermindert zugunsten
der erhöhten Durchblutung der aktuell wichtigen Organe. Sympathikotone
Hautgefäßverengung (Vasokonstriktion der peripheren Hautgefäße) wird
technisch gewöhnlich als Abnahme der Fingerpulsamplitude festgestellt,
Vasodilatation der Muskelgefäße als Zunahme des Blutvolumens im
Unterarm.
Die Mangeldurchblutung bestimmter Organe führt zu Übelkeit
("Schmetterlinge im Bauch"), Nachlassen der Verdauungstätigkeit und
verminderter sexueller Reaktion. Die blutleere Haut wirkt blass, Hände
und Füße sind kalt und kribbelig. Taubheits-, Kribbel- und Kältegefühle
sind typische Zeichen einer angstbedingten Blutumverteilung zur
arbeitenden Muskulatur. Die Verengung der Blutgefäße an der
Körperoberfläche reduziert die Gefahr der Verblutung bei Verletzungen
in Kampf- und Bedrohungssituationen. Diesem Zweck dient auch die
Verkrampfung von Brust und Bauchdecke bei realer bzw. gefürchteter
Bedrohung. In geringerem Maße ist auch die Durchblutung des Gehirns von
der Blutumverteilung betroffen. Dies führt zu Schwindelgefühlen, die
bei angstbedingter massiver sympathischer Aktivierung sehr oft beklagt
werden.
Diese Vorgänge erklären, warum bei Angst, Aufregung und Stress oft
geklagt wird über Herzrasen, blasse und kalte Haut, blasses Gesicht,
kalte Hände und Füße, Verdauungsstörungen und mangelnde sexuelle
Reaktionsfähigkeit.
Eine wirksame Blutumverteilung hängt von der Schnelligkeit ab. Dies
wird durch die Beschleunigung des Herzschlags und das Schlagvolumen
bewirkt. Das Schlagvolumen ist jene Menge Blut, die das Herz, und zwar
die rechte Herzkammer, während eines Schlages aufnimmt und wieder über
die linke Herzkammer in den Körper pumpt.
Bei einer Notfallreaktion kann der Puls von durchschnittlich 70
Schlägen pro Minute auf 180 und mehr pro Minute ansteigen, während sich
das Schlagvolumen verdoppelt. In Ruhe wird das Blut in einer Minute
einmal "umgewälzt". Während der Alarm- oder Bereitstellungsreaktion
werden infolge des stark erhöhten Pulses die 5 Liter Blut bis zu 5 mal
pro Minute durch den Körper gepumpt und dabei immer wieder mit Energie
(Sauerstoff und Zucker) angereichert.
Bei Ruhe und Entspannung, wie sie über das parasympathische
Nervensystem bewirkt wird, werden die Blutgefäße von Herz, Lunge, Leber
und Skelettmuskulatur verengt und damit die Durchblutung verringert,
während die Blutgefäße von Haut, Verdauungsorganen, Schleimhäuten und
Geschlechtsorganen erweitert und damit die Durchblutung erhöht wird.
Zur Verdauung wird vermehrt Blut benötigt und den anderen Organen
entzogen (insbesondere dem Kopf und der Muskulatur). Man fühlt sich
daher nach dem Essen geistig und körperlich müde. Fortgesetzte
Tätigkeit erfordert eine erhebliche Mehranstrengung.
Die Entspannung der Muskeln im Unterleib (und damit die vermehrte
Durchblutung) kann durch Wärmevorstellungen und Wärmeerfahrungen
gefördert werden:
- Sonnengeflecht-Übung des autogenen Trainings: "Sonnengeflecht strömend warm",
- intensive
Erinnerung und Vergegenwärtigung einer warmen Flüssigkeit im Magen
(Suppe, Tee, Kaffee, ein Schluck Schnaps), die sich im ganzen Unterleib
ausbreitet,
- warme Hände, Wärmeflasche oder Sonnenstrahlen auf der Bauchdecke.
- Schock-
und Schreckreaktionen äußern sich - parasympathisch bedingt - als
Erröten. Rotwerden beruht auf einer vagotonen Fehlregulierung in
Überraschungssituationen.
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Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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