Wählen Sie für die erste Konfrontationsübung einen Kontrollzwang
mittlerer Schwierigkeit aus bzw. einen, der sich gegenwärtig als recht
störend erweist
Selbsthilfe-Programm bei Kontrollzwängen
- Wählen
Sie für die erste Konfrontationsübung einen Kontrollzwang mittlerer
Schwierigkeit aus bzw. einen, der sich gegenwärtig als recht störend
erweist (weil Sie dadurch z.B. bei der Arbeit sehr langsam werden und
viel Zeit verlieren), sodass Sie eine hohe Motivation haben, ihn zu
überwinden.
- Machen
Sie sich bewusst, durch welche Motive Ihr Kontrollzwang bedingt ist.
Was möchten Sie verhindern? Was möchten Sie erreichen? Treffen Sie
Vorkehrungen dafür, dass die jeweilige Arbeit mit maximaler
Aufmerksamkeitsleistung erfolgt. Wenn Sie sich während der
Kontrolltätigkeit recht bildhaft vergegenwärtigen, was passieren kann,
falls Sie nicht ausreichend kontrollieren, vermindern Sie durch die
dabei auftretenden Angstzustände Ihre Aufmerksamkeit für die jeweilige
Handlung. Die angstbedingte Unkonzentriertheit während des
Kontrollverhaltens ist ein Grund dafür, dass Sie bald den Zwang zu
neuerlicher Kontrolle verspüren werden. Viele Zwangspatienten haben das
Gefühl, während der Kontrollen nicht ganz da zu sein, alles
verschwommen zu sehen, irgendwie den eigenen Augen nicht trauen zu
können, später auch nicht dem Gedächtnis, sodass sie bei einer
neuerlichen Kontrolle alles besser machen wollen, was aufgrund
derselben Problematik wiederum nicht gelingt, sodass neuerliche
Kontrollen notwendig werden.
- Erlauben
Sie sich eine einmalige Kontrolle der als möglicherweise unzulänglich
eingestuften Tätigkeiten, und zwar erst nach einem bestimmten, vorher
festgelegten Zeitraum für eine bestimmte Dauer. Legen Sie bereits vor
der Kontrolle die Kriterien für eine zuverlässige Prüfung fest, um
dadurch die spätere Tendenz zu neuerlicher Kontrolle zu mildern.
- Prägen
Sie sich den jeweiligen Kontrollvorgang ganz fest ein. Atmen Sie
während des Kontrollierens jeden Ofen- oder Lichtschalters, jeden
Fenstergriffes usw. entspannt aus, schließen Sie anschließend die Augen
und stellen Sie sich vor, wie der jeweilige Sachverhalt richtig
erledigt ist. Gehen Sie erst dann zur Kontrolle des nächsten Objekts
bzw. Sachverhalts über, wenn Sie sich die zuletzt vorgenommene
Kontrolle bildlich vergegenwärtigen können. Verlassen Sie nach der
Kontrolle die jeweiligen Situationen, Orte und Objekte, um nicht der
Versuchung zu erneuten Kontrollen zu unterliegen.
- Wenn
Sie später neuerlich ein Kontrollbedürfnis überfällt, verzichten Sie
auf jede weitere Kontrolle und lassen Sie auch keine andere Person die
Kontrolle vornehmen, auch wenn Ihnen dies sehr schwer fällt.
Vergegenwärtigen Sie sich ganz intensiv die durchgeführten Kontrollen.
Eine neuerliche Kontrolle würde nur dazu führen, dass Sie Ihr
bisheriges Kontrollverhalten völlig entwerten und dadurch Ihr
Selbstvertrauen systematisch untergraben. Lernen Sie, das dabei
auftretende Unbehagen und Angstgefühl auszuhalten.
- Zur
Sicherung einer einzigen Kontrolle erstellen Sie zu Beginn der
Konfrontationsübungen eine Liste der zu kontrollierenden Objekte bzw.
Sachverhalte. Bei Kontrollzwängen in der Wohnung schreiben Sie jedes zu
kontrollierende Objekt auf und haken es erst dann als erledigt ab, wenn
Sie dies bei voller Aufmerksamkeit unter Entspannungsbedingungen
(entspannte Ausatmung) geprüft haben.
- Wenn
Sie später doch unsicher werden sollten, betrachten Sie den
entsprechenden Vermerk auf Ihrer Liste und lernen Sie auf diese Weise,
Ihrer Prüftätigkeit zu vertrauen. Lernen Sie, im Laufe der Zeit ohne
derartige Listen auszukommen, indem Sie Ihr Gedächtnis entsprechend
trainieren.
- Geben
Sie Ihr Absicherungsdenken auf und fragen Sie keinen Menschen, ob Sie
wohl ausreichend kontrolliert haben. Lernen Sie, selbst die
Verantwortung für Ihr Verhalten zu übernehmen. Sie werden anderenfalls
völlig von Ihrer sozialen Umwelt abhängig.
- Verzichten
Sie auf magische Rituale, die Sie zur Vereinfachung und Abkürzung Ihrer
Kontrollen entwickelt haben, und lernen Sie, besser mit einem
Restrisiko zu leben.
- Zögern
Sie bei großem Kontrollbedürfnis dieses zumindest zeitlich etwas
hinaus, um mit dem Druck besser umgehen zu lernen, und lenken Sie sich
dabei ab.
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Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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