Viele
Menschen mit Ängsten und/oder Zwängen leiden unter
Zwangsbefürchtungen und Zwangsimpulsen. Sie haben Angst, das eigene
Kind zu töten,
Selbsthilfe-Programm bei Zwangsbefürchtungen
Viele
Menschen mit Ängsten und/oder Zwängen leiden unter
Zwangsbefürchtungen und Zwangsimpulsen. Sie haben Angst, das eigene
Kind zu töten, jemand mit einem Messer zu verletzen, sich selbst
mit einem Messer oder einem Glassplitter zu verletzen, sich durch
bestimmte Umweltgifte zu schädigen, mit dem Auto an einen Baum zu
fahren, von einer Brücke oder einem hohen Haus hinunterzuspringen,
einen Unfall zu verursachen, ohne es zu bemerken, in einem Geschäft
ungewollt etwas zu stehlen, unabsichtlich einen Schaden anzurichten
(z.B. ein Feuer zu legen), laut etwas Peinliches zu sagen oder zu
tun usw. Rituale (z.B. Gegengedanken, ständige Bitten um Beruhigung
durch andere, Kontrollzwänge) können diese Zwangsbefürchtungen
jeweils nur kurz beseitigen.
Hilfreich
ist oft folgendes Vorgehen:
- Erstellen
Sie eine Liste Ihrer Zwangsgedanken und -befürchtungen, bewerten Sie
sie nach der subjektiven Belastung von 0-100 und beginnen Sie das
folgende Übungsprogramm mit einer Zwangsbefürchtung mittlerer Belastung.
- Rufen
Sie Ihre zwanghaften Gedanken und Befürchtungen bewusst hervor und
denken Sie diese bis zum bitteren Ende durch, ohne Ablenkung und
kognitive oder verhaltensbezogene Rituale.
- Sprechen
Sie Ihre Zwangsgedanken und Zwangsbefürchtungen auf Tonband, schreiben
Sie sie in ein Heft, gestalten Sie sie in Form eines Drehbuches für
einen Film, lassen Sie sie als Film vor Ihren Augen ablaufen, schreiben
Sie sie in Form eines Briefes an einen fiktiven Freund, zeichnen Sie
sie auf ein Blatt Papier oder singen Sie sie in Form einer bestimmten
Melodie. Tun Sie dies regelmäßig zu festgesetzten Zeitpunkten (am
besten täglich für eine Stunde, um eine rasche Wirksamkeit zu
erreichen), ohne dabei ein Ritual auszuführen.
- Setzen
Sie sich den diktierten, geschriebenen oder gezeichneten
Zwangsbefürchtungen täglich mindestens zweimal für eine vorher fixierte
Zeitdauer aus, um diese neuerlich intensiv auslösen und besser ertragen
zu lernen, ohne Rituale auszuführen.
- Bleiben
Sie bei jeder Übung, die Sie in steigendem Schwierigkeitsgrad
durchführen, mental voll und ganz in der jeweiligen angstmachenden
Situation, ohne Rituale einzusetzen, und beenden Sie jede Übung erst
dann, wenn das Ausmaß Ihrer Angst und Unruhe um mindestens 50%
abgenommen hat.
- Machen
Sie dabei die Erfahrung, dass spontane oder absichtlich provozierte
Gedanken nicht dazu führen, in die Wirklichkeit umgesetzt zu werden.
Sie können etwas denken und müssen es deswegen keinesfalls ausführen.
Der Gedanke, jemand etwas anzutun, fremdzugehen, etwas zu stehlen usw.
stellt immer eine Möglichkeit dar, ob Ihnen das passt oder nicht. Etwas
zu denken, ist eine Sache, etwas auszuführen, eine andere Sache.
Dazwischen liegt der Bereich der menschlichen Freiheit. Sie unterliegen
der "Magie des Denkens", wenn Sie glauben, dass Gedachtes gleich
Wirklichkeit wird.
- Wiederholen
Sie eine Übung am nächsten Tag und verlängern Sie die Zeit der mentalen
Konfrontation, wenn eine bestimmte Zwangsbefürchtung in ihrem
bedrängenden Effekt nicht geringer werden sollte.
- Konfrontieren
Sie sich im Laufe der Zeit auch mit den ärgsten Zwangsbefürchtungen,
ohne Rituale einzusetzen. Wenn Sie dies nicht tun und mit teilweisen
Erfolgen bei weniger belastenden Zwangsbefürchtungen zufrieden sind,
besteht die Gefahr, dass Ihre Störung bald wieder stärker auftreten und
schließlich doch zu zeitaufwendigen Zwangshandlungen und gedanklichen
Ritualen führen wird.
- Verwenden
Sie dieses Selbsthilfeprogramm für Zwangsgedanken auch dann, wenn Sie
primär unter Zwangshandlungen leiden, weil diese letztlich durch Ihre
nicht aushaltbaren Zwangsgedanken ausgelöst werden.
- Anstelle
von kognitiven Ritualen können Sie bei anfänglichen Schwierigkeiten in
der Konfrontation mit Ihren Zwangsbefürchtungen entspannendes Ausatmen
einsetzen, um diese ohne massive körperliche Verspannungen besser
ertragen zu lernen.
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Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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