spacer
spacer search
Search
Home | Impressum | Das PA-Team | Sponsoren | Kooperationen | Kontakt | Angstliste | Downloads | Sitemap
Hauptmenue
Home
Angststörungen
Hilfe zur Selbsthilfe
Patientenrecht
Adressen
Bücherliste
Meine Angst
Mein Weg
--------------------------------
Online-Beratung
Forum
--------------------------------
Angst-Zeitschrift
Trägerverein
Deutsche Angst-SHG
Münchner Angst-SHG
Zugriffe
Seitenaufrufe : 2473114
 

Konfrontationstherapie
Stellen Sie sich allen Angstsituationen, ohne auszuweichen! Wenn Sie angstmachenden Situationen ausweichen, wird Ihre Angst für die Zukunft fixiert, Ihr Selbstvertrauen reduziert,


Nicht das Hinfallen ist schlimm, sondern es ist schlimm, wenn man dort liegenbleibt, wo man hingefallen ist.

(Sokrates)


Grundregeln der Angstbewältigung bei Agoraphobie

Stellen Sie sich allen Angstsituationen, ohne auszuweichen! Wenn Sie angstmachenden Situationen ausweichen, wird Ihre Angst für die Zukunft fixiert, Ihr Selbstvertrauen reduziert, Ihr Bewegungsspielraum eingeengt und Ihre Abhängigkeit von anderen Menschen bzw. von Medikamenten verstärkt. Verzichten Sie auf das irreale Ziel eines angstfreien Lebens und nehmen Sie sich vor, alles trotz Ihrer Ängste anzugehen, was Ihnen wichtig erscheint. Es ist verständlich, dass Sie nach Ihren Gefühlen handeln wollen. Bei Angstzuständen werden Sie dadurch jedoch ebenso zum Sklaven Ihrer momentanen Gefühle wie bei Depressionen, die gerade darin bestehen, dass Sie sich aus Lustlosigkeit zu nichts aufraffen können, was Sie früher im Leben gerne getan haben. Bei der verhaltenstherapeutisch orientierten Depressionsbehandlung lautet das Motto: Aktivität verbessert die Stimmung. Dasselbe gilt bei der Behandlung der Agoraphobie.

Das beste Agoraphobie-Selbsthilfebuch "Platzangst", von Mathews, Gelder und Johnston in London erstellt und von Hand und Fisser-Wilke in Hamburg übersetzt und als erfolgreich überprüft, enthält 10 Regeln zur Bewältigung von Angst und Panik:

  1. Denken Sie immer daran, dass Ihre Angstgefühle und die dabei auftretenden körperlichen Symptome nichts anderes sind als eine "Übersteigerung" der normalen Körperreaktion in einer Stresssituation.
  2. Solche Gefühle und Körperreaktionen sind zwar sehr unangenehm, aber weder gefährlich, noch in irgendeiner Weise schädlich. Nichts Schlimmes wird geschehen!
  3. Steigern Sie sich in Angstsituationen nicht selbst durch Gedanken wie: "Was wird geschehen" und "Wohin kann das führen" in noch größere Ängste hinein.
  4. Konzentrieren Sie sich nur auf das, was um Sie herum und mit Ihrem Körper wirklich geschieht - nicht auf das, was in Ihrer Vorstellung noch alles geschehen könnte.
  5. Warten Sie ab und geben Sie der Angst Zeit, vorüberzugehen. Bekämpfen Sie Ihre Angst nicht! Laufen Sie nicht davon! Akzeptieren Sie die Angst.
  6. Beobachten Sie, wie die Angst von selbst wieder abnimmt, wenn Sie aufhören, sich in Ihre Gedanken (Angst vor der Angst) weiter hineinzusteigern.
  7. Denken Sie daran, dass es beim Üben nur darauf ankommt zu lernen, mit der Angst umzugehen - nicht, sie zu vermeiden. Nur so geben Sie sich selbst eine Chance, Fortschritte zu machen.
  8. Halten Sie sich innere Ziele vor Augen, welche Fortschritte Sie schon - trotz aller Schwierigkeiten - gemacht haben. Denken Sie daran, wie zufrieden Sie sein werden, wenn Sie auch dieses Mal Erfolg haben.
  9. Wenn Sie sich besser fühlen, schauen Sie sich um und planen Sie den nächsten Schritt.
  10. Wenn Sie sich in der Lage fühlen weiterzumachen, dann versuchen Sie, ruhig und gelassen in die nächste Übung zu gehen.

Die Autoren empfehlen folgende Selbstinstruktionen in Angstsituationen:

  1. Meine Angstgefühle und die dabei auftretenden körperlichen Symptome sind verstärkte normale Stressreaktionen.
  2. Ich bin und bleibe körperlich gesund trotz der Angstreaktionen.
  3. Ich schwäche meine Angstreaktionen, wenn ich an etwas anderes denke.
  4. Ich bleibe trotz Panikgefühlen in der Realität. Ich beobachte und beschreibe, was ich momentan wirklich erlebe.
  5. Ich warte in der Situation, bis die Angst vorübergeht.
  6. Ich beobachte, wann und wie die Angst von alleine wieder abnimmt.
  7. Ich gebe mir eine Chance, einen Fortschritt zu machen und stelle mich jeder Angstsituation ohne Vermeidung.
  8. Ich führe jede Übung bis zum Abschluss durch.
  9. Ich kann stolz sein auf meine bisherigen Bemühungen und Erfolge, auch die kleinsten.
  10. Ich nehme mir Zeit für die Übungen.

Die verhaltenstherapeutisch orientierte Angstbehandlung beruht auf einem einfachen Grundsatz: Angstbewältigung kann nur erfolgen über ein Durcherleben und Aushaltenlernen von Angst. "Das Wesentliche im Umgang mit der Angst besteht darin, mit ihr mitzugehen, bis der Sturm vorüber ist" (Marks). Eine Panikattacke ist vergleichbar einer Meereswelle, die einen überflutet. Es ist besser, mit der Welle mitzuschwimmen, als gegen sie anzuschwimmen. Wenn Sie Ihre Angst unterdrücken oder stoppen wollen anstatt sie zu akzeptieren und anzunehmen, bleiben Sie unnötig lange angespannt. Der ständige Kampf gegen die Angst kostet enorm viel Kraft und führt zu chronischer Erschöpfung. Lassen Sie Ihre Angst daher zu wie Ihre Tränen in Phasen der Trauer.

Wenn Ihre Angst bei einer Konfrontationstherapie nach spätestens einer halben Stunde nicht abklingt, ist dies oft dadurch bedingt, dass Sie gegen das Auftreten einer Panikattacke ständig aktiv ankämpfen. Eine Konfrontationstherapie ist dann am wirksamsten, wenn Sie bewusst gerade jene Situationen aufsuchen, die zu einer Panikattacke führen können. Ihr unerschrockenes Verhalten wird Ihnen zeigen, dass es gar nicht so leicht ist, eine Panikattacke zu provozieren, wenn Sie bereit sind, diese voll zuzulassen.

Verzichten Sie in Angstsituationen von sich aus auf jede Fluchtmöglichkeit und bestärken Sie sich darin immer wieder ("Ich halte durch, was auch immer passiert!"), denn jeder Fluchtgedanke ("Nichts wie weg!") führt zu einer körperlichen Aktivierung.

In allen Angstsituationen tritt letztlich die Angst vor den eigenen unkontrollierbaren Körperreaktionen auf, die zu ertragen gelernt wird. Je mehr Sie sich in angstmachenden Situationen auf sich selbst verlassen lernen und auf niemand anderen (keinen Angehörigen oder anderen Helfer) und auch auf nichts anderes (kein Medikament oder anderes Hilfsmittel), um so schneller werden Sie Ihre Angst in den Griff bekommen.

Lassen Sie sich am besten täglich auf eine Konfrontation mit der Angst ein, indem Sie sich in angstbesetzte Situationen begeben und so lange darin bleiben, bis Ihre Angst sinkt oder überhaupt verschwindet. Ihre anfängliche Angst bewirkt zuerst durch eine Adrenalinausschüttung eine Alarmreaktion Ihres Körpers, die nach 3-5 Minuten nachlässt, weil Sie sich an die Situation gewöhnt haben. Die weiteren Zustände Ihres Körpers sind leichter erträglich, wenn Sie nur die ersten 5 Minuten durchgehalten haben. Verlassen Sie die Situation jedoch erst dann, wenn keine Angstreaktion Sie dazu treibt. Dieses Vorgehen stärkt rasch Ihr Selbstvertrauen. Es ist nicht das Ziel, keine Angst mehr zu haben, sondern die Angst besser aushalten zu lernen.

Die Konfrontation mit der Angst kann auf zweifache Weise erfolgen:

1. Gestufte Reizkonfrontation: in kleinen Schritten werden immer schwierigere Aufgaben bewältigt.
2. Massierte Reizkonfrontation (Reizüberflutung): es werden gleich zu Beginn die größten Ängste provoziert, durcherlebt und ausgehalten.

Gestufte bzw. massierte Reizkonfrontation mit "Reaktionsverhinderung" (Ausharren in den angstmachenden Situationen und regelmäßiges Durcherleben der jeweiligen Angstreaktionen ohne Unterstützung durch Entspannungstechniken oder Medikamente) führt zu einer raschen und dauerhaften Beseitigung der lebenseinengenden Ängste.

Agoraphobiepatienten mit Panikstörung sollten zu einer Kontrollverlust-Erfahrung im Sinne einer Panikprovokation bereit sein, um besser mit ihrer Angst vor einer neuerlichen Panikattacke umgehen zu lernen. Die Angst vor einer Panikattacke ist meistens die Ursache der Entscheidung für eine gestufte Angstbewältigung. Wenn Sie zu jenen Menschen gehören, die früher selbstbewusst und ohne Zögern überall hin gehen bzw. fahren konnten und auch keinerlei Angst vor dem Alleinsein hatten, haben Sie Ihren Aktionsradius ziemlich sicher als Reaktion auf eine Panikattacke eingeschränkt. Ein gestuftes Angstbewältigungstraining stellt für Sie keine wirklich neue Erfahrung dar, denn die dabei zu erlernenden Fähigkeiten haben Sie früher schon oft genug bewiesen. Verhalten Sie sich wie vor der ersten Panikattacke, denn es kann Ihnen nichts passieren.


Autor: Dr.Hans Morschitzky
 
spacer
 
© 2012 Panik-Attacken.de
Joomla! is Free Software released under the GNU General Public License.
spacer