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Kognitive Strategien der Angstbewältigung |
Der abstrakte Wille und Vorsatz allein ist auf Dauer für eine
Verhaltensänderung eingefahrener Reaktionsmuster oft zuwenig.
Plastisch-konkrete Vorstellungen
Mentales Training
Der abstrakte Wille und Vorsatz allein ist
auf Dauer für eine Verhaltensänderung eingefahrener Reaktionsmuster oft
zuwenig. Plastisch-konkrete Vorstellungen des Gelingens stärken die
Motivation in schwierigen Zeiten und richten den Blick auf die
positiven Möglichkeiten statt auf die Fehler und Schwächen, die in
Psychotherapien oft zu einseitig im Mittelpunkt stehen.
Angstpatienten können sich das,
was sie fürchten, recht bildhaft vorstellen, nicht aber die Art und
Weise, wie es nach der Angstreaktion gut oder erträglich weitergehen
könnte. Menschen mit Panikattacken beschäftigen sich in der Phantasie
oft mit dem Eintreffen gefährlicher Ereignisse nach dem Motto "Was
wäre, wenn". Sie grübeln ständig, sorgen sich um die Zukunft, malen
sich schreckliche Bilder aus und brechen kurz vor dem Höhepunkt, vor
dem negativsten Ereignis, ihre Phantasien ab, weil sie in Panik
geraten. Sie begehen den Fehler, nicht weiterzudenken und nach
Bewältigungsstrategien zu suchen, sondern bleiben bei der Hilflosigkeit
und Ohnmacht stehen. Solange man nicht tatsächlich stirbt, gibt es
immer mehrere Möglichkeiten, wie es weitergehen könnte. Das
Durchspielen verschiedener Bewältigungsstrategien soll im Rahmen des
mentalen Trainings gelernt werden.
Mentales Training dient bei Angststörungen dazu, in Gedanken bzw. durch
möglichst bildhafte Vorstellung eine positive bzw. bewältigbare Lösung
jener Situation durchzuspielen, vor der man Angst hat. Was man sich
nicht einmal vorstellen kann, kann man oft auch nur schwer tun. In
diesem Sinn erleichtert jede anschauliche Vorstellung einer
Bewältigungsreaktion die tatsächliche Handlungsbereitschaft. Die
typischen Katastrophenvorstellungen von Angstpatienten sind negative
Vorstellungsbilder, die durch positiv-kreatives Visualisieren ersetzt
werden sollen. Der Begriff des mentalen Trainings ist sehr breit,
theoretisch nicht eingeengt und aus dem Spitzensport gut bekannt,
weshalb diese Bezeichnung bevorzugt wird gegenüber Ausdrücken wie
Visualisierung, Imagination, gelenkter Tagtraum, Selbsthypnose,
hypnotische Trance.
Visualisieren bezeichnet ein
Denken in inneren Bildern. Ein entspannter Zustand erleichtert die
Entwicklung von inneren Bildern und Vorstellungen, ist jedoch nicht
unbedingt notwendig. Entscheidend ist vielmehr die intensive, durch
alle Sinne erleichterte Konzentration auf einen bestimmten Sachverhalt
im Sinne einer Wahrnehmungseinengung, wie dies auch bei einer Hypnose
der Fall ist.
Nach dem Carpenter-Effekt führt jeder Gedanke an eine bestimmte
Tätigkeit zu entsprechenden Muskelstimulierungen. Dies gilt auch für
Menschen mit Angststörungen. Der Gedanke, aus einer gefürchteten
Situation am liebsten fliehen zu wollen, führt zu entsprechender
muskulärer Aktivierung. Wenn Sie bei Ihren Konfrontationsübungen
bewusst auf Flucht verzichten, werden Sie nicht jeden Moment, wo diese
(noch) möglich ist, Ihren Körper im Sinne einer Kampf-Flucht-Reaktion
aktivieren.
Positive Vorstellungen (ein
bestimmtes Ruhebild) sowie die Vorstellung des Gelingens einer Handlung
(lebendige Vorstellung vom Ziel einer Übung bei Agoraphobie) bewirken
angenehme körperliche Zustände. Die Vorstellung einzelner Körperpartien
sowie deren momentane Befindlichkeit und Tätigkeit verbessert die
Wahrnehmung und die Funktionen des eigenen Körpers und führt zu einem
besseren Körpererleben.
Mentales Training wird in den verschiedensten Bereichen eingesetzt:
- Die
Astronauten der NASA werden auf die Weltraumflüge vorbereitet, indem
u.a. gefährliche, real nicht trainierbare Situationen mental simuliert
werden, um die Reaktionsgeschwindigkeit in Notsituationen zu
beschleunigen. Sie müssen "wie im Schlaf" reagieren können bei
Situationen, die sie real noch nie erlebt haben.
- In der Wirtschaft und im Verkauf kann der Einsatz in Form einer Motivationsstärkung bei schwieriger Marktlage erfolgen.
- Bei
Krebspatienten haben Visualisierungsübungen großen Anklang gefunden,
die durch die plastisch-realistische Vorstellung der heilenden
physiologischen Prozesse das Immunsystem und damit die Genesung
unterstützen sollen.
- In
der Rehabilitation lernen Menschen, sich ihre geschädigten Körperteile
intensiv zu vergegenwärtigen, wie diese früher gesund in Bewegung
waren, um dadurch deren Funktionieren zu fördern.
- Im
Sport wird das körperliche Training durch das mentale Training ergänzt,
um prinzipiell mögliche körperliche und psychische Leistungsreserven zu
mobilisieren.
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Mentales Training wird seit weit über 30 Jahren im Sport zur
Leistungssteigerung eingesetzt. Sportler spielen die Aufgabenstellung
im Geiste x-mal durch, um sie besser bewältigen zu lernen. Mentales
Training bezeichnete ursprünglich ein mentales Bewegungstraining, d.h.
ein planmäßig wiederholtes Sich-Vorstellen des zu erlernenden
Bewegungsablaufs, und wird heute durch die Berücksichtigung kognitiver,
emotionaler und motivationaler Aspekte im Sport viel umfassender
eingesetzt.
Einige typische Einsatzmöglichkeiten des mentalen Trainings im Sport:
- Zeit-
und energiesparendes Leistungstraining. Auf dem Weg der oftmaligen
Vorstellung erfolgt eine Automation und Verbesserung bestimmter
Verhaltensweisen, ohne dass durch ständiges Training in der Realität
die Leistungsreserven vorschnell ausgebeutet werden. Ein typisches
Beispiel ist die vielfache mentale Bewältigung einer Lauf- oder
Schwimmstrecke.
- Rasche Einübung
komplexer motorischer Bewegungen. Die Vergegenwärtigung von
Bewegungsabläufen bei den meisten Spielsportarten sowie die plastische
Vorstellung des Ablaufs eines ganzen Wettkampfs ermöglicht das
Eintrainieren neuer bzw. adäquaterer Verhaltensweisen: den Speer oder
die Kugel im richtigen Moment werfen, den Rückhandschlag beim Tennis
verbessern, die Wurfgenauigkeit bei Korbball-Freiwürfen erhöhen, eine
ungewohnte Sprungschanze überfliegen.
- Mentale
Bewältigung von Krisensituationen. Die innere Vorbereitung auf einen
Ernstfall bzw. Notfall verhindert eine Verletzung oder Katastrophe:
mentale Bewältigung einer Sturzgefahr beim Slalom wegen eines eisigen
Streckenteils oder Vorstellung einer gefährlichen Situation im
Motorsport.
- Bestärkung des Glaubens an
die Erreichbarkeit des Ziels. Ein Hochspringer sieht sich über eine
Marke springen, die er bisher noch nicht geschafft hat. Ein
Slalomfahrer stärkt sein Selbstvertrauen, indem er eine schwierige
Strecke im Geiste erfolgreich bewältigt. Ein Läufer sieht sich bei
einem Wettlauf als erster im Ziel.
- Besseres
Durchhalten während der sportlichen Leistung. Bevor der Körper
nachlässt, hat der Geist schon aufgegeben. Es gilt daher, das
Durchhalten zu stärken.
- Bessere
Wettkampfvorbereitung von sog. "Trainingsweltmeistern", d.h. von
Sportlern, die im Training oft erster werden, unter den
Stressbedingungen des Wettkampfs jedoch versagen. Dies kann
verschiedene Gründe haben: die Sportler können im Wettkampf mit dem
Druck des Beobachtet-Werdens nicht umgehen; sie sind zuwenig spontan
und locker, sondern bemüht-verkrampft; sie kämpfen mehr gegen das
Versagen (und stellen sich dieses bereits vor) als für den Erfolg.
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Zahlreiche sportliche Erfolge und wissenschaftliche Untersuchungen
belegen die Wirksamkeit des mentalen Trainings. Durch die
revolutionären Entwicklungen in der Hirnforschung können mittlerweile
mentale Bewegungsprozesse (z.B. bildhafte Vorstellungen) auf dem
Computerbild festgehalten werden.
"Einbildungen" haben eine reale Grundlage im Gehirn und führen zu
bestimmten physiologischen Befindlichkeiten. Mit der
Positronen-Emissions-Tomographie (PET) kann man Schnittbilder gewinnen,
deren Farbgebung die örtliche Versorgung des Gehirns mit Blut und dem
Energieträger Traubenzucker (Glukose) erkennen lassen.
Mentales Training bei Angstzuständen umfasst vier Abschnitte:
- Entspannungsinduktion. Entspannung soll eine Sammlung der Aufmerksamkeit nach innen bewirken und die Lebendigkeit der Vorstellungen steigern.
- Mentale Reizkonfrontation (Exposition).
Intensive, plastisch-lebendige Begegnung mit den angstmachenden
Situationen in der Vorstellung unter Einbeziehung aller Sinnesorgane,
wodurch auch die bekannten körperlichen Angstreaktionen ausgelöst
werden.
- Bewältigung. Bestimmte Angstbewältigungsstrategien werden mental durchgespielt.
- Erfolgsinduktion (realistischer Erfolg).
Die vorstellungsmäßige Vermittlung von realistischen Erfolgserlebnissen
sichert die Motivation und bestärkt den Glauben an die Angstbewältigung
in der Realität.
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Nach einer Untersuchung zur Behandlung von Prüfungsängsten mittels
Hypnose ist die Konfrontation mit angstmachenden Situationen allein
wenig erfolgversprechend, entscheidend ist vielmehr das mentale
Eintrainieren von Bewältigungsreaktionen.
In ähnlicher Weise erreichten vergewaltigte Frauen, die mit Hilfe einer
mentalen Konfrontationstherapie einen besseren Umgang mit den
traumatischen Erinnerungen erlernt hatten, durch ein zusätzliches
mentales Bewältigungstraining in Hinblick auf zukünftige ähnliche
Situationen einen noch besseren Therapieerfolg.
Menschen mit Agoraphobie und sozialer Phobie können durch mentale
Strategien dazu ermutigt werden, sich der gefürchteten Realität zu
stellen. Durch ein derartiges Vorgehen wird die Erfolgserwartung
gestärkt und die Erwartungsangst abgebaut.
Angstkonfrontationen in der Vorstellung können folgenden Sinn haben:
- Klärung
und Identifizierung der konkreten Ängste: wahrnehmen und erkennen
lernen, wovor man sich tatsächlich fürchtet, z.B. vor einer bestimmten
körperlichen Reaktion, vor dem Blick der Leute, vor deren Nachrede.
- Differenzierung
von Gefühlszuständen in bestimmten Situationen: viele Angstpatienten
neigen dazu, jede Erregung gleich mit Angst zu assoziieren, tatsächlich
könnte es sich z.B. auch um eine wutbedingte Erregung handeln.
- Vorstellung der katastrophalen Folgen, die man in realen Situationen noch nicht zulassen kann und daher meidet bzw. flieht.
- Stärkung
des Glaubens, dass man eine bestimmte Situation bewältigen kann, indem
man sich diese einfach als bewältigbar vorstellt. Oft liegt das Problem
gerade darin, dass man etwas tun soll, was man sich nicht einmal
vorstellen kann.
- Gewöhnung an angstmachende Situationen durch besseren Umgang mit den Erwartungsängsten.
- Mentale Einübung neuer Fertigkeiten und Vorbereitung auf das Üben in einer ungewohnten oder gefürchteten Realsituation.
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Mentales Training ermöglicht nicht nur die Etablierung positiver
Sichtweisen und Bewältigungsreaktionen, sondern auch die Klärung von
Einstellungen, Empfindungen und Konflikten, indem durch inneres
Probehandeln ohne Risiko Alternativen abgewogen und innere Barrieren
überwunden werden können.
Beim mentalen Training ist es wichtig, das Vorgestellte immer als
gegenwärtig bzw. als bald, aber sicher eintretend zu visualisieren,
auch wenn es sich um vergangene oder zukünftige Ereignisse handelt.
Hypnose, autogenes Training oder andere Entspannungstechniken verwenden
ähnliche Vorgangsweisen.
Typische Beispiele sind:
- "Der rechte Arm ist ganz schwer."
- "Die Atmung ist ruhig und regelmäßig."
- "Der ganze Körper wird angenehm warm."
- "Ich spüre, wie das langsame Ausatmen meinen Körper entspannt."
- "Wenn mein Herz rast, wird es durch ruhiges Atmen wieder langsamer schlagen."
- "Wenn mir beim Gehen schwindlig wird, bleibe ich aufrecht und gehe weiter."
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Grundsätzlich gibt es zwei Arten des Visualisierens:
1. Beobachterposition
(sich von außen sehen). Man erlebt das Vorgestellte wie in einem Film,
d.h. man sieht sich selbst im Bild und beobachtet sich aus sicherer
Distanz. In der Fachsprache bezeichnet man diesen Zustand als
"Dissoziation". Man sieht sich leibhaftig wie auf einem Monitor oder
einer Leinwand und spürt sich körperlich und gefühlsmäßig in der Rolle
des Beobachters und nicht des Akteurs. Ein derartiges Vorgehen
empfiehlt sich bei traumatisierenden Erfahrungen von Gewalt (z.B.
körperliche Züchtigung, Vergewaltigung), um eine unkontrollierbare
emotionale Überwältigung und Retraumatisierung zu vermeiden, aber auch
bei Ängsten, die die Betroffenen nicht frontal angehen möchten.
2. Teilnehmerposition
(sich von innen erleben: Einheit als Handelnder und Beobachtender). Man
erlebt sich als Handelnder, als ob das Ereignis gerade jetzt
stattfinden würde, vergegenwärtigt durch alle Sinneskanäle. In der
Fachsprache wird dies "Assoziation" genannt. Dies schafft ein
intensives emotionales Erleben, welches überall dort angezeigt ist, wo
gerade dieses gefördert werden soll (z.B. Erleben von Wut, Trauer oder
sexueller Erregung) oder zumindest besser ertragen werden soll (bei
Angstzuständen und unvermeidlichen körperlichen Missempfindungen). Jede
schöne Urlaubserinnerung und jede intensive Angstvorstellung stellt
eine Assoziation dar, d.h. ein Empfinden, als ob das Vorgestellte
gegenwärtig Realität wäre.
Wichtige Übungen
können vorher auf Tonband gesprochen werden und dann immer wieder
angehört werden. Die lebendige Vorstellung der Bewältigbarkeit einer
Situation stärkt den Glauben daran, genauso wie die Vorstellung einer
bevorstehenden Katastrophe die Angst vor deren Eintreten und damit das
Vermeidungsverhalten bestärkt. In beiden Fällen ist es die
plastisch-lebendige Vergegenwärtigung des Ausgangs eines Ereignisses in
Form eines bestimmten Bildes oder einer Filmsequenz, die das vorherige
Empfinden bestimmt (Angst oder Zuversicht).
Menschen mit Ängsten betreiben ständig negative Selbsthypnose. Sie
haben die Fähigkeit zu sehr bildhaftem Denken, was bei Ängsten zur
Belastung wird. Die imaginativen Fähigkeiten werden in der Therapie
positiv zu nutzen gelernt. Zur Entspannung können bestimmte Techniken
eingesetzt werden, die einen leichten Trancezustand bewirken. Eine
vorherige Entspannung ist jedoch nicht nötig, wenn durch die
Vorstellungsübung eine konzentrierte Aufmerksamkeit auf die gewünschte
Situation gelingt.
Die möglichst plastisch-lebendige Vorstellung einer angstmachenden
Situation (erlebte oder erwartete Panikattacke, realer oder
gefürchteter Verlust eines geliebten Menschen, traumatisches Erlebnis,
bevorstehendes Ereignis) und deren Bewältigung kann durch folgendes
Vorgehen gefördert werden:
- 1.
Setzen Sie sich zu Hause in einen bequemen Lehnstuhl und schließen Sie
die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie schalten Ihren Fernsehapparat ein
und schauen sich einen "Angstfilm" an, einen Videofilm einer für Sie
typischen Angstsituation (ähnlich wie Sie sich auch ein Urlaubsvideo
anschauen würden). Sie haben dabei die Fernsteuerung in der Hand, um
den Film je nach Bedarf steuern zu können.
- Lassen
Sie diesen Film mehrfach vor Ihren Augen ablaufen, bis zum Ende. Mit
der Fernsteuerung können Sie diesen Film jederzeit vor- und
zurückspielen bzw. anhalten, um ein Standbild zu erhalten. Sehen Sie
sich selbst im Film, d.h. erleben Sie sich als distanzierter
Beobachter. Entdecken Sie, dass Sie nur dann intensive Angst bekommen,
wenn Sie sich selbst nicht mehr im Film sehen, sondern plötzlich als
mitten drin im Geschehen erleben, wie wenn der Film gerade jetzt
gedreht würde.
- Vergegenwärtigen
Sie sich beim Anschauen des "Angstfilms" dann, wenn Angst aufkommt,
dass Sie zu Hause sitzen und sich das Angstgeschehen nur im Film
ereignet. Nehmen Sie Ihre momentane Körperposition im Lehnstuhl wahr
und spüren Sie die Fläche, auf der Sie sitzen, die Lehne, die Ihren
Rücken abstützt, und den Stoff, den Ihre Hände berühren. Beobachten Sie
den Raum, in dem Sie sich befinden, um das Hier-und-Jetzt zu betonen
gegenüber der als vergangen oder zukünftig vorgestellten Angstsituation.
- Versuchen
Sie irgendeine Schlüsselerfahrung zu definieren, die Sie zumindest
durch ein Sinnesorgan sicher in der Gegenwart verankert, z.B. Ballen
der Hand zu einer Faust, Blick auf ein bestimmtes Wohnzimmerbild, Hören
Ihrer Lieblingsmusik im Hintergrund oder der Stimme einer vertrauten
Person, Summen einer bestimmten Melodie, Zwerchfellatmung mit Heben und
Senken Ihrer Hände auf der Bauchdecke, Spüren des Lehnstuhls, in dem
Sie sitzen, Riechen des Wohnzimmergeruchs, Schmecken des Getränks, das
Sie gerade trinken.
- Wenn
fast unaushaltbare Angst aufkommt, können Sie den Film vorübergehend
leiser oder dunkler drehen bzw. kurz ausschalten, jedoch nur dann, wenn
Sie vorher bereit sind, nach einer kurzen Erholung den Film wieder
einzuschalten, als Ausdruck dafür, nicht zu flüchten. Wenn Sie einen
bestimmten "Angstfilm" sehr bildhaft ablaufen lassen können, können Sie
die jeweiligen Szenen auch laut kommentieren, wie wenn Sie diese einem
Zuseher neben Ihnen beschreiben würden. Das Sprechen kann Ihnen während
des Sitzens helfen, starke Anspannungen über die Mundbewegungen
abzuführen.
- Wenn
Sie diese Technik einigermaßen sicher beherrschen, können Sie sich
vorstellen, dass der vorher gesehene "Angstfilm" gerade gedreht wird,
mit Ihnen als Hauptdarsteller(in), d.h. Sie wechseln in die
Teilnehmerposition über.
- Schlüpfen
Sie in Ihren Körper, wie Sie ihn bisher im Film gesehen haben, und
erleben Sie sich so, als ob die Ereignisse gerade eben stattfinden
würden. Bei bestimmten traumatischen Erlebnissen (z.B. Vergewaltigung,
Verbrechen, schwerer Unfall) sollten Sie dieses Vorgehen jedoch nicht
allein anwenden, sondern nur in Anwesenheit eines Therapeuten oder
zumindest einer vertrauten Person, um bei Bedarf Unterstützung zu
haben. Dann können Sie Ihr Erleben noch vertiefen, indem Sie die
Ereignisse in der Ich-Form beschreiben ("Ich sehe ... höre ... spüre
jetzt ..."). Sie können diese Schilderung auch auf Tonband festhalten
und später immer wieder anhören, um sich besser daran zu gewöhnen.
- Bei
Bedarf wechseln Sie wieder in die Beobachterposition über und verankern
Sie Ihr Erleben im Hier-und-Jetzt. Wenn Sie in mutiger Weise neuerlich
in das Wiedererleben des belastenden Ereignisses einsteigen, tun Sie
dies mit den seither gewonnenen Sichtweisen und Erfahrungen, d.h. Sie
fügen den sich aufdrängenden Angstvorstellungen neue Elemente hinzu, so
dass Sie trotz der realen Hilflosigkeit dennoch irgendwie stärker
wirken.
- Zur
weiteren Stärkung Ihres Selbstvertrauens können Sie abschließend den
Film in der Beobachter- und Teilnehmerposition wiederholt so ablaufen
lassen, als würden Sie eine ähnliche Situation in der Zukunft erleben,
wo es Ihnen allerdings gelingt, eine andere positivere
Bewältigungsstrategie anzuwenden und eine Wiederholung der
traumatischen Ereignisse der Vergangenheit zu verhindern.
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Im folgenden werden Übungsvorschläge zum mentalen Training bei
Agoraphobie bzw. Panikstörung vorgestellt, die je nach Bedarf
individuell abgewandelt werden können.
Vorstellung einer real bewältigten Angstsituation (Blick zurück).
Erinnern Sie sich an eine Situation, die Sie früher gefürchtet haben,
nunmehr jedoch bewältigen können, weil Sie diese bereits mehrfach
durcherlebt haben. Vergegenwärtigen Sie sich diese Erfahrung vom
anfänglichen Unbehagen an bis zur gelungenen Bewältigung.
Vorstellung einer erfolgreichen, in dieser Weise bisher noch nie
gelungenen Angstbewältigung ("Ein schöner Tagtraum"). Vermitteln Sie
sich in Form eines Tagtraums die mentale Erfahrung der Bewältigung
einer in der Realität noch nicht erfolgreich durcherlebten Situation.
Was Sie sich konkret vorstellen können, wird Sie mehr anziehen.
Vorstellung der erfolgreichen Angstbewältigung durch eine Modellperson.
Stellen Sie sich vor, wie eine für Sie attraktive Modellperson die
gefürchteten Angstsituationen meistert. Was würde diese Person in
derselben Angstsituation denken und tun? Was tut diese Person, wozu Sie
derzeit noch nicht in der Lage sind? Was lernen Sie daraus?
Lautes Verbalisieren der angstmachenden Vorstellungen. Die Wirkung der
imaginierten Reizkonfrontation wird erhöht, wenn Sie bei geschlossenen
Augen alles, was Sie sich vorstellen, laut aussprechen, um auf diese
Weise in der Angstsituation zu verbleiben. Sprechen Sie dabei in der
Ich-Form und in der Gegenwartsform, als ob die Ereignisse jetzt
passieren würden. Nehmen Sie Ihre Angstgedanken bis zur vermeintlichen
Katastrophe, aber auch Ihre Gedanken nach der überlebten Katastrophe,
auf Tonband auf und hören Sie diese Ausführungen später immer wieder an.
Nochmaliges Durcherleben der letzten Panikattacke. Schließen Sie die
Augen und stellen Sie sich die Situation rund um die letzte
Panikattacke ganz konkret vor. Erleben Sie die Panikattacke im
Zeitlupentempo noch einmal mental durch, und zwar in der Ich-Form und
in der Gegenwartsform, z.B. "Ich atme jetzt schneller, mein Herz
beginnt zu rasen, mir wird leicht übel, ich zittere leicht usw." Wie
fängt die Panikattacke an, was macht sie ärger? Was ist das Schlimmste?
Erinnern Sie sich dabei auch, dass und wie Sie diesen Angstanfall
überlebt haben. Wenn Sie vom gegenwärtigen Standpunkt aus auf die
Panikattacke zurückblicken, stärken Sie Ihren Glauben an deren
Bewältigbarkeit.
Durcherleben der bei einer Panikattacke ablaufenden
Kreislaufreaktionen. Üben Sie folgende gelenkte Vorstellungsübung
("Ohnmachtsangst"), um durch bewusste Konzentration auf die
gefürchteten körperlichen Vorgänge diese besser ertragen zu lernen.
Sprechen Sie den folgenden oder einen ähnlichen Text langsam und mit
Pausen auf Tonband und hören Sie sich die Geschichte immer wieder an,
bis Sie damit keine Probleme mehr haben.
Ich stehe da und habe Angst, bald umzufallen. Ich weiß nicht warum und
lasse diese Erfahrungen dennoch zu. Meine Blutgefäße erweitern sich und
mein Blutdruck sackt ab. Ich erlebe Schwindel, Druck auf der Brust,
Schweißausbruch, Übelkeit, weiche Knie und Kribbeln in den Händen. Ich
fürchte mich davor, ohnmächtig zu werden. Rundherum sind Leute, die
mich sehen könnten, wie ich zu Boden sinke. Was werden die Umstehenden
tun? Mich anstarren, mich angreifen oder die Rettung rufen? Ich kenne
meine Zustände und werde es ablehnen, mich von einem Rettungswagen in
ein Krankenhaus bringen zu lassen. Und wenn ich doch mitfahren muss,
werde ich dem Aufnahmearzt im Krankenhaus sagen, dass ich nicht
aufgenommen werden möchte. Ich bin bereit, kurz ohnmächtig zu werden,
die Kontrolle zu verlieren und mich den anderen Menschen hilflos
auszuliefern. Ich möchte das wirklich einmal erleben, was ich die ganze
Zeit fürchte, um die Erfahrung zu machen, dass ich es überlebe. Ich
vergegenwärtige mir jene Situation, in der ich am ehesten umfallen oder
eine Panikattacke erleben könnte. Ich stelle mir vor, wie sich in der
Ohnmacht mein Blutdruck wieder normalisiert, so dass ich bald zu mir
komme, sollte ich überhaupt ohnmächtig werden. Ich fürchte mich vor
diesen Vorgängen, habe Angst umzufallen, möchte mich daher im Stehen am
liebsten nicht bewegen oder zur Sicherheit hinlegen. Wenn ich mich
jedoch nicht bewege, um den Blutdruck durch die Verengung meiner
Blutgefäße rasch wieder zu heben, muss ich es aushalten lernen, wenn
mein Herz durch einen Adrenalinstoß angekurbelt wird, um den Blutdruck
zu heben. Ich spüre bereits, wie mein Herz zu rasen beginnt, um meinen
Kreislauf wieder anzukurbeln. Das Pochen und Rasen meines Herzens macht
mir Angst, dass mir etwas Gefährliches zustoßen könnte. Ich bewege mich
intensiv, schüttle meinen Körper so, wie ein nasser Hund das Wasser
abschüttelt, und erhöhe damit den Blutdruck derart, dass ich nicht mehr
ohnmächtig umfallen kann. Die körperlichen Reaktionen zeigen mir, dass
mein Körper richtig funktioniert und bemüht ist, mich vor einer
Ohnmacht zu bewahren. Ich bin ganz gesund, wenn ich so dastehe und mein
Herz und meinen Kreislauf bei der Arbeit erlebe. Ich beruhige mich,
indem ich langsam durch den Mund ausatme und durch die Nase einatme.
Was sich die Leute über mich denken, wenn Sie mich so sehen, ist mir
egal. Jedem kann es einmal schlecht gehen. Doch nicht jeder hat den
Mut, dies zu zeigen.
Zu-Ende-Denken der angstmachenden Gedanken im Sinne einer massierten
Reizüberflutung ("Die Katastrophe": Das Allerschlimmste außer Sterben).
Die negativen Gedanken, was alles passieren könnte, kehren immer
wieder, ohne jemals richtig zu-Ende-gedacht zu werden (z.B. "Was wäre,
wenn ich einen Herzanfall bekomme, wenn ich umfalle, wenn ich keine
Luft bekomme, wenn ich am ganzen Körper zittere?"). Das ständige
Grübeln über Angstsituationen, ohne wirklich eine genaue Vorstellung
davon zu haben, was im Extremfall passieren könnte (außer sterben),
stellt letztlich eine Meidung der gefürchteten Situationen und Zustände
dar und ermöglicht infolgedessen auch keine mentale Bewältigung.
Lassen Sie in Ihrer Vorstellung einen Film ablaufen, der nicht kurz vor
bzw. während der größten Angst durch einen "Filmriss" endet, sondern
mit einem Katastrophenschluss, egal welcher Art, denn jeder vermittelt
die Botschaft: "Das Überleben ist allemal gewiss." Stellen Sie sich
anschließend vor, wie es nach der "Katastrophe" weitergehen könnte und
entwickeln Sie dabei mindestens drei Schlussversionen dieses
Katastrophenfilms. Positives Denken bedeutet nicht, das Negative zu
leugnen oder auszublenden, sondern real mögliche Gefahren und Probleme
für bewältigbar zu halten.
Die Technik der Katastrophenphantasien wird auch von Watzlawick in dem
Buch "Die Möglichkeit des Andersseins" empfohlen: Klienten sollten mit
dem Therapeuten nicht einfach nur darüber sprechen, wovor sie sich
fürchten, sondern sich die katastrophalsten, unwahrscheinlichsten
Folgen ausdenken, die ihr Problem haben könnte.
Vergegenwärtigung des eigenen Todes. Panikattacken lassen sich sehr
schnell überwinden, wenn man sich in mutiger Weise der
Unausweichlichkeit des Todes stellt.
Stellen Sie sich vor, Sie liegen auf dem Totenbett, noch voll bei
Bewusstsein, aber in der Gewissheit, dass der Tod unmittelbar
bevorsteht und vielleicht schon in der nächsten halben Stunde eintreten
wird. Woran werden Sie sterben? Wie stellen Sie sich das Sterben vor?
Wer soll nach Ihrem Wunsch an Ihrem Totenbett stehen? Von welchen
Menschen fällt Ihnen der Abschied besonders schwer? Was möchten Sie den
Umstehenden in Ihren letzten Worten mitteilen? Welches Testament werden
Sie Ihren Angehörigen hinterlassen? Was kann Ihnen Hoffnung geben, dass
die anderen nach einer Phase der Trauer ohne Sie gut weiterleben
können? Von welchen nicht verwirklichten Lebensträumen müssen Sie
Abschied nehmen? Auf welche der nicht gelebten Möglichkeiten können Sie
am schwersten verzichten? Wie stellen Sie sich das "Sein nach dem Tode"
vor, z.B. als "Weiterleben" in einer bestimmten Form oder als völlige
Auslöschung Ihrer Person? Es gibt viele Beispiele dafür, dass Ruhe und
Frieden in Sterbende und Todgeweihte einkehrt, wenn sie die
Unvermeidbarkeit des Todes akzeptiert haben.
Wenn Sie diese Übung unmöglich allein durchführen können, weil Sie die
"totale Panik" fürchten, dann sollte Ihnen bewusst werden, dass
Unmengen von Beruhigungsmitteln nicht ausreichen werden, die mit den
Panikattacken verbundenen Todesängste zu beseitigen. Brauchen Sie
wirklich auch dann noch abhängig machende Beruhigungsmittel und/oder
eine lange Psychotherapie, wenn Sie die Todesangst als das schmerzliche
Bewusstwerden der Endlichkeit Ihrer Existenz akzeptiert haben? Brauchen
Sie vielleicht gerade deshalb eine zumindest kürzere Psychotherapie,
weil Sie mit diesen existentiellen Ängsten gegenwärtig nicht umgehen
können? Wie groß ist - in einem Prozentwert angegeben - der Anteil der
Todesangst an Ihren krankhaften Ängsten?
Durchspielen der gefürchteten
Situation in Form eines Rollenspiels, wobei Sie bei entsprechenden
technischen Möglichkeiten auch eine Videoaufzeichnung vornehmen können.
Stellen Sie sich zu Hause vor, wie Sie sich gerade in der
Ernstsituation befinden. Wenn es Ihnen hilft, sich eine Situation
möglichst realistisch zu vergegenwärtigen, können Sie zumindest anfangs
dabei die Augen schließen. Spielen Sie dann buchstäblich in Form eines
kleinen Stückes alles durch, was Ihnen real passieren kann. Sie werden
schwindlig, Sie schwanken, Sie wollen sich anhalten, tun es aber nicht,
Sie beginnen vermehrt zu atmen oder halten die Luft an, Sie spüren, wie
weich oder angespannt Ihre Knie sind, und lassen es zu, dass Sie
umfallen, bleiben eine Weile liegen und versuchen sich dann langsam
wieder zu erheben.
Vorstellen der nächsten Panikattacke mit erträglichem Ausgang.
Vorhandene Ängste werden gerade dadurch panikartig gesteigert, dass am
Höhepunkt der Angstvorstellung (bildhafte Vergegenwärtigung von
Herzinfarkt, Ohnmacht, Erbrechen, soziale Auffälligkeit wie Zittern
usw.) ein "Filmriss" erfolgt. Die Panikvorstellung ist das Ende, es
geht nicht mehr weiter. Lernen Sie, diesen "Film" innerlich fortlaufen
zu lassen, so dass es zu einem erträglichen Ausgang kommt. Entwickeln
Sie mindestens drei Varianten, wie Sie die für Sie bedrohliche
Situation einigermaßen gut überstehen können.
In ähnlicher Weise lernen
Menschen, wie sie mit Alpträumen umgehen können, die sie nachts am
Höhepunkt des Dramas, kurz vor dem vermeintlichen Ende, immer wieder
munter werden lassen. In Tagträumen spielt man die Szene immer wieder
durch und entwickelt ein Traumende mit konkreten
Überlebensvorstellungen.
Zwei Beispiele zur Imagination einer bevorstehenden Panikattacke:
Sie fürchten eine Panikattacke in der Straßenbahn oder im Bus. Sie
bekommen bei geschlossenen Fenstern zuwenig Luft. Es wird Ihnen übel,
Sie fürchten sich davor, auffällig zu werden. Sie können ein
eventuelles Erbrechen nicht verhindern, Sie haben jedoch (wie viele
Leute bei Busfahrten) eine Plastiktüte bei sich. Sie steigen deswegen
nicht aus dem Verkehrsmittel aus, sondern setzen die Bauchatmung ein
(zur Erleichterung Lufteinschnüffeln durch die Nase), während Sie Ihre
Hand auf Ihre Bauchdecke legen und durch den Mund ausatmen. Nach
einiger Zeit können Sie zwar erschöpft, jedoch mit einem
Erfolgserlebnis an Ihrem Ziel aussteigen.
Sie
fürchten eine Ohnmacht in einem Geschäft. Sie fühlen sich im Supermarkt
plötzlich schwindlig und der Ohnmacht nahe. Sie möchten bei vollem
Einkaufswagen flüchten, sehen jedoch die lange Warteschlange bei der
Kasse, so dass Sie nicht hinauskommen. Sie sind in der Falle, Ihre
Angst steigt dadurch. Sie spüren, dass Sie keine Luft mehr bekommen,
Ihr Herz schlägt bis zum Hals, Sie beginnen zu schwitzen und zu
zittern. Sie erinnern sich an Ihre letzte Panikattacke, wo Sie Angst zu
sterben gehabt haben. Sie möchten sich am liebsten am Einkaufswagen
festhalten, tun dies jedoch bewußt nicht, sondern stehen frei und sind
bereit umzufallen und auffällig zu werden. Sie haben den Eindruck, dass
schon jemand etwas bemerkt haben könnte. Sie schütteln Arme und Beine
kräftig durch (mutig vor anderen oder in einer Ecke), atmen intensiv
über die Lippenbremse aus und durch die Nase ein ("Einschnüffeln"
bewirkt Zwerchfellatmung). Sie bleiben aufrecht, gehen umher und
beschließen, noch mindestens eine Viertelstunde zu bleiben, um Ihre
ständige Fluchtbereitschaft zu überwinden. Abschließend loben Sie sich
kräftig.
Negative Vorstellungen bei einer
beginnenden Panikattacke durch positive überlagern. Vergegenwärtigen
Sie sich die Empfindungen einer beginnenden Panikattacke und koppeln
Sie diese mit einer anderen, positiven Körpererfahrung, z.B. mit einer
gelungenen sportlichen Betätigung, einem schönen Urlaubserlebnis oder
einer liebevollen Umarmung des Partners. Entwickeln Sie ganz konkrete,
positive Vorstellungsbilder und damit verbundene angenehme Gefühle, die
Ihre negativen Gedanken und Körperempfindungen überlagern. Setzen Sie
dabei alle Sinneskanäle genauso ein, wie Sie dies unbewusst bei der
Vorstellung von Angstsituationen tun. Trainieren Sie die
vorstellungsmäßige Entwicklung wunderschöner Situationen, wo Sie sich
grenzenlos wohl und geborgen fühlen, und überlagern Sie damit die
aktuelle negative Befindlichkeit. Besonders hilfreich ist die
Vergegenwärtigung schöner Erlebnisse.
Einige Beispiele zur Imagination positiver Erlebnisse sollen zu eigenen Ideen anregen:
-
Urlaub am Meer.
Sie liegen am Meer, lassen sich mit jedem Mal Ausatmen angenehm schwer
in Ihren Liegestuhl fallen, sehen die Weite des blauen Meeres, hören
das Rauschen der Wellen, riechen den salzigen Seetang, spüren die
warmen Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut und die angenehm kühlende Wirkung
der Meerestropfen in Ihrem Gesicht und genießen die Urlaubsstimmung.
Was die Leute um Sie herum reden, ist Ihnen egal, auch wenn es über Sie
sein sollte, denn Sie verstehen ihre Sprache überhaupt nicht.
-
Bergerlebnis.
Sie stehen sicher und fest auf einem Berggipfel, schauen auf das
einzigartige Panorama hinab, erleben das beruhigende Grün der
Berghänge, blicken auf den blauen Himmel, hören den heißeren Schrei
einer Krähe, spüren einen angenehmen Lufthauch über Ihr Gesicht
streichen, atmen die frische Bergluft ein und tanken sich dadurch auf
mit neuer Energie, fühlen sich abgehoben vom Lärm des Tales, alles
schaut so weit weg aus. Sie stehen souverän über den Dingen und können
entscheiden, wann Sie sich wieder auf das Gewühl im Tal einlassen. Wenn
auf Sie etwas bedrückend wirkt wie ein dominierender Berg in einem
engen Tal, dann stellen Sie sich vor, Sie sehen alles vom Gipfel aus
und blicken hinunter von der Weite des Bergkamms.
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Erfolgserlebnis.
Vergegenwärtigen Sie sich eines Ihrer größten Erfolgserlebnisse und
spüren Sie die dabei auftretenden körperlichen Empfindungen. Sehen Sie
Ihr Verhalten wie bei einem Videofilm vor sich und schlüpfen Sie in
diesen Körper, wo Sie sich dann selbst nicht mehr sehen und plötzlich
alles so erleben, als wäre es gegenwärtig. Spüren Sie mit allen Fasern
Ihres Körpers die Kompetenz und den Wert Ihrer Person. Mit jeder
Einatmung tanken Sie sich auf mit jener Kraft und Energie, die Sie aus
diesem Erfolgserlebnis beziehen. Mit diesem Körpergefühl gehen Sie
gelassen auf gefürchtete Situationen oder Personen zu.
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Lieblingsmusik.
Schließen Sie Ihre Augen und vergegenwärtigen Sie sich mental Ihre
Lieblingsmusik. Stellen Sie sich vor, Sie haben erstklassige Kopfhörer
auf, versinken tief in dieser Welt der Musik und blenden die ganze
Umwelt für einen bestimmten Zeitraum aus, um sich aufzutanken. Hören
Sie die Melodie, erleben Sie den Rhythmus, der Sie mitreißt, bewegen
Sie Ihren Körper bzw. Ihre Lippen, um die lebendige Teilnahme zu
verstärken, spüren Sie das angenehme Kribbeln in Ihrem Körper und
lassen Sie angenehme Bilder aufkommen, die zu dieser Musik passen.
Verknüpfung bestimmter Körperempfindungen bei Panik mit anderen
Erlebnissen. Körperliche Zustände wie Herzrasen, Atembeschleunigung,
Heißwerden, Schwitzen, Schwindel usw. treten in zahlreichen anderen
Situationen auf, die üblicherweise nicht mit Angst und Panik verbunden
sind.
- Ein schönes sexuelles Erlebnis.
Stellen Sie sich vor, wie Ihr Herz schlägt, Ihre Atmung hörbar und
schnell geht, Ihr Körper ganz angespannt und heiß wird und schließlich
von Schweiß überzogen ist, bis Sie schließlich im Orgasmus das Gefühl
bekommen, ganz weggetreten zu sein. Nicht selten haben Panikpatienten
im Laufe der Zeit auch Angst vor sexueller Erregung, weil sie bestimmte
Körperempfindungen durch die Assoziation mit Paniksymptomen plötzlich
zu fürchten beginnen.
- Ein Saunabesuch.
Stellen Sie sich die geschlossene Sauna kurz nach einem Aufguss vor und
spüren Sie, wie Ihr Körper zu schwitzen beginnt und Sie so gut als
möglich durchatmen. Vergegenwärtigen Sie sich, wie Ihr Herz dies
aushält, auch die anschließende Abkühlung im kalten Wasser.
- Unmittelbar nach einer sportlichen Höchstleistung.
Stellen Sie sich vor, Sie sind gerade ein längeres Stück so schnell wie
möglich gelaufen, die Stiegen bis zum achten Stock eines Hochhauses
rasch hinaufgegangen usw. Spüren Sie das Herzrasen, die Atemnot, den
Schweiß und die Erschöpfung.
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Die Konzentration auf die Inhalte des mentalen Trainings wird oft durch
Störgedanken oder Abschweifen beeinträchtigt. Ein direktes
Dagegen-Ankämpfen führt jedoch oft zur Fixierung darauf. Hilfreich sind
Vorstellungen, wie unerwünschte Gedanken von allein wieder so
verschwinden werden, wie sie gekommen sind.
Störende Gedanken
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ziehen dahin wie die Wolken am Himmel,
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taumeln weg wie die Blätter im Herbstwind,
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werden weggetrieben wie Abfälle in einem Fluss,
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lösen sich auf wie der Nebel, der eine schöne Landschaft freigibt,
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werden in Kisten eingepackt wie Objekte und im Keller oder Dachboden abgestellt.
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Viele Menschen glauben, sie müssten ihre negativen und ängstlichen
Vorstellungen durch positives Denken ersetzen. Einseitig positives
Denken und übertrieben positive Tagträume ("Luftschlösser") führen
jedoch nur zur Entfernung von der Alltagswelt und bewirken keine
konkreten Verbesserungen im Leben, weil sie die Schattenseiten des
Lebens ausblenden.
Nach den neuesten psychologischen Forschungsbefunden sind positive
Phantasien anfangs zwar sehr wichtig, um überhaupt Veränderungswünsche
entstehen zu lassen, in weiterer Folge sind jedoch realistisch-negative
Vorstellungen hilfreicher, um mit möglichen Problemen, Schwächen,
Gefahren und Rückfällen besser umgehen zu lernen.
In dem Buch "Psychologie des Zukunftsdenkens" von Oettingen werden
verschiedene Studien beschrieben, die belegen, dass problemorientierte,
realistische und damit auch negative Phantasien zu produktiveren
Ergebnissen führen, als allzu positive Vorstellungen und Hoffnungen,
die sich nicht mit konkreten Schritten beschäftigen, wie befürchtete
Situationen bewältigt werden können. Die vorstellten mentalen Übungen
zur Angstbewältigung entsprechen diesen psychologischen Erkenntnissen.
Autor:
Dr.Hans Morschitzky
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