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Techniken gegen Phobien
Bei Experten gilt das ursprüngliche Modell der systematischen Desensibilisierung, d.h. die Angstbewältigung in der Vorstellung unter angstdämpfender Entspannung,

Nicht das Hinfallen ist schlimm, sondern es ist schlimm, wenn man dort liegenbleibt, wo man hingefallen ist.

(Sokrates)

Systematische Desensibilisierung

Bei Experten gilt das ursprüngliche Modell der systematischen Desensibilisierung, d.h. die Angstbewältigung in der Vorstellung unter angstdämpfender Entspannung, als überholte, weil zu langsame und nur unzureichend wirksame Strategie, verglichen mit den Methoden der Konfrontationstherapie. Es handelt sich um eine Vorgangsweise nach dem Motto "Wasch’ mich, aber mach’ mich nicht nass!" Wenn Sie gute Gründe haben, warum Sie unbedingt die Technik der systematischen Desensibilisierung einsetzen möchten, die früher als die Methode der Angstbewältigung in der Verhaltenstherapie galt, können Ihnen die folgenden Hinweise dienlich sein:

  1. Erstellen Sie in Zusammenhang mit Ihrer Phobie (z.B. Hundephobie, Flugphobie, Sexualphobie, Sozialphobie) eine Liste von ganz konkreten Situationen rund um das phobische Objekt oder Ereignis. Die Angstsituationen müssen so klar und präzise sein, dass sie ähnlich beobachtbar sind wie eine vorgestellte Filmszene.
  2. Erstellen Sie eine Angsthierarchie, d.h. reihen Sie diese Situationen nach dem Ausmaß des angenommenen Angsterlebens, indem Sie Punktewerte von 0-100 als subjektive Belastungswerte vergeben. Eine Angsthierarchie sollte mindestens 10 Situationen umfassen, und zwar möglichst für jede Zehnerstufe eine Vorstellungsübung.
  3. Entspannen Sie sich mit Hilfe einer Methode, die Sie gut beherrschen (autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Atemtechniken, Meditation, Selbsthypnose) und beschleunigen Sie die Entspannung durch ein bestimmtes Ruhebild (z.B. angenehme Urlaubsszene, warme Badewanne, aufbauendes Erfolgserlebnis).
  4. Stellen Sie sich unter Entspannungsbedingungen die leichteste Situation in bezug auf das phobische Objekt oder Ereignis möglichst plastisch vor, und zwar mindestens 30 Sekunden lang. Lassen Sie die Situation zuerst als Betrachter von außen auf sich wirken (wie bei einem Videofilm) und versetzen Sie sich dann in die Szene, wie wenn Sie das Ereignis gerade real erleben würden, indem Sie eine Vergegenwärtigung auf allen Sinneskanälen anstreben. Entspannen Sie sich dann verstärkt und kehren Sie zu Ihrem angenehmen Ruhebild zurück. Anschließend setzen Sie sich auf diese Weise derselben Vorstellung noch zweimal aus, so dass Sie ein sicheres Bewältigungserlebnis haben.
  5. Wenn Sie sich die entsprechende Situation angstfrei bzw. bei erträglicher Angst vorstellen können, gehen Sie jeweils zur nächsten Situation in Ihrer Angsthierarchie weiter, bis Sie schließlich die schwierigsten Situationen zumindest in der Vorstellung aushalten können.
  6. Bei aufkommender Angst konzentrieren Sie sich auf die langsame Ausatmung. Solange Sie ausatmen, können Sie sich nicht reflexhaft anspannen. Wenn die Angst dennoch zu groß wird, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit von der Angstsituation verstärkt auf das Ruhebild, um die Entspannung sicherzustellen. Von der Ruheszene aus wenden Sie sich dann anfangs der zuletzt bewältigten Vorstellung zu, bevor Sie die schwierigere Situation erneut angehen.
  7. Die gesamte Übung sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, damit Sie sich nicht überfordern.
  8. Aufgrund der Übungen kann eine Umstellung der Angsthierarchie erforderlich sein, weil einige Situationen leichter oder schwieriger sind als angenommen.
  9. Wenn Sie die leichteren Angstsituationen in der Vorstellung gut ertragen können, sollten Sie diese Situationen in der Realität aushalten lernen nach dem Modell der gestuften Angstbewältigung. Auch hier können Sie durch Entspannungstechniken die jeweiligen Situationen erträglicher gestalten.


Autor: Dr.Hans Morschitzky
 
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