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Gesetzliche Kasse
Als Versicherter einer gesetzlichen Krankenkasse haben Sie dem Grunde nach Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung bei bestimmten Krankheitsbildern psychischer oder psychosomatischer Natur z.B. Depressionen, Angstneurosen, Herzneurosen, Magengeschwüre oder Kopfschmerzen psychischer Herkunft , Sexualproblemen u.a. Sie stehen nun einem Heer von Anbietern gegenüber, die wir der Reihe nach kurz behandeln. Wenn Ihnen die Kostenerstattung egal ist, können Sie einen großen Teil der nächsten Zeilen überlesen. Als Versicherter einer gesetzlichen Krankenkasse haben Sie dem Grunde nach Anspruch auf psychotherapeutische Behandlung bei bestimmten Krankheitsbildern psychischer oder psychosomatischer Natur z.B. Depressionen, Angstneurosen, Herzneurosen, Magengeschwüre oder Kopfschmerzen psychischer Herkunft , Sexualproblemen u.a. Sie stehen nun einem Heer von Anbietern gegenüber, die wir der Reihe nach kurz behandeln. Wenn Ihnen die Kostenerstattung egal ist, können Sie einen großen Teil der nächsten Zeilen überlesen.

Zur Behandlung sind zugelassen Ärzte oder Diplompsychologen mit bestimmter psychotherapeutischer Zusatzausbildung. Ein medizinisches Staatsexamen oder ein Diplom in Psychologie allein sind nicht ausreichend, obwohl sich faktisch viele Therapeuten ohne Ausbildung psychotherapeutisch betätigen. Bei Ärzten ist die Zusatzbezeichnung Psychotherapie bzw Psychoanalyse oder Ärztlicher Psychotherapeut maßgebend, bei Psychologen die Zusatzbezeichnung "Psychologischer Psychotherapeut". Zu Lasten der Kassen mit Ihrer Chipkarte können Sie sich behandeln lassen, wenn der Therapeut bei den Kassen zugelassen ist.

Eine geographische Vorauswahl könnte zunächst nützlich sein. Wenn Sie in Lübeck wohnen und in Hamburg arbeiten, sollten Sie nicht gerade einen Therapeuten in Lüneburg aussuchen, es sei denn, der hätte ganz besondere Qualitäten. Andererseits kann es wiederum sinnvoll sein, einen weiter entfernteren Therapeuten aufzusuchen, wenn Sie sich damit eine Stunde Parkplatzsuche ersparen können. Immer daran denken, Therapie ist eine Sache, die sich über Jahre hinwegzieht. Sie haben nun eine Vorauswahl getroffen und greifen nun zum Telefon. Bei den gemischt tätigen Ärzten (z.B. Allgemeinmedizin + Psychotherapie) machen Sie am besten einen Sprechstundentermin. Das ist so schön unverbindlich und machte es beiden Seiten leicht, sich ohne Gesichtsverlust nie wieder zu sehen, wenn sie sich aus irgendwelchen Gründen nicht verstehen. Für eine fortlaufende Therapie sind allerdings diese Ärzte oft ausgebucht, da sie noch eine normale Praxis haben (z.B. Allgemeinmedizin, Psychiatrie). Aber vielleicht können sie Ihnen immerhin bei den Fragen Auskunft geben, die wegen Platzmangel in diesem Infoblatt nicht unterzubringen waren oder Ihnen einen Tip geben. Bei den Psychologen oder Ärzten, die sich rein psychotherapeutisch betätigen, ist meist der Anrufbeantworter eingeschaltet, auf dem eine telefonische Sprechstunde angegeben ist. Oft lohnt es sich, kurz vor der vollen Stunde oder kurz nach der vollen Stunde (d.h. 10 h, 11h, 12 h etc.) anzurufen, die Chance, dann ein lebendiges Gegenüber zu haben statt eines Anrufbeantworters , sind dann größer. Die meisten Therapeuten haben mehr oder weniger lange Wartezeiten. Da die Woche nun mal nur vierzig Stunden hat, passen in dieses Raster nur 20 - 40 Patienten und frei wird ein Platz erst, wenn ein anderer Patient geht. Deswegen sind die sogenannten Schokoladenstunden ab 16h nachmittags meist ausgebucht, weil auch Therapeuten es schätzen, zur selben Zeit wie die Patienten Feierabend zu haben. Chancenträchtiger sind dann oft die Stunden 9-10, 10-11 und 11-12 h. Zur Überbrückung, wenn Sie meinen, dass Ihre Problematik hochdringlich sei, gibt es nur die Möglichkeit sich Medikamente zu bedienen, oder die Hilfe ihres Hausarztes, eines psychiatrischen Arztes oder der psychiatrischen Ambulanz in Anspruch zu nehmen. Ggf. ist dann auch ein stationärer Aufenthalt in einer psychosomatischen oder psychiatrischen Klinik nötig.

Bevor Sie den Termin fest machen, sollten Sie sich noch erkundigen, ob der Therapeut eine Kassenzulassung hat und welche Therapieverfahren er praktiziert. Bezahlt werden nur drei Therapieformen, dies sind analytische Therapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Verhaltenstherapie. Man mag darüber spekulieren ob nicht auch Gestalttherapie, Psychodrama, Neurolinguistisches Programmieren, Gesprächstherapie, Familientherapie, Urschreitherapie, Regenschirmtherapie und Kuscheltherapie (die letzten beiden gibt es noch nicht, werden aber sicherlich demnächst in der Presse initiiert) die Kassenerstattung verdienen. Nur es ist eben derzeit so, und wenn Sie diese Therapien machen wollen, geht es nur auf eigene Rechnung. Wenn Sie auf den Kosten nicht sitzen bleiben wollen, haben Sie nur die Auswahl unter diesen dreien. Deswegen fragen Sie am besten bei Ihrem Hausarzt oder bei der ersten Therapiestunde nach oder rufen mich an.

Um es noch einmal zu sagen: Grundsätzlich nicht kassenfähig sind wie oben schon erwähnt Therapieverfahren wie Bioenergetik, Gestalttherapie, Gesprächstherapie, Paartherapie (leider!). Hypnose gehört im engeren Sinne nicht zur Psychotherapie, obwohl sie durchaus ebenfalls seelische Leiden lindern kann. Prinzipiell ist sie auch eine Kassenleistung, allerdings liegt die Schwierigkeit darin einen Therapeuten zu finden. Da die Kassen pro Hypnose nur ca 18 DM bezahlen, ist es schwer vorstellbar, dass ein Arzt diese Leistung für diesen Preis anbieten kann.
Sie haben also nun den Termin für die erste Stunde, die wie in der Fahrschule nur 5o Minuten dauert. Die restlichen 10 Minuten braucht Ihr Therapeut, bevor der nächste Patient kommt, um sich Gedanken über Sie zu machen, ein Telefonat mit einem andern Patienten zu führen, der einen Termin will, frustriert ein Brötchen zu kauen, eine Zigarette zu rauchen oder...oder....

Sie fragen sich nun nach der Stunde, ob Sie am richtigen Platz sind. Dafür gibt es wenige Hilfestellungen zur Entscheidung:

Positiv ist, wenn Sie voll Gelegenheit hatten, Ihr Problem zu schildern
Positiv ist, wenn Sie trotz evt. Meinungsverschiedenheiten sich grundsätzlich akzeptiert fühlen
Negativ ist, wenn der Therapeut später angefangen hat, dafür früher aufgehört hat
Negativ ist, wenn er Ihnen ständig ins Wort gefallen ist und vielleicht noch über sich erzählt hat
Negativ ist, wenn 45 Minuten von den fünfzig damit verbracht werden, Ihnen die Regeln zu erklären, z.B. was die Rechtsfolge ist, wenn Sie eine Stunde unentschuldigt versäumen. Im Zweifelsfalle gehen Sie auf einen zweiten Termin ein.

Zur Vorbereitung der eigentlichen Therapie sind formal zunächst 5 probatorische Sitzungen vorgesehen, in denen sich Patient und Therapeut klar werden, ob sie zueinander passen. Das ist von größter Wichtigkeit, da der therapeutische Prozeß ja oft mehrere Jahre läuft. Es ist besser in diesem Stadium, den Therapeuten zu wechseln, als eine Therapie durchzuschleppen.

Nach der zweiten Stunde muß ein Arzt zu Ihrem körperlichen Gesundheitszustand Stellung nehmen, z.B. ein Allgemeinarzt oder Internist. Hierfür gibt es in Deutschland dem Land der Formulare ein besonderes Formular, das Ihr Hausarzt mit ziemlicher Sicherheit noch nicht kennt, aber vermutlich in Ihrem Interesse nach entsprechender körperlicher Untersuchung ausfüllen wird. Danach schreibt Ihr Therapeut einen chiffrierten Gutachtenbericht, über den ein anonymer Gutachter befindet und seinerseits wieder ein anonymes Gutachten schreibt. Wenn er das Therapieziel etc. für gut befindet, kann die Therapie beginnen, im allgemeinen 1 - 2 Stunden/Woche . Die Maximalzahl ist im allgemeinen 100 Stunden (mit Ausnahmen)., oder 250 Stunden bei analytischen Therapien. Sie sehen also, daß das Verfahren sehr kompliziert ist und diverse Barrieren hat, was seinen Grund darin hat, daß Psychotherapie zu Lasten der Kasse nicht zur Selbsterfahrung oder Selbstverwirklichung dienen soll, sondern einzig und allein der Heilung oder Linderung seelischer Leiden.

Wenn Sie vor der langen Dauer einer Langzeitpsychotherapie zurückschrecken, denken Sie immer daran, dass Psychotherapie auch etwas sehr Schönes sein kann. Immerhin besteht die Chance, daß Sie sich für einen wichtigen Lebensabschnitt der Hilfe eines anderen Menschen bedienen können, um Ihr eigenes Leben auf Dauer farbiger und reicher zu gestalten. dass es dabei nicht immer um Schulterschluß geht und grenzenloses Verständnis, sondern oft um Abgrenzung und Frustration ist auch klar. Es ist eben nicht möglich, zu waschen, ohne dabei auch ein bißchen nass zu machen. Inwieweit eine Therapie erfolgreich ist, hängt zum großen Teil auch von Ihnen ab, inwieweit Sie bereit sind, Gefühle und Wagnisse zuzulassen. Das beste Tandem kommt nicht vorwärts, wenn der eine nur Rückwärtsgang und Bremse bedient. Ob Sie einen männlichen oder weiblichen Therapeuten nehmen sollen, ist etwa dieselbe Frage, ob das erste Kind ein Mädchen oder ein Junge sein soll. Die meisten zukünftigen Eltern sagen dazu: Hauptsache gesund !. Und so sollte es auch für die anstehende Wahl sein. Auch hinsichtlich anderer Faktoren, dürfte es pari stehen. Es dürfte genauso viele ausgesprochen mütterliche männliche Therapeuten geben, wie weibliche Flintenweiber in der Therapie. Die Angst vor Mißbrauch in der Therapie sollte auch nicht entscheidend sein. Die wenigen Fälle, die es dazu gibt, werden in der Presse maßlos hochgespielt. Sollte sich so etwas in Ihrer Therapie anbahnen, sprechen Sie am besten mit Ihrem Hausarzt oder eine(m)r Freund(in) darüber und scheuen Sie sich nicht Maßnahmen zu ergreifen, um diesen schwarzen Schafen das Handwerk zu legen. Wenn Sie nicht gleich einen Therapieplatz bekommen, werden Sie nicht gleich sauer. Es gibt nirgendwo in dieser Welt so viele Psychotherapeuten und psychosomatische Klinikplätze wie in Deutschland. Das sollte nachdenklich stimmen.


Autor: Dr. med. Dr. Paed. Dietger Heitele
 
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