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Arten der Psychotherapie

In der Psychotherapie werden vier Richtlinienverfahren voneinander unterschieden, welche von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden. Sie unterscheiden sich in der Art der Durchführung bzw. der eingesetzten Methoden und in der Art, wie sie das Auftreten von Angsterkrankungen erklären. Meistens spezialisieren sich Therapeuten auf ein Verfahren. Daher ist es wichtig, sich vorab mit den Verfahren zu beschäftigen.

Verhaltenstherapie

Im Rahmen der verhaltenstherapeutischen Behandlung geht es vor allen darum, die angstauslösenden Situationen und Objekte nicht mehr zu meiden. Dazu werden die beiden Verfahren “systematische Desensibilisierung” und “Reizkonfrontation” angewandt. Hierbei soll sich der Patient entweder in der Realität oder auf der Vorstellungsebene der angstauslösenden Situation aussetzen. Dabei wird meist schrittweise, d.h. bei der am wenigsten gefürchteten Situation beginnend, vorgegangen, alternativ setzt sich der Patient gleich der intensivsten Angstsituation aus. Ziel dieser Techniken ist, dass der Patient durch die Konfrontation mit der bisher gemiedenen Angstsituation merkt, dass die befürchteten Konsequenzen ausbleiben.

Die Kognitive Therapie ist eine Form der Verhaltenstherapie. Der Patient soll hierbei erkennen, welche Denkabläufe, wie z.B. die Bewertung der körperlichen Symptome als Gefahr, zur Aufrechterhaltung seiner Angst beitragen. Ziel ist es, solche unangemessenen, verzerrenden Denkmuster zu korrigieren. Dabei ist die Vermittlung von Informationen über die Störung sehr hilfreich.

Tiefenpsychologische Verfahren

Diese Behandlungsmethoden stützen sich auf die psychoanalytische Erklärung für Angststörungen. Frühkindliche Beziehungsmuster und verdrängte Affekte liegen nach dieser Erklärung der Angst zugrunde und sollen in der Therapie aufgedeckt und bearbeitet werden. Ziel ist es einen neuen, der erwachsenen Person angemessenen Umgang mit diesen kindlichen Erlebensmustern zu entwickeln.

Man unterscheidet zwei Arten an tiefenpsychologischen Verfahren:

Analytische Psychotherapie (Klassische Psychoanalyse): Diese arbeitet v.a. mit der Methode der freien Assoziation, bei der der Patient spontan alles sagen soll, was ihm gerade an Vorstellungen, Empfindungen und Phantasien durch den Kopf geht. Der Therapeut wertet und kommentiert die Aussagen des Patienten nicht, vermittelt ihm nur das Gefühl, angenommen zu werden. Er fungiert als Projektionsfläche, auf der der Patient alte Beziehungsmuster und Gefühle wiederholen, erkennen und schließlich umorganisieren kann. Da hier vor allem der Patient den Therapieverlauf bestimmt, kann eine Psychoanalyse 3-5 Jahre dauern.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie: Auch sie geht davon aus, dass eingefahrene und unbewusst ablaufende Muster für die Symptome und Beschwerden des Patienten verantwortlich sind. Die Therapie ist jedoch viel direktiver als bei der klassischen Analyse, d.h. der Therapeut gibt stärker Hinweise und Deutungen, worauf die gegenwärtigen Probleme des Patienten beruhen könnten, und die Therapie ist stärker auf eine rasche Veränderung der problematischen Situation des Patienten fokussiert. Daher dauert eine solche Therapie nur 1-3 Jahre.

Systemische Therapie

Die Systemischen Therapie ist ein Verfahren, das den sozialen Beziehungen innerhalb einer Familie oder Gruppe eine besondere Bedeutung für die Entstehung einer psychischen Erkrankung beimisst. Sie geht davon aus, dass die psychische Störung einer Person (Symptomträger genannt) aus der Störung des Gesamtsystems resultiert, in der ungünstige Verhaltens- und Kommunikationsmuster vorherrschen. Die Therapie ist daher nicht so sehr auf die einzelne Person ausgerichtet, sondern versucht die Interaktionen zwischen den Mitgliedern des Systems (Familie, Partnerschaft) zu verändern. Die Systemische Therapie ist seit 2020 als Kassenleistung zugelassen.