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Sonntag, 21. Juni 2020 | 8 Uhr

Katharina
Nicholas

Guten Morgen ihr Lieben,

heute ist der längste Tag des Jahres! 

Passend dazu haben wir eine lange Ausgabe geschrieben, in der wir über die Corona-App und ihren Nutzen aufklären, uns fragen, wie wir Aufgaben besser strukturieren oder abgeben können, verraten, was Gandalf vom Set von Herr der Ringe geklaut hat und im Mensch zu Mensch ein selbstoffenbarendes wie schallendes Dankeschön an unser wunderbares angstfrei-Team senden.

Einen schönen Tag wünschen Euch damit Katharina, Nicholas
und das ganze Team von angstfrei.news

Ihr habt Lob, Kritik oder Anregungen (z.B. zum Tipp des Tages oder den neuen Kategorien) für uns? Schreibt uns Euer Feedback.

Die gute Nachricht des Tages

Mehr als 10 Millionen Downloads der Corona-App
Gestern Nachmittag meldete das Robert-Koch-Institut über 10,6 Millionen Downloads der Corona-App. Das ist eine gute Nachricht, denn der Nutzen der App steigt mit der Zahl der Nutzer*innen. Zwar ist die App nur eine von mehreren effektiven Maßnahmen zur Eindämmung des Virus’, sie ist aber nachweislich hilfreich (wer zweifelt, dem*der sei unser Tipp des Tages ans Herz gelegt). Die aktuellen Fälle im Fleischbetrieb Tönnies zeigen wie wichtig technische Unterstützung in der Nachverfolgung der Infektionsketten sind. Das betonte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. 

Dazu kommt ein Ausblick in die Zukunft: Die Warn-App ist das Erste IT-Projekt der Bundesregierung, das über eine transparente Feedback-Schleife durch das zur-Verfügung-Stellen des Quellcodes gelaufen ist. Hinter diesen Transparenz-Güte-Status wird die Bundesregierung sich auch künftig nicht zurückfallen lassen können. Damit hat die Corona-App einen nachhaltigen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Digitalisierung in politischen Prozessen.
→  PodCast der Kanzlerin | RKI (twitter)

Die Nachrichtenlage

Zweifel an Schulöffnung nach den Sommerferien
Bundesbildungsministerin Anja Karliczek äußert sich nach den neuerlich lokal geballten Corona-Fallzahlen zögerlicher in Bezug auf den normalen Schulbetrieb nach den Sommerferien. Gegenüber der FAZ sagt sie “Ich hoffe sehr, dass das Infektionsgeschehen diese Entwicklung zulässt.” Als wichtige Faktoren nennt sie den Lehrermangel und auch fehlende Pläne für einen sinnvollen, chancengerechten und effektiven Alternativplan, sollte das Infektionsgeschehen einen Schulstart verhindern. In einigen Bundesländern beginnen die Schulferien bereits Mitte kommender Woche.
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 

Mehr Corona-Infektionen bei Tönnies, neue Auflagen zur Eindämmung
Die Zahl der als infiziert getesteten Mitarbeiter*innen im nordrhein-westfälischen Fleischbetrieb Tönnies ist auf 1029 gestiegen. Die Zahl der Infizierten im ganzen Landkreis Gütersloh liegt deutlich höher. Um das bisher größte lokale Virusaufkommen einzugrenzen, wurde der Schlachtbetrieb für mindestens 14 Tage geschlossen. Die Bundeswehr unterstützt die Nachverfolgung der Fälle. Weitere Maßnahmen seitens der Landesregierung sind in Planung. Auch ein flächendeckender Lockdown in der Region werde dabei nicht ausgeschlossen. Der Leiter des Krisenstabes des betroffenen Landkreises, Thomas Kuhlbusch, übt nach Schwierigkeiten in der Verfolgung der Fälle scharfe Kritik an der Firma Tönnies: "Das Vertrauen [...] ist gleich Null." Firmenchef Clemens Tönnies wehrt sich mit Verweis auf den Datenschutz und weist Rücktrittsforderungen zurück. Er werde das Unternehmen aus der Krise führen. Wie haltbar diese Position im Lichte der breiten Kritik an den Arbeitsbedingungen und Hygienemaßnahmen ist, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
→ dpa | WAZ 

R stark gestiegen - RKI bleibt entspannt
Auf Grund der lokalen Ausbrüche ist die Reproduktionszahl (R) bundesweit stark gestiegen. Das Robert-Koch-Institut sieht derzeit aber noch keinen Grund zur Beunruhigung. Die Zahl sei auf die lokal stark gestiegenen Zahlen im Raum Gütersloh aber auch in Magdeburg oder Berlin-Neukölln zurückzuführen. Zur Riskobewertung heißt es wie folgt: “Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Die Anzahl der neu übermittelten Fälle ist aktuell rückläufig. Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland derzeit weiterhin insgesamt als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch.” Zur Unterstützung mahnt das RKI weiterhin die Hygiene- und Abstandsregeln an und bittet all jene, die technisch dazu in der Lage sind, um die Installation der Corona-Warn-App.
RKI-Bericht 20.6. | zur App 

Ostfriesische Inseln öffnen wieder für Tagestouristen
Ab Montag öffnen Juist und Baltrum ihre Strände wieder für Tagesgäste. Am Dienstag ziehen Borkum, Spiekeroog, Langeoog und Wangerooge nach. Lediglich Norderney - die im Normalfall am stärksten besuchte Insel - lässt bis mindestens Ende Juni nur dann Gäste zu, wenn diese auch mindestens eine Nacht bleiben.
NDR

Reformen des Fleischmarktes gefordert
Parteiübergreifend fordern Politiker*innen grundlegende Veränderungen in der Schlachtbranche. "Fleisch ist zu billig.", fasst Bundesagrarministerin Julia Glöckner das Kernproblem zusammen. Im Gespräch ist ein Verbot der Billigpreiswerbung, für das sich auch Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein ausspricht. Wichtig sei ein Ende des Preisdrucks, so Glöckner. Hierbei helfe eine Tierwohl-Abgabe. "Dabei soll Fleisch kein Luxusprodukt für Reiche werden. Aber auch keine Alltagsramschware.", so die Ministerin. Den Rücken stärkt ihr dabei auch Lebensmittelexperte Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Das billigste Fleisch sei zudem bei Weitem nicht das beste. 

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ergänzt eine Forderung zu besseren Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen in Schlachtbetrieben. Gegenüber dem Tagesspiegel machte er deutlich: "Es kann nicht sein, dass Menschen aus Mittel- und Osteuropa in Deutschland ausgebeutet werden, damit skrupellose Firmen milliardenschwere Gewinne einfahren." Ab 2021 will er gesetzlich Werkverträge mit Sub-Unternehmen in der Branche nach Möglichkeit verbieten. Einen Gesetzesentwurf möchte er noch im Sommer vorlegen. 
→ dpa

Weltflüchtlingstag im Zeichen von Corona
Anlässlich des Weltflüchtlingstages gestern haben zahlreiche Verbände auf die dramatische Lage Flüchtender aufmerksam gemacht. Es gäbe mehr Krisenherde und seltener die Möglichkeit, in das Heimatland zurück zu kehren. Im Zuge der Corona-Krise kämen teils prekäre Zustände in den Unterkünften und aus Hygienegründen eingestellte Hilfsmaßnahmen dazu. UN-Flüchtlingskommissar Filipo Grandi befürchtet außerdem, dass die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Zuge der Krise, die zu höherer Arbeitslosigkeit führen, steigende Zahlen von Menschen auf der Flucht nach sich zieht. Laut dem UNHCR-Bericht sind derzeit 80 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht - zum Vergleich: Das ist die ungefähre Einwohnerzahl Deutschlands.
Tagesschau | UNHCR-Bericht 

Blick ins Ausland

Umstrittener Wahlkampfauftakt - “Ihr seid Krieger!”
Gestern Nacht (19.00 Uhr Ortszeit; Sonntag 02.00 Uhr MESZ) fand die umstrittene Wahlkampfveranstaltung von Donald Trump in einer Halle in Tulsa statt. Zwar wurde bei allen Teilnehmer*innen die Temperatur gemessen und Masken wurden ausgegeben - getragen wurden diese allerdings nicht.  Die Besucher*innen der Wahlkampfveranstaltung mussten unterschreiben, dass Trump und sein Team nicht für etwaige Covid-19-Infektionen haften.   Trump nannte seine Anhänger*innen “Krieger” und heizte gegen Kritiker, die Gesundheitsbedenken hatten. Diese wollten nur Angst verbreiten. Unterdessen protestierten mehrere Tausend Menschen auf den Straßen Tulsas mit deutlichen Worten gegen die Veranstaltung und Präsident Trump. 
Die Gesundheitsbehörden befürchten eine Vielzahl neuer Infektionen, wenn so viele Menschen dicht gedrängt zusammenkommen. Zudem steht auch der Standort unter Kritik, da in Tulsa vor 100 Jahren der schlimmste Massenmord an Schwarzen in der jüngeren Us-Geschichte stattfand. Gestern wurde außerdem bekannt, dass sechs Mitglieder des Wahlkampfteams von US-Präsident Donald Trump positiv auf das neuartige Coronavirus getestet wurden. Die Tests wurden vorab durchgeführt und die Mitarbeiter*innen umgehend in Quarantäne geschickt. 
SPIEGEL | Tagesschau

EU-Parlament kritisiert China 
Das chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong sei der jüngste und krasseste Schritt Pekings um die Autonomie von Hongkong und die Freiheit der Bürger*innen einzuschränken. Diese deutlichen Worte fand das Europaparlament in einer gestern mit großer Mehrheit gebilligten Entschließung. Darin forderten die Abgeordneten eine klare Positionierung der EU für die Autonomie der Sonderverwaltungszone. Als wichtiger Handelspartner habe die EU eine Verantwortung auf Chinas Menschenrechtsverletzungen zu reagieren.
Tagesschau

Brasilien überschreitet Millionenmarke der Infizierten
Wie weitreichende und dramatische Folgen die Verdrängung der Pandemie auf eine Gesellschaft haben kann, zeigt sich aktuell in Brasilien: Die Zahl der Infizierten hat dort gestern die Millionenmarke überschritten. Trotz weitreichender Mahnungen und anteiliger Maßnahmen zum Lock-down bagatellisiert Präsident Bolsonaro die Lage weiter und trifft sich öffentlichkeitswirksam mit Anhängern.
Tagesschau

John Bolton darf Buch publizieren
US-Präsident Donald Trump hat das Gerichtsverfahren gegen seinen ehemaligen Mitarbeiter John Bolton verloren. Damit wollte Trump die Veröffentlichung des Buches verhindern, da dort pikante und in den Augen des Präsidenten staatssicherheits-gefährdende Informationen bekannt gemacht würden. Der zuständige Richter Royce Lamberth begründete seine Entscheidung mit zwei wesentlichen Punkten: zum einen konnte die Regierung nicht nachweisen, dass mit der Veröffentlichung ein irreparabler Schaden entstehe, wie Trump angezeigt hatte, zum anderen sei es sinnlos zum aktuellen Zeitpunkt noch einzuschreiten. Weltweit sind bereits rund 200.000 Exemplare verschickt und liegen Buchhändlern oder Nachrichtenredaktionen vor. 
Tagesschau

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 189.135 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 20.06.2020 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 601 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon?  Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 4.743.011 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 115.167 Personen mehr als gestern Früh. Davon 174.700 in Deutschland (Stand: 21.06.2020 04:24 Uhr, Quelle: Worldometers).

Tipps des Tages

(1) Wichtiges von unwichtigem trennen
Passend zum Mensch zu Mensch heute ein kurzer vorab-Tipp: Ich (Katharina) bin wahnsinnig schlecht darin, zu entscheiden, was wichtig ist. Mir helfen aber drei einfache Werkzeuge, um das schrittweise etwas in den Griff zu bekommen:

  • Bewertungsmatrix | Malt Euch eine Tabelle mit vier Feldern auf zwei Achsen (ein ganz einfaches Quadrat also). Die oberen beiden Spalten beschriftet ihr mit “wichtig” (links) und “weniger wichtig” (rechts), die Zeilen, die übereinander stehen mit “dringend” (oben) und “weniger dringend” (unten). Versucht Eure Aufgaben auf diese Tabelle einzutragen. alles, was unten rechts landet (weniger wichtig und nicht dringend) kann Euch erstmal egal sein. Alles, was wichtig und dringend ist (oben links) sollte erste Priorität haben. Was wichtig aber nicht dringend ist, solltet ihr direkt mit einem Erledigungsdatum versehen, damit es Euch nicht durchrutscht und plötzlich oben links landet. Alles klar?!
  • Wochenplan | Macht einen Plan für die Woche und Tragt auf die Slots Morgens, Nachmittag 1, Nachmittag 2 und Abends ein, welche Aufgaben ihr habt. Tragt zuerst in einer Farbe Eure Pausen ein (Frühstück, Mittag, Nachmittag, Abend), dann in einer weiteren Farbe feste Termine mit Anreise. In einem nächsten Schritt tragt ihr die Aufgaben ein, die im Quadrat oben links stehen - natürlich mit genügend Puffer! Dann arbeitet ihr Euch vor bist der Plan voll ist. Alles, was nicht passt fliegt raus, wird abgegeben oder verschoben.
  • Rat suchen | Fragt Menschen, mit denen ihr zusammenarbeitet  oder die Euch Aufgaben geben nach ihrer konkreten Priorisierung. Es hilft außerdem wenn ihr jemandem nicht anbietet, Dinge schnellst möglich zu machen, sondern den/die andere*n 'kommen lasst'. Meistens nennen diese nämlich einen viel besseren Zeitplan, als man sich selber aufbürdet. Und: Auch Aufschub könnt ihr in Anspruch nehmen - wer fragt und gut begründet, bekommt selten eine Ablehnung.

(2) Corona-Warn-App - einfach machen (wenn’s technisch geht)
Mit Blick auf die RKI Meldung aus den Nachrichten ist unser zweite Tipp ist heute eine ganz pragmatische Empfehlung: Wenn es Eure Telefone zulassen, installiert die Warn-app. Warum? Es hilft ab der aktuellen Zahl der Downloads bereits (begrenzt) und hilft immer besser, wenn mehr Menschen mitmachen. Und für den Fall, dass ihr zweifelt: Das schlimmste, was passieren kann, ist nichts oder ein Fehlalarm (ggf. durch Falschmeldungen über die Hotline, die genutzt werden muss, wenn die Labore keinen Test-Code erstellen sollen), weshalb ihr zwei Wochen in Quarantäne geht. Das Beste was passieren kann ist, dass Infektionen und damit Erkrankungen oder schlimmeres verhindert werden. Und das bei einem Datenschutz, mit dem sogar der Chaos-Computer-Club zufrieden ist. Wir finden: Das klingt wie ein guter Deal. Aber man muss ja nicht alles glauben, was wir schreiben. Deswegen ist der versteckte Tipp im Tipp: Informiert euch!

→ Hier geht’s FAQ der Tagesschau, wie immer rational und übersichtlich.
→ Hier geht’s zur kritischen Reflexion des PodCasts “Lage der Nation
→ Hier geht’s zum Spiegel-Artikel “Was sagen Netzexperten?” 

360° - Von Mensch zu Mensch

Über Kontrollverlust und Zusammenhalt*
von Katharina

Ich bin der grundlegenden Überzeugung, dass es an mir ist, die Ränder der Welt zusammenzuhalten, weil sie sonst auseinander driftet. Deswegen schlage ich oft vor, eine Sache selber zu erledigen, anstatt sie abzugeben, übernehme mehr Aufgaben, als ich tragen kann und biete immer jede*m meine Hilfe an, wenn es für ihn oder sie hart auf hart kommt. Manchmal ohne dafür selber die Kapazitäten zu haben. 

Gerade zu Zeiten des Kontrollverlustes lege ich in diesem Schema noch eine Schippe drauf. Es ist doch so einfach, der Corona-Unsicherheit etwas entgegenzuhalten, was (anderen) Sicherheit schafft, wie diese Webseite zum Beispiel. Es ist doch so befriedigend, wenn man in sich zwar Stürme spürt, aber anderen Stabilität liefern kann. Die Bastion des Nutzens gegen das gefühlte eigene Unnützsein. Je lauter die Stürme, desto stärker suche ich Möglichkeiten, an anderer Stelle die Stütze zu sein, die eine Situation wieder in Kontrolle bringt. Und ein bisschen was von dieser Kontrolle färbt dann auch auf mich ab. Wie schön. 

Das heißt übrigens nicht, dass ich nicht aufrichtig gerne helfe - das liegt in meinem Wesen: Die Welt macht mehr Spaß mit anderen. Und ich möchte, dass es ihnen allen möglichst optimal geht. Nur mich beziehe ich in "die anderen" nicht ein. Ich setze andere Maßstäbe, andere Anforderungen - ich kenne ja meine Möglichkeiten und bin nicht nachsichtig, wenn ich diese nicht ausschöpfe. Der*die aufmerksame Leser*in merkt: Ich messe mit zweierlei Maß. Aber was ist schon so verkehrt daran, sich in den Dienst der anderen zu stellen?! Vorbilder aus Jahrtausenden haben das so gemacht - die waren doch auch nicht alle verkehrt. Und am Ende hat es mir doch geholfen, andere zu unterstützen. Es lenkt von meinem eigenen Chaos ab. Wie schön. 

Was aber, wenn das Konstrukt brüchig wird?

Ziemlich genau vor einer Woche hätte ich hier eine Ausgabe Angstfrei betreuen sollen - eine Notlösung, denn eigentlich war ich mit meiner Familie auf einem Familienwochenende und ich wusste, dass das zeitlich wahnsinnig knapp werden würde. Aber mein Innerstes mahnte mich, ich werde nun gebraucht und ohne mich würde es keine Lösung geben. Also schoben wir Schichten, zwei Freiwillige übernahmen andere Tage und der Sonntag war gelöst. Als ich dann im Sauerland ankam brach meine schön zusammengeschobene Notfallösung am nächsten Funkmasten zusammen: Kein. Internet. Weder W-Lan in der Wohnung noch irgendwas, das über Edge auf dem Berggipfel hinausging. Mein Sturm durchbrach die Kontrollmauern und fegte mich davon. "Oh je! Das war doch schon so viel Aufwand für alle das möglich zu machen! Wie soll das nur werden, wenn ich nicht kann?!" Mit rasendem Herzen und wachsender Angst tippte ich auf dem nächstbesten Sauerländer Berg eine Nachricht auf unsere Koordinationsplattform und fragte nach Hilfe, bereit für Kritik, Frustration und Kummer. 

Das blieb aus.

Statt dessen meldete sich der Autor der Ausgabe, die für den damals morgigen Tag geschrieben wurde und bot an, ein paar von seinen "Dies und Das" Punkten zu spenden. Eine andere Autorin, die schon vorher gesagt hatte, sie könne helfen, wenn es zu Engpässen käme, bot an die Nachrichten zu machen und würde auch mal schauen, was sie sonst so findet. Auch eine technische Vertretung fand sich im Handumdrehen und eh dass ich mich versah hatte eine andere Autorin auch noch den Tipp geschrieben. Den 360° Text hatte ich schon vorab verfasst und er ließ sich mit Hängen und Würgen an das Notfall-Team übersenden. 24 Nachrichten auf unserer Organisationsplattform, viel Verständnis und Improvisationsbereitschaft - und nicht ein kritisches Wort - später stand die Ausgabe. Einfach so. 

Natürlich war das für niemanden das optimale Szenario. Aber es ging. Und es ging gut. Weil wir einander sicher sind. Der Zusammenhalt in diesem Team ist eine Mischung aus Lust an der Sache, dem Bewusstsein, dass jede*r begrenzte Kapazitäten hat und ganz viel Nachsicht für das Menschsein des*der einzelnen. Wir verlassen uns darauf, dass keine*r in diesem Team die anderen ausnutzt und jede*r mit dem Herzen dabei ist. Und dieses Klima macht es möglich, Kontrolle abzugeben - ob man nun muss oder 'nur' mal braucht. 

Vielleicht sollte das in Zukunft viel häufiger auch (m)eine Strategie sein: Darauf vertrauen, dass es ok ist, Aufgaben abzugeben, dass mein Umfeld weiß, dass ich viel lieber helfen, Brände löschen oder präsent sein würde. So hätte ich vielleicht den Mut, nicht aus meinen Ängsten heraus schutzlos in die Bresche zu springen, sondern vorher nach meinen Möglichkeiten zu horchen. Ganz vielleicht dreht sich die Welt auch dann weiter, wenn ich mal nicht die Kontrolle habe. Es hat ja schon einmal geklappt.

*Dieser Text ist entstanden als Dank an das wundervolle Freiwilligen-Team von angstfrei.news. Die Atmosphäre der Zusammenarbeit, die ihr hier zaubert, stärkt mein Vertrauen in andere und erinnert mich immer wieder daran, dass  diese Form des Miteinanders nicht nur einen Selbstwert hat sondern auch zu ganz wunderbaren Ergebnissen führt. Danke.

daz - die angst zeitschrift

Dies und Das

Fête de la musique - Livestream und Mitsingen
In diesem Jahr werden die Straßen am Fête de la musique nicht verwoben mit unterschiedlichsten Melodien und Instrumenten. Ich muss aufrichtig sagen, dass ich das betrauere. ABER es gibt einige Möglichkeiten, in den Geist einzutauchen: Via livestream und auch ganz hoch selbst: Um 17 Uhr wird deutschlandweit die Ode an die Freude gesungen, um 23 Uhr als Nachtmusik “Der Mond ist aufgegangen”. Ich finde, das ist eine schöne Art, dieses wundervolle Musikfest zu feiern. Übrigens: Es ist vielleicht auch ein guter Anlass, an all die Künstler*innen zu denken, die im zweiten Konjunkturpaket nicht bedacht wurden. Die wundervollen Melodien und Werke, die fehlen werden, wenn sie die Krise nicht schaffen. Vielleicht habt ihr die Möglichkeit, Eure*r Lieblingskünstler*in oder Bühnenbauer*in oder Techniker*in zu helfen? Es gibt Spendenaktionen oder auch die Möglichkeit, die Künstler*innen direkt zu fördern. Kommt einfach mal ins Gespräch!
zur offiziellen Homepage | Berliner Homepage

Dialogfähig bleiben
Deutschlandfunk kultur hat einen spannenden Beitrag darüber verfasst, wie wir Gesprächsfähig bleiben - gerade dann, wenn wir an Menschen geraten, die so garnicht unsere Meinung haben. Schweigen ist keine Option. Wichtig ist aber, dass man, sofern man sich für einen Dialog entscheidet, aufrichtig dabei ist. Das Gegenüber merkt, wenn man eigentlich garnicht will. Mehr Tipps bekommt ihr direkt im Beitrag. Große Emfpehlung!
Deutschlandfunk 

Herr(lich) der Ringe
Schlechtes Wortspiel aber beglückende 50 Minuten Mittelerde via Videokonferenz. Der Herr der Ringe-Cast hat sich digital getroffen und lässt die Welt daran teilhaben. Was hat Gandalf vom Set geklaut und welches Tattoo teilen sich die Gefährten? Leichtfüßige Unterhaltung und das zum guten Zweck: Parallel wurden nämlich Spenden gesammelt.
Zum Artikel mit Link

Schlaft gut!
Nach dem längsten Tag des Jahres darf man auch mal müde sein. Ihr habt Schlafprobleme? Dann geht es Euch wie jede*r Fünften Deutschen. Woran es liegen kann und wie man zu einer besseren Schlafhygiene gelangt, hört ihr ebenfalls im Deutschlandfunk.
Hier lang zum Schlaf

Damit: Guten Tag und später eine gute Nacht 😉

Gehabt Euch wohl,
Katharina, Nicholas 
und das ganze Team von angstfrei.news 

Gerne hören wir über das Feedbackformular von euch. Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen: Spenden und Fördermitgliedschaft bei der Deutschen Angst-Hilfe e.V.

Quellen
Corona in Zahlen (RKI) | Gesundheitsticker | Über die Landesregierung NRW sind wir außerdem an den dpa-Nachrichten-Ticker angebunden, den wir immer als Quelle verwenden, wenn wir (dpa) schreiben.