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Veränderung | 3. Okt. 2020

Katharina
Nicholas

Liebe Leserinnen und Leser,

ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber irgendwie dachte ich immer, irgendwann bin ich angekommen. Dann bin ich an diesem Ort, der sich nicht mehr verändert, am Ziel der Reise, bereit, endlich mal die Gegenwart zu genießen, weil sie still hält, um sich erleben zu lassen. Wir alle wissen: das ist eine Wunschvorstellung, von der wir nichtmal sicher sind, ob wir sie uns wirklich wünschen sollten. Denn es sind doch die Veränderungen, die uns wachsen lassen, die uns befähigen mit unterschiedlichsten Situationen umzugehen und die uns dazu führen, immer wieder wunderbare neue Erfahrungen machen zu dürfen.

Wir bei angstfrei.news haben so eine turbulente Zeit hinter uns. Seit unserem ersten Tag, am 19. März, begleiten wir Euch und uns durch diese außergewöhnliche Zeit des täglichen Wandels. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, unaufgeregte Nachrichten zusammenzustellen und unser Seelenleben mit Euch zu teilen - ein Angebot der Nähe, in einer Zeit, die uns zwingt auf Distanz zu gehen. Und die Rückmeldungen waren der Wahnsinn: Ihr schreibt uns aufwändiges Feedback zu Themen, Einblicken oder unserer redaktionellen Arbeit. Ihr zieht einen Nutzen aus diesem Angebot und folgt uns seit einigen Wochen auch auf den sozialen Medien ( → hier lang). Auch für uns ist das Projekt, das uns seit über einem halben Jahr begleitet, eine Energiequelle und eine Herzensangelegenheit.

Gleichzeitig hat sich für viele aus unserem Freiwilligenteam vieles verändert - wie in jedem Ehrenamt wirkt sich das auf die Zeit und Energie aus, die für dieses Projekt zur Verfügung stehen. Auch die seelischen Auswirkungen dieser verrückten Zeit sind nicht spurlos an uns vorbeigegangen. Und doch glauben wir nach wie vor fest an dieses Projekt. Deswegen haben wir uns in den letzten Wochen viele ausführliche Gedanken darüber gemacht, wie wir angstfrei.news so weiter führen können, dass wir Euch verlässlich, inhaltlich vielfältig, relevant und unaufgeregt durch diese turbulente Zeit begleiten und gleichzeitig unsere Ressourcen achtsam einsetzen können.

Das Ergebnis liegt ab diesem Wochenende wöchentlich vor Euch: angstfrei.news wird zu einem wöchentlichen Nachrichtenmagazin mit guter Seele. Immer samstagmorgens wartet eine neue Ausgabe auf Euch. Die altbekannten Rubriken bleiben uns erhalten, gewinnen aber an Tiefe. Nach dem Editorial lest ihr weiterhin eine gute Nachricht, bevor es in einen ausführlichen Nachrichtenüberblick geht. Neu in dieser Rubrik ist das "Schwarzbrot" - ein besonders dichter Artikel mit mehr Hintergrund. Auch unsere Mensch zu Mensch Rubrik gewinnt an Tiefe: Wir veröffentlichen ab sofort immer mehrere Texte verschiedener Autor*innen zu einem Leitthema.

Diese Ausgabe steht - wie sollte es anders sein - unter dem Stern von Veränderung und Neubeginn.

Auf zu neuen Ufern!

Katharina, Nicholas und das Team von angstfrei.news

Ganz wichtig: Was meint ihr zum neuen Konzept? Bitte gebt uns ein kurzes Feedback - das wäre hilfreich und sehr nett.

Übrigens nehmen wir unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wir freuen uns über dich in unserem Team. Trau dich einfach und schreib uns eine Mail an angstfrei.news@gmail.com.

Die gute Nachricht der Woche vom 3. - 9. Oktober 2020

Allzeittief bei Einbrüchen erwartet

Während der Pandemie spielt sich unser Leben deutlich häufiger in den eigenen vier Wänden ab: Home office, wenige Freizeitveranstaltungen und auch die Kinder sind öfter zu Hause, wenn Kita oder Schule nur eingeschränkt besucht werden können. Sicher bringt dies einige Herausforderungen, aber auch manche positive Entwicklung: So erwartet der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft mit Blick auf das erste Halbjahr von 2020 ein Allzeittief bei Einbrüchen. "Einbrüche in Deutschland könnten dieses Jahr auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik 1981 fallen," sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Jörg Asmussen in einem Zeitungsartikel. Gleichzeitig rechnet der Verband einer Pressemitteilung nach mit einem Anstieg des Versicherungsbetrugs, weil Ware sich nicht verkaufe oder mehr Menschen die Raten für technische Geräte nicht mehr bezahlen könnten.

2019 zählten Versicherer 95.000 Wohnungseinbrüche und Schäden von rund 300 Millionen Euro. Laut dem Verband entsteht durch Versicherungsbetrug in Deutschland jedes Jahr ein Schaden von geschätzt fünf Milliarden Euro.

sr.de | → gdv.de

Schwarzbrot

Tim

In dieser Rubrik möchten wir künftig etwas tiefer in die Nachrichtenlage der Woche einsteigen. Mal eher hintergründig, mal eher serviceorientiert recherchieren wir für euch selbst, statt nur Nachrichten auszuwählen und in eine angstfreie Sprache zu übersetzen. Wir hoffen es mundet euch. Guten Appetit.

6 Monate COVID19-Pandemie - Eine Zusammenfassung

Die weltweite Verbreitung des neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2 hat das Leben von Milliarden von Menschen verändert - seit gut sechs Monaten auch in Deutschland. Wir blicken zurück, fassen zusammen und fragen “Was war? Was bleibt? Was kommt?”

Disclaimer: Trotz ausführlicher Recherche sind die im folgenden Text getätigten medizinischen Hinweise kein Ersatz für den Besuch von medizinischen Fachpersonal im Krankheitsfall, sondern lediglich eine Sammlung allgemeiner Empfehlungen.

Was war?

Am letzten Tag des Jahres 2019 wurde erstmals eine Lungenerkrankung durch ein neuartiges Corona-Virus im chinesischen Wuhan bestätigt. Schon vorher hatte es eine untypische Häufung von schweren Lungenerkrankungen in der Provinz Hubei gegeben. Corona heißt diese Virusfamilie wegen des krönchenartigen (Krone lateinisch Corona) Aussehens unter dem Mikroskop. Die Krankheit wurde deshalb COVID-19 (Corona Virus Disease-2019) genannt, das verursachende Virus SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrom Coronavirus 2, also schwerwiegendes Atemwegssyndrom verursachendes Coronavirus), weil es große Ähnlichkeiten zu einem anderen Coronavirus hat, das 2002/03 zur SARS-Pandemie geführt hatte.

Das Virus verbreitet sich, vor allem durch den internationalen Flugverkehr, schnell auf alle Kontinente - es ist eine weltweite Erkrankung, eine Pandemie. Ende Februar gibt es erste Infektionen in Deutschland, Anfang März den ersten Toten. Im Vergleich zu 2002/03 weist dieses Virus eine geringere Letalität (Anteil der Erkrankten, die an dem Virus stirbt) aber eine schnellere Verbreitung auf - zum Beispiel verbreiten auch asymptome Menschen COVID-19 ungewollt weiter. Im Vergleich mit der Influenza scheint die Letalität höher zu sein. Abschließende Bewertungen der Gefährlichkeit werden wohl erst am Ende der Pandemie möglich sein. Zudem scheint diese stark von Umgebungsbedingungen abzuhängen:

Den Norden Italiens trifft die Pandemie besonders hart: Aufgrund der Familien- (viele leben mit mehreren Generationen zusammen) und Bevölkerungsstrukturen (eher ältere Menschen im Norden, diese haben häufiger Vorerkrankungen, die zu gefährlichen Verläufen führen) sind die Krankenhäuser schnell überlastet. Es sterben deutlich mehr Menschen als in anderen Regionen.

Weltweit müssen Menschen ihre Sozialkontakte begrenzen - Arbeit, Familie, Freunde - um sich gegenseitig vor Ansteckung zu schützen. In einigen Ländern (Spanien, Italien, Frankreich) gibt es strikte Ausgangssperren, in manchen Ländern (Schweden, Vereinigtes Königreich) zunächst nur Empfehlungen. Auch das Leben in Deutschland wird heruntergefahren - Ausgangssperren, einen “Lockdown” gibt es hier aber nie. Im Frühsommer lockern sich dann viele Maßnahmen wieder. Widererwartend bleiben die Infektionszahlen über den Sommer gering. Nachdem anfangs Uneinigkeit über den Nutzen von Mund-Nasen-Schutz herrschte, zeigt sich mittlerweile deutlicher dessen Effektivität im Alltag. 1,5 Meter Abstand und regelmäßige Händehygiene sind ebenso unsere alltäglichen Begleiter geworden. Mit Beginn des Herbstes - mehr Zeit in Innenräumen, mehr Nähe zu anderen Menschen, kältere Witterung - steigen die Infektionszahlen wieder.

Bis heute haben sich etwa 34 Millionen Menschen mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert, etwa 1 Million sind daran gestorben.

Zahlen, bitte!

Apropos Zahlen: Staatliche Stellen haben während der Pandemie in Deutschland den öffentlichen Fokus immer wieder auf Parameter gelenkt, die sich mit wachsender Erfahrung als aussagekräftiger erwiesen haben. Zu Beginn stand die Verdopplungszeit im Mittelpunkt: Wie viele Tage vergehen, bis sich die Zahl der Infizierten verdoppelt hat. Dieser Parameter eignet sich vor allem zu Beginn, um den exponentiellen Wachstumscharakter einer Pandemie zu begreifen. In Deutschland verdoppelten sich die Krankheitsfälle zu Beginn alle drei Tage, aktuell sind es rechnerisch etwa drei bis vier Monate.

Wenig später lernten wir die Reproduktionszahl R kennen: Wie viele Menschen steckt ein anderer, erkrankter Mensch während seiner Erkrankung an? Ist der R-Wert kleiner 1 gibt es täglich weniger Menschen die andere anstecken können, größer 1 wächst die Zahl der Infizierten. Im Höchststand im März lag dieser in Deutschland bei 3,24, aktuell liegt er um 1 herum. Leider scheint die Biologie des Virus eher gegen diesen Faktor zu sprechen. SARS-CoV-2 zeigt eine hohe Dispersion. Das bedeutet, dass wenige Menschen viele anstecken und viele Menschen wenige oder sogar niemanden. Daher ist es eher ungünstig sich an dieser Zahl zu orientieren, die Ansteckungen ja über alle Menschen mittelt.

Deshalb blicken wir bald vor allem auf die absoluten, täglichen Infektionszahlen. Da diese aber meldebedingt stark schwanken (zum Beispiel an den Wochenenden systematisch deutlich geringer sind) und abhängig von der Bevölkerungszahl einer Region, orientieren sich staatliche Stellen aktuell an der Summe der Infektionszahlen aus den letzten sieben Tagen, bezogen auf 100.000 Einwohner*innen. Als Grenzwert für die meisten Maßnahmen gelten 50 Infektionen pro 100.000.

Immer wieder wurde die Kommunikation von Statistiken durch staatliche Stellen und Medien kritisiert. Diese Kritik und der Wandel der Kommunikation zeigen aus meiner Sicht, die anfängliche Unerfahrenheit, aber auch die Lernfähigkeit aller Akteur*innen. Auch auf die fehlende Unterscheidung von Tod “an” oder Tod “mit” COVID-19 wurde kritisiert. Hierzu ist zu bemerken, dass man nur auf zwei Arten sterben kann: An einem Hirntod oder an einem Kreislaufstillstand.

Schusswaffen, Infektionskrankheiten, Tumore und anderes führen nur zu einer dieser beiden Optionen. Bei vielen Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankungen scheint COVID-19 der Tropfen zu sein, der das Fass zum Überlaufen bringt - deshalb sind sie auch unter einem besonderen Risiko. Sicher hätte es auch die nächste Grippe oder der nächste Herzinfarkt sein können - aber der kommt ja trotzdem, nur halt für jemand anderen. So sieht man insbesondere im März in Europa eine klare Übersterblichkeit in den Statistiken - es sind signifikant mehr Menschen als sonst im März in Europa gestorben ohne, das es andere Gründe (Krieg, Naturkatastrophe, andere Pandemie) dafür gibt.

Was bleibt?

Die Pandemie hat nicht nur menschliche, sondern auch soziale und wirtschaftliche Opfer gefordert. Sie hat aber auch zu zahlreichen Zeichen der Solidarität miteinander trotz gebotenem Abstand geführt: Menschen begannen Masken für andere zu nähen, Einkäufe wurden für die Nachbar*innen getätigt, die “systemrelevanten” Arbeitskräfte in Supermärkten, Kitas und Krankenhäusern beklatscht. Auch dieses Magazin hat sich aus Solidarität in der Pandemie gegründet. Diese Solidarität lässt mich hoffnungsvoll auf die nächsten Monate blicken.

Was kommt?

Es ist schwer abzusehen, wie sich die Pandemie in Deutschland über den Herbst und Winter entwickeln wird. Es scheint wahrscheinlich, dass sowohl die Zahl der Infizierten als auch die Zahl der Toten noch einmal deutlich steigen könnte - auch durch gleichzeitige Infektionen mit der Grippe oder anderen Erkältungsviren. Sicher ist dies aber nicht. Was hingegen sicher ist, ist dass die Zulassung, Produktion und Verbreitung eines oder mehrerer Impfstoffe noch mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, als wir uns alle wünschen. Der NDR hat zur Impfstoffentwicklung eine eigene Berichterstattung gestartet, die für Interessierte über unterschiedlichen Impfmethoden und den Entwicklungsstand aufklärt.

Acht Wirkstoffkandidaten sind schon in der letzten von drei Zulassungsphasen. Dennoch scheint es sehr unwahrscheinlich, dass sich vor Frühjahr 2021 in Deutschland eine Herdenimmunität aufbauen lässt, welche die Pandemie zum auslaufen bringt. Bis es soweit ist, müssen wir weiter einige Dinge berücksichtigen.

Was tun?

Maske tragen im Alltag, wo nicht immer 1,5 Meter Abstand gehalten werden können und in öffentlichen Innenräumen sowie überall sonst wo darum gebeten wird. Hygieneregeln beachten - häufig Händewaschen, Menschenansammlungen meiden, Nähe und Körperkontakt nur zu wenigen Menschen. Solidarisch sein - mit der Lieblingskünstlerin, dem Nachbarn, den Menschen in seiner Umgebung. Und natürlich weiter die angstfrei.news lesen 😉

Nachrichten der Woche

Hier fassen wir für euch die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in der vergangenen Woche zusammen.

Deutschland

Bund und Länder sprechen sich zu einheitlichen Hygienemaßnahmen ab
Politiker*innen aus Bund und Ländern haben sich auf einheitliche Hygienemaßnahmen geeinigt: Bei mehr als 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner*innen eines Landkreises innerhalb von 7 Tagen, dürfen an Feiern im öffentlichen Raum nur noch 50 Personen teilnehmen. Bei privaten Feiern werden 25 Gäste empfohlen. Liegt die Zahl der Neuinfektion über 50 dürften in öffentlichen Räumen nicht mehr als 25 Menschen feiern, privat werden dann nicht mehr als zehn Teilnehmer*innen empfohlen. Zudem sollen falsche Angaben bei Besuchen von Bars oder Restaurants bundesweit mit 50 Euro Bußgeld geahndet werden. Wie bei dem Bußgeld für Maskenverweiger*innen wird nur Sachsen-Anhalt dieses Bußgeld nicht einführen. Doch auch in anderen Bundesländern werden sie nur selten eingefordert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte außerdem, dass Abstand, Händehygiene und eine Alltagsmaske (AHA) wichtig seien, um einen zweiten Lockdown zu verhindern.
Tagesschau.de (Beschlüsse der MPK) | → rbb.de (geringe Strafdurchsetzung)

RKI: Privates Umfeld bleibt Hauptinfektionsquelle
Viele der aktuellen Corona-Infektionen in Deutschland sind auf private Zusammenkünfte zurückzuführen, erklärt der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. "Die Menschen stecken sich derzeit hauptsächlich im privaten Umfeld an, also auf Partys, Hochzeitsfeiern, Beerdigungen, auch im Gottesdienst", sagte er der "Welt am Sonntag". Der private Bereich spiele "die große Rolle". Am Arbeitsplatz sei das Infektionsrisiko aktuell geringer. Trotz einiger spektakulärer Ausbrüche, scheinen die meisten Betriebe die Pandemie gut zu managen so Wieler. Auch in Geschäften gebe es nur wenige Ansteckungen.

Auch Schulen und Kitas sind laut dem Hamburger Virologen Jonas Schmidt-Chanasit “nicht die Haupt-Infektionsherde”. Die meisten bekannten Infektionen seien von außen in die Schulen getragen worden, zudem gebe es wenig schwere Krankheitsverläufe. "Das sind sehr gute Nachrichten, die uns in den Maßnahmen, die wir getroffen haben, bestärken." Wichtig sei die regelmäßige Durchlüftung der Klassenzimmer.

Der Berliner Virologe Christian Drosten, blickt ebenfalls hoffnungsvoll auf die Schulsituation. Aus seiner Sicht reicht es, einzelne Klassen zu schließen, wenn früh genug auf vereinzelte Corona-Fälle reagiert werde. "Ein Schulausbruch schaukelt sich über Wochen hoch. Da ist Zeit zum Reagieren." Problematischer sei es, wenn Schulkinder ihre Eltern ansteckten, da es in dieser Altersgruppe Risikopatient*innen gebe.
Zeit.de | → Tagesschau.de | → NDR.de

Bundesarbeitsagentur bereitet sich auf Insolvenzhäufung vor
Die Bundesagentur für Arbeit bereitet sich auf mehr Firmenpleiten in den kommenden Monaten vor. Laut Agentur-Chef Detlef Scheele qualifiziert die Arbeitsagentur weitere 250 Mitarbeiter*innen für die Insolvenzabwicklung und plant 1,6 Milliarden Euro an Insolvenzgeld ein. 2019 waren es insgesamt nur eine knappe Milliarde Euro Insolvenzgeld gewesen. Schon im ersten Halbjahr 2020 sei der Bedarf daran deutlich gestiegen. Seit 1. Oktober müssen Unternehmen, die zahlungsunfähig sind, wieder Insolvenz anmelden. Diese Pflicht war im Frühjahr ausgesetzt worden - freiwillig ist das Verfahren aber natürlich immer möglich gewesen. Unternehmen, die nach wirtschaftlichen Kriterien zu viele Schulden haben, müssen weiterhin keine Insolvenzverfahren starten.

Insolvenzgeld ist eine Sozialleistung der Arbeitsagentur, die für maximal drei Monate den ausbleibenden Lohn für Arbeitnehmer*innen ersetzt, wenn ihre Arbeitgeberin insolvent ist.
n-tv.de

Ausland

Steigende Infektionszahlen in zahlreichen Ländern bei wenigen Todesfällen
Vorwort: Eine reine Fixierung auf die täglichen Infektionszahlen bietet unserer Meinung nach nur einen geringen Erkenntnisgewinn für die Allgemeinbevölkerung. Es gibt zahlreiche Schwächen bei der absoluten Zahl der Infektionen wie den fehlenden Bevölkerungsbezug, die Zählweise, die betroffene Alterskohorte, die Meldeverzögerung und anderes. Dennoch scheint es uns sinnvoll von Zeit zu Zeit auf Entwicklungen zu verweisen, damit ihr ein besseres Gefühl für die Dynamik der Pandemie bekommen könnt.

Weltweit steigen in vielen Ländern die täglichen COVID19-Infektionszahlen deutlich zu neuen Höchstständen an: In Frankreich und Argentinien (je über 14.000 Menschen), im Vereinigten Königreich (über 7000 Menschen), in Russland (über 8800 Menschen), in Indien (über 86.000), in Israel (8000 Menschen), aber auch in Polen, Ungarn, der Ukraine und den Niederlanden gibt es eine große Dynamik. Tschechien und Slowakei verhängten den Ausnahmezustand, Italien überlegt den staatlichen Bewältigungsmodus zu verlängern, nachdem zwei Senatoren des italienischen Parlaments positiv getestet worden waren.

In den USA stagniert die tägliche Infektionsrate bei über 45.000 Menschen. Unter ihnen ist seit dieser Woche auch US-Präsident Donald Trump (Republikaner). Für Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut mittlerweile mehrmals über 2500 Infektionen - deutlich mehr als in den Sommermonaten, aber weniger als zum bisherigen Höhepunkt von 6000 Infektionen pro Tag.

Auffällig ist, dass in den meisten Ländern es trotz steigender Infektionszahlen zu weniger Todesfällen als erwartet kommt. Vermutlich liegt das daran, dass sich aktuell häufiger gesündere (meist jüngere) Menschen anstecken. Dennoch sind weltweit schon über eine Million Menschen an und mit dem Virus verstorben.
John Hopkins Monitor (Infektionszahlen) | → Tagesschau.de | → Spiegel.de | → rki.de | → RND.de

Vereinte Nationen fordern mehr Geld wegen Pandemie
UN-Generalsekretär Antonio Guterres fordert mehr Geld beim Internationalen Währungsfond (IWF) und weitere 35 Milliarden Euro für die Impfstoffentwicklung. Mit dem Geld soll der IWF laut Guterres von der COVID19-Pandemie besonders betroffene Länder besser unterstützen. Zudem rief er den Währungsfond dazu auf, den Schuldendienst für die 20 ärmsten Länder der Welt über das Jahresende hinaus auszusetzen und die Aussetzung auch allen bedürftigen Entwicklungs- und Schwellenländern anzubieten. Für das aktuell knapp 3 Milliarden Euro schwere Impfprogramm forderte der UN-Generalsekretär weitere 35 Milliarden um einen “Quantensprung” zu erreichen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte daraufhin weitere 100 Millionen Euro zusätzlich zu den bereits geplanten 675 Euro zu. Auch Kanada, Schweden und weitere Länder erhöhten ihre Zusagen.

Die Impfstoff-Kooperation der Vereinten Nationen steht bei Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) in der Kritik, sich zu wenig mit der fairen, globalen Verteilung eines Impfstoffs zu beschäftigen.
RND.de | → NDR.deZeit.de

Hoffnung auf billionenschweres US-Hilfspaket vor Wahl
Nach wochenlang gegenseitigen Blockaden könnte kurz vor der Wahl am 3.11. ein billionenschweres Hilfspaket verabschiedet werden. Seit August blockieren sich das von Demokrat*innen dominierte Repräsentantenhaus und die republikanische Regierung gegenseitig in ihren Vorschlägen. Gestritten wird vor allem, um die Gesamtsumme: Die US-Demokrat*innen fordern 2,2 Billionen Dollar - die Administration von Präsident Trump möchte nicht mehr als 1,5 Billionen Dollar ausgeben, um die wirtschaftlichen Folgen der COVID19-Pandemie abzudämpfen. Insbesondere die Unterstützung für zahlreiche amerikanische Fluglinien scheint der Entscheidung für ein Paket neue Dringlichkeit zu geben. Die Branche fordert weiter 25 Milliarden Dollar an Unterstützung.
Reuters.com

Sport

Fußball
Der spanische Fußballprofi Thiago ist positiv auf SARS-CoV-2 getestet worden. Laut seines Clubs, dem FC Liverpool, habe sich der 29-jährige umgehend in Isolation begeben. Bereits beim Spiel gegen FC Arsenal in Liverpool fehlte Thiago. Sein Verein teilte mit, dass er “leichte Symptome” habe, sei aber in guter Verfassung.
Sportschau.de

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 392.049 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 22.10.2020 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 11.287 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 30.935.026 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 20.868 Personen mehr als gestern Früh. Davon 302.100 in Deutschland (Stand: 22.10.2020 08:16 Uhr, Quelle: Worldometers).

Von Mensch zu Mensch

Irgendwann
Katharina

Irgendwann, dann trau ich mich:

dann fange ich es an!

Ich seh es dort schon - innerlich

hab ich es schon getan!

Irgendwann, dann mache ich

den einen ersten Schritt -

Ich seh mich dort und wunder mich

was ich so lange litt.

Irgendwann, dann sicherlich

bin ich, wo ich gern wär'

und denk mir so, an und für sich

war's hier hin gar nicht schwer.

Irgendwann, dann trau ich mich -

versprech's mir jetzt und hier!

denn ich bekomme sicherlich

weit mehr als ich verlier.

Wer kennt dieses Gedankenspiel nicht? Wir haben alle Veränderungen und den ersten Schritt schon dutzende Male durchgespielt. Aus diesem Mikrokosmos der eigenen Gedanken, die einem Veränderungen so gerne erschweren, könnt ihr nun einen umfassenden Weitblick auf die persönlichen Neustarts und Veränderungen, die das Leben zuweil mit sich bringt, lesen. Und dabei wird auch die jetzige, durch die Pandemie verursachte Krisensituation nicht aus dem Blick verloren. Gesellschaftlichen Umbrüche, die angestoßen oder beschleunigt wurden und werden (könnten).

Einladung zum Aufbrechen
Wolfgang

Um-, Ab-, Aus-, Aufbrüche: Um diese Brüche rotiert Leben. So gesetzmäßig, wie die Erde um die Sonne. Frust – oder Lust?

Die Impulse zu Neuanfängen durch COVID-19 ersterben. „Neue Normalität“ wurde im Höhepunkt der Pandemie fast zum Mantra. Jetzt, nach über sechs Monaten, scheinen wir uns abzufinden mit Leben in der Krise. Mit bequemem Arbeiten aus dem Home-Office haben wir uns fix arrangiert – den Bumerang des politisch induzierten Wirtschafts-Komas verdrängt. Bätsch: nix gewesen?

Nichts wäre falscher. Dem Atomkrieg sind wir bisher zwar entronnen. Die Klimakatastrophe hängt apokalyptisch über uns, ist aber ungewiss (ungeachtet dessen, dass erdgeschichtlich das Klima bereits vor dem Auftauchen des Homo sapiens zwischen Treibhaus und Eiszeit pendelte). Weshalb COVID-19 als bisher dramatischster Einschnitt in unsere Zivilisation seit dem Zweiten Weltkrieg gilt.

1945 hat sich die Welt neu aufgestellt. Deutschland wurde Demokratie, Musterland eines weltweit bewunderten Sozialstaats, aktuell Weltmeister in Seuchen-Prävention. An Krisen, Wiedervereinigung, Flüchtlingen sind wir gewachsen.

Und jetzt, verebbt 2020 so einfach: Ein Megakraftwerk für Aufbrüche und Neuanfänge?

Oder ist COVID-19 ein persönlicher Weckruf: Warte nicht auf den Marschbefehl Deiner Kanzlerin, anderer hoher Tiere, Deiner Peers. Sondern frage Dich: Was musst DU selbst ändern, um damit auch Rollenvorbild für Andere zu sein?

Ich weiß, wie schwer Neustarts sind, weil sich auch in mir der innere Schweinehund räkelt. Ich bin im ewigen Ringen mit ihm, gleichwohl es mir gelungen ist, in jedem meiner Lebensjahrzehnte die Bahn zu wechseln. Meist infolge von Druck und Schmerz.

Meine Schulzeit war eine verlorene. Beim Abitur drängten die Eltern auf eine Berufslaufbahn, in der ich eine ruhige Kugel schöbe. Aus so viel Enge musste ich raus, weit weg. Als Volunteer fand ich in Chicago die Schule und Universität meines Lebens: Underdogs der US-Gesellschaft für mehr Macht zu organisieren. Ich schlüpfte in die sozialen und politischen Räderwerke. War Sandkorn. Erfuhr Selbstwirksamkeit. Davon zehre ich bis heute.

Ich blieb Jahre, sehnte mich aber zunehmend nach einem Studium. Wie unser Sohn, der nach 15-jährigem Leben im Ausland in diesen Tagen an den heimischen akademischen Startblock trat, zehn Jahre älter als ich seinerzeit.

Studium, Start in den Lebensberuf, Familiengründung: Damit bestritt ich, zeitweise alles gleichzeitig und in Hektik, mein drittes Lebensjahrzehnt. Einmal kehrte ich von der Arbeit heim und warf mich vor Frust und Wut laut aufheulend im hohen Bogen aufs Bett, welches samt Kleinkind und Mutter darauf zusammenkrachte.

Das vierte Lebensjahrzehnt, nach eskalierendem Streit mit dem Hausmeister, läuteten wir mit dem Kauf einer Wohnung ein, zum Preis hoher Schulden, damals kein sanftes Ruhekissen. Heute schon, bei explodierenden Mieten und Immobilienpreisen.

Das 49. Lebensjahr war meine große persönliche Zäsur. Abschluss mit dem Vergangenen, Blick voran. Nach außen feierte ich den Geburtstag mit über hundert Personen, innen mit mir selbst: Aufbruch. Raus aus Ängsten. Rein ins volle gestalterische Leben.

Vielleicht strahlte ich den Neustart aus. Mir wurde eine berufliche Beförderung zuteil, verbunden mit großen Freiheiten, auch weltweiten Reisens. Es waren gute Zeiten, die dann gegen Ende des Lebensjahrzehnts zunehmend säuerliche Einfärbungen erfuhren. Nach einem verschwitzten Sommereis platzte mir der Kragen.

Nix wie raus! Die Frührente winkte, die endlich wirklich GROSSE neue Freiheit, nach vier Jahrzehnten intensiven Arbeitens, Mitverantwortung für drei Kinder, bei nervigem schulischem Kleinklein, den Job mit immer häufiger wechselnden Chefs, jeder mit dem Hurra-Geschrei neuer „Umstrukturierungen“.

Ich schrieb Sciencefiction und Sachbücher; wurde Rudercoach und brachte einen Windhauch in angegraute Regattakonventionen; erfand ein Radioprogramm; bildete Dozent*innen in Beteiligungsmethoden fort; übernahm Vorstandsposten in Organisationen, veranstaltete internationale Konferenzen pro Partizipation und contra wissenschaftliche Arroganz.

Im Rückblick: mein goldenes Jahrzehnt. Obwohl ich es mir fast vermasselt hätte.

Kaum den Fesseln meiner Festanstellung entronnen, kam das Angebot einer Professur. Fachhochschulen verlangen weder Promotion noch Habilitation, sondern einen markanten professionellen Fußabdruck. Ich fühlte mich geschmeichelt, der Professorenhut umgarnte meine Eitelkeit. Heute weiß ich: Ein neues Hamsterrad, Lehren und Forschen am Fließband, Privatgeldern und kommerziellen Interessen nachjagend – vom Regen in die Traufe.

Bei allen Wenden, die Frage bohrt: War’s das wert? Ungerührt scheint die Karawane weiterzuziehen. Sollte ich nicht lieber in der Oase zurückbleiben? Höchste Eisenbahn, die Beine auf den Stuhl zu legen, die Enkel auf den Schoß, mich durch meine riesige Bibliothek lesen, mit noch eingeschweißten Büchern!

Nee, dazu ist mir das Geschenk meines Lebens zu kostbar. Für mich ist die Pandemie der Aufrüttler für neue Neuanfänge. Natur, Evolution, Kosmos legen sich ja auch nicht einfach zur Ruhe, nie. Wie Darwin wusste: Die Anpassungsfähigsten und damit auch Veränderungswilligsten sind die Scouts in die Zukunft.

Mit welchen Ideen, damit gehe ich gerade schwanger und berichte, spätestens zu meiner nächsten nicht-runden großen Geburtstagssause. Auf jeden Fall, schon mal willkommen:

Im Club der Aufbrecher!

Die Umbrüche im Leben, die Aufs und Abs sind vielfältig und so verschieden, wie unsere Biografien. Von einer gewollten Veränderung und warum diese manchmal notwendig ist schreibt euch Anne.

Gehen und Ankommen
Anne

Manchmal verändern sich die Umstände, seien es Schicksalsschläge die von jetzt auf gleich unser Leben auf den Kopf stellen, sei es schleichend. Und dann heißt es Kräfte sammeln und überlegen, wie damit umgehen? Wie neu anfangen?

Manchmal sind es aber auch wir, die sich längst Schritt für Schritt verändern, oder nennen wir es vielleicht besser wachsen, dazulernen, mehr zu uns selbst finden. Und dann kann es sein, dass das bisherige Leben nicht mehr zu passen scheint und wir uns einen Neustart wünschen.

Ich habe noch vor 3 Jahren in einem kleinen Dorf an der Ahr gewohnt. Ein paar hundert Menschen wohnen dort, in einer Dorfgemeinschaft, die füreinander da ist, die Traditionen pflegt.

Landschaftlich ist es dort wunderschön, man ist der Natur nahe. Die Kinder können auf der Straße oder im nahen Wald, am Bach spielen. Ich hatte dort ein gutes soziales Umfeld, Freunde und Bekannte. Alles war gut, so schien es und so war es auch, eigentlich.

Aber eigentlich fühlte ich mich dort nicht mehr wohl. Es gibt keine konkrete Situation an der ich dies festmachen kann, es war ein schleichendes Gefühl, dass ich dort etwas deplatziert war.

Also folgten lange und intensive Gespräche mit den Kindern, mit meiner Tochter, ob sie sich einen Umzug vorstellen könnte. Eine Entscheidung, die wir uns, die ich mir nicht leicht machte, aber irgendwann war es beschlossen. Wir ziehen in die große Stadt - nach Köln.

Hier ist es laut, dreckig, gammelig. Die Menschen sind auf eine seltsame Mischung ein wenig schroff, aber dennoch freundlich. Kölner halt. Ich kannte hier keinen mehr, alle die fürs Studium hierher gezogen waren, waren inzwischen weitergezogen, oder wir hatten den Kontakt verloren. Ich hatte noch keinen Job hier und auch die Wohnungssuche gestaltete sich als sportlich.

Aber nun wohne ich hier seit rund 2 Jahren und ich bin glücklich und froh über die Entscheidung. Viele meiner Freund*innen vom Land können und konnten diese Entscheidung nicht verstehen und vielleicht ist sie rational auch nicht zu erklären. Aber hier in dieser stickigen Stadt, die immer irgendwie nach einer Mischung aus Abgasen, Alkohol und Urin riecht, konnte ich endlich wieder Atmen.

Hier habe ich zu mir selbst gefunden, kann endlich ich selbst sein. Auch wenn ich kein anderer Mensch bin, als noch vor 3 Jahren, so scheint es mir. Andere sehen das anders. Eine Freundin wundert sich jedes mal ganz erfreut, wie gut mir diese Stadt tut, wo sie sie doch selbst so ängstigt, die Menge an Menschen und Verkehr.

Aber wenn man spürt, dass es Zeit für Veränderung ist, dass ein Neustart notwendig ist, dann ist das nie eine leichte Entscheidung. Wenn man dann wirklich den Schritt tut wird er begleitet von einer Mischung aus Euphorie und Wehmut, Zuversicht und Sorge. Und man erkennt die schönen Seiten im Alten ohne zu wissen, wie das Neue genau aussieht.

Irgendwann muss jedoch eine Entscheidung getroffen werden, eine Deadline gesetzt werden, wann diese Umgesetzt wird. Denn nur durch das Nachdenken und Grübeln, wie es denn sein könnte, wird keine Veränderung herbeigeführt, ist kein Neustart möglich. Auch wenn es schwer ist, auch wenn es vielleicht weh tut, dieser kleine große Schritt von Planung und Überlegung zur Umsetzung und Aktion. Wir können nur herausfinden, ob er richtig ist, wenn wir ihn gehen.

Es müssen nicht immer die großen Veränderungen sein. Auch kleine Dinge verändern sich täglich und auch wir verändern uns, mit jeder neuen Erfahrung. Dennoch ist es nur menschlich und verständlich, an schönen Momenten festhalten zu wollen. Johannes hat dies versucht.

Bitte weitergehen
Johannes

So einen schönen Silvesterabend hatten wir lange nicht erlebt. Einfach alles war perfekt. Die Gäste, die Umgebung, die Musik, die Stimmung - einfach alles. Und für alle Beteiligten war klar: Das machen wir nächstes Jahr nochmal genau so! Und so kam es dann auch.

Alles wurde haarklein geplant, die gleiche Bowle wurde gemacht, die gleiche Dekoration besorgt, die Musik-Playlist vom letzten Jahr rausgekramt. Alles war ganz genau so, wie im letzten Jahr. Und doch: Diesmal war es irgendwie seltsam und das gute Gefühl von damals stellte sich leider nicht ein. Wir waren enttäuscht.

So etwas Ähnliches haben wir alle wohl schon einmal erlebt. Wenn etwas schön ist, dann wollen wir es festhalten. Und je mehr wir es festhalten, desto schneller gleitet es uns aus den Fingern. Man kann Sachen nicht wiederholen, denn alles ist beim zweiten Mal anders.

Die Menschen haben sich verändert, die Umstände haben sich verändert und alles andere hat sich auch verändert, egal wie sehr man sich bemüht, alles genau gleich zu machen. Das ist schier nicht möglich.

Vor Veränderung haben viele Menschen Angst. Veränderung bedeutet, dass etwas kommt, das ich noch nicht kenne, diese Ungewissheit macht mir Angst. Also stelle ich mich gegen die Veränderung und hoffe, dass alles beim Alten bleibt. Nur leider funktioniert das nicht.

Die Welt verändert sich regelmäßig. Alles verändert sich. Leben definiert sich dadurch, dass sich Dinge entwickeln. Was sich nicht verändert, das ist tot. Daher ist Veränderung, Neuanfang gut, denn es bedeutet, dass wir leben.

Neubeginn findet in jedem einzelnen Moment statt. Ich kann jederzeit entscheiden, dass genau jetzt etwas Neues anfängt. Es liegt an mir. Neuanfang ist immer.

Veränderungen lassen sich nicht aufhalten. Aber jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Veränderung in die Richtung geht, die man sich selbst wünscht. Und wer weiß? Vielleicht wird es sogar gut.

Stehen bleiben, können wir später noch. Erst einmal geht es weiter. Und die Richtung bestimmt ihr selbst.

Tipps der Woche

Natürlich drehen sich auch unsere Tipps in dieser Ausgabe rund um das Thema Neustart. Und das hat so viele Gesichter! Ein paar Facetten haben wir Euch zusammengetragen:

Mit Selbstbewusstsein durch den Neuanfang
“Einfach mal machen” ist, wenn es um Neuanfang geht, nicht leicht. Oft überkommt uns die Veränderung, ohne dass wir mitreden durften. Umso wichtiger, dass wir sie gestalten, wann immer wir die Chance dazu bekommen! Motivationscoach Stefan Kirchner hat einen sehr motivierenden(!) Beitrag über den Neustart geschrieben - er nennt ihn “den […] ultimativen Energiegeber für Dein Leben” und erklärt, warum Ausreden so gar nichts nutzen. Ergänzend dazu haben wir noch einen liebevollen Artikel gefunden, der lauter Vorteile zum Neustarten bereit hält. Also: lasst Euch inspirieren!
zum Motivations-Blogartikel | → zum Artikel über die Vorteile eines Neuanfangs

Hilflosigkeit fordert Veränderungen
Unter dem Narrativ der Veränderung lässt sich auch ein Beitrag des Magazins Kaffee & Kippen lesen. Denn Veränderungen sind notwendig, um aus den Tränen und der Dunkelheit zu gelangen. Aber auch gesellschaftliche Veränderungen sind notwendig, hin zu mehr Akzeptanz für seelische Erkrankungen und der Suche nach Hilfe.
Kaffee und Kippen

PodCast Tipp: “Machen Sie das weiter!”
Veränderung ist ein Prozess, das ist uns allen irgendwie klar. Aber besonders deutlich wird es, wenn wir diesen Prozess nicht alleine gehen - zum Beispiel in einer Therapie. Deutschlandfunk Kultur hat eine ganze Serie an Beiträgen darüber zusammengestellt, die einen Blick hinter die Psychotherapie werfen. Besonders angetan hat es uns der Schluss: Denn das Ende einer Therapie ist immer auch ein aufregender Neubeginn, selbstwirksam seinen Alltag zu gestalten. Hört doch einfach mal rein:

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Neustart mit Corona? Hilfsangebot der Humboldt-Universität
Jede und jeder von uns hat die vielen Veränderungen der Corona-Zeit ganz individuell erlebt. Nicht selten hat auch die Seele ganz schön gelitten oder tut es noch. Die Humboldt-Universität zu Berlin hat unter dem Titel “Stressfrei nach Corona - ein Psychologisches Hilfsprogramm” nun ein Hilfsangebot gestartet - Psycholog*innen bieten Beratung für Betroffene jeden Alters an, gleichzeitig nutzt das Team die Plattform, um eine Studie voranzubringen, die die seelischen Themen, die mit der Pandemie einhergehen, besser zu verstehen. Eine win-win-Situation so zu sagen.
zur Webseite (und Studie)

Die größte Veränderung der Gegenwart
Diese erste Magazin Ausgabe wird am Tag der Deutschen Einheit veröffentlicht. Am 3. Oktober 1990, kurz nach Mitternacht, schallte die Stimme von Bundespräsident Richard von Weizsäcker aus den knarzenden Lautsprechern vor dem Reichstagsgebäude und verkündete, die nun auch rechtlich vollzogene Einheit der Bundesrepublik Deutschland. Ein historischer Schritt, der für viele Erleichterung und Erfüllung einer jahrelangen Sehnsucht bedeutete aber auch ein Beleg dafür, dass Veränderungen gar nicht so einfach sind - und das für alle Beteiligten. Ich finde es spannend, lehrreich und absolut gänsehautreich durch Videos zu, aus und über diese Zeit zu tauchen, Texte zu lesen oder mich mit Zeitzeugen zu unterhalten. Vielleicht geht es Euch ja ähnlich. Natürlich gibt es auch fiktionalen Stoff über diese Zeit. Wie wäre es mit “Deutschland 83”? Ich habe die Serie nie gesehen, aber Johannes möchte sie Euch wärmstens ans Herz legen.
ARD Mediathek zum Thema | → ZDF Mediathek zum Thema | → Bundeszentrale für politische Bildung | → Deutschland 83

Ok, ich will ja, aber warum klappt das nicht?!?!
Eine Erklärung dafür, warum uns Neustarten so schwer fällt, liefert unser Gehirn. Dieser Artikel erklärt Euch, was dahinter steckt.
Adhibeo

Dies und Das

Ironie der Wirklichkeit: Ehrentag des Virus’
Man will es eigentlich nicht so richtig hören, aber am 3. Oktober findet jedes Jahr der “Ehrentag des Virus’” statt. Bei all der Aufmerksamkeit, die Viren in diesem Jahr bekommen, könnte der Tag auch für ein paar Jahre ausfallen, wenn ihr uns fragt…
Kleiner Kalender

Kultur im Wandel
Auch kulturelle Einrichtungen und Kulturschaffende müssen sich den Herausforderungen, die diese Zeit mit sich bringen stellen. Hierzu hat die Bundesregierung das Programm Neustart Kultur geschaffen. Der Deutsche Literaturfond hat darauf basierend verschiedene Projekte ins Leben gerufen. Unter anderem präsentieren Autoren ihre Arbeit im Netz, es gibt ein digitales Projekt für Kinder und Jugendliche und auch eines, welches Theater fördert.
Deutscher Literaturfond

Soundtrack
Die Themen Neuanfang, Neustart, Veränderung beschäftigen nicht nur uns in dieser ersten Wochenausgabe. Auch musikalisch und literarisch wurde und wird das Thema behandelt. Sei es Hermann Hesse, dessen Zeile “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne" aus dem Gedicht “Stufen” der/die ein oder andere kennt, aber auch Clueso hat 2016 diesem Thema einen Song gewidmet. Einen so passenden Soundtrack zu unserer Ausgabe wollen wir euch natürlich nicht vorenthalten.
Clueso - Neuanfang

In eigener Sache: Zeit für Anhänglichkeit!
Wir haben einen Instagram-Account und freuen uns, dass uns mittlerweile über 200 Menschen folgen. Wir posten Auszüge aus der Wochenendausgabe, horchen mit Umfragen zwischen die Zeilen, teilen Kurioses, Berührendes und Wissenswertes mit Euch. Und wisst ihr schon, was ein “Dumm-gelaufen-Dienstag” ist? Nein? Na dann wird es aber höchste Zeit!
Zu unserem Instagram-Account

Kleine Erinnerung: wir freuen uns sehr, wenn ihr dieses neue Format mit einem Extra-Feedback bedenkt, nur so können wir lernen. DANKE!

Gerne hören wir über das Feedbackformular von Euch. Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen: Spenden und Fördermitgliedschaft bei der Deutschen Angst-Hilfe e.V.

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