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Herbstblues | 10. Okt. 2020

Anne

Liebe Leserinnen und Leser,

nun haben wir den Sommer hinter uns gelassen, ein seltsamer Sommer, mitten in der Pandemie. Der Herbst entspricht seinem Klischee, nass und eher kühler, etwas ungemütlich. Der goldene Oktober, davon bekamen wir bis jetzt wenig zu spüren.

Eigentlich mag ich den Herbst und die ihm eigene Gemütlichkeit. Ich fühle mich weniger vom Wetter und schönen Sonnenstrahlen unter Druck gesetzt nach draußen zu gehen. Nun ist es okay auch einfach in den eigenen vier Wänden zu verweilen, bei einer Tasse Tee und einem guten Buch oder Gesellschaftsspielen. Doch dieses Jahr schwingt da eine Sorge mit und diese Gemütlichkeit hat einen bitteren Beigeschmack - steigende Infektionszahlen.

Wir wollen uns in dieser Ausgabe dem Thema Herbstblues widmen. Denn was ich Gemütlichkeit nenne, ist für manch anderen eine schwierige Zeit, in der die mangelnde Sonnenstrahlung, Vitamin D und weniger Miteinander auf’s Gemüt schlagen. In der das Grau des Himmels auf die Seele abfärbt. Und dann kommt noch diese Pandemie dazu, die uns zwingt Kontakte zu beschränken, auf Umarmungen der Freund*innen zu verzichten, in der wir uns, wenn überhaupt, lieber im Draußen treffen sollten, als in geschlossenen Räumen.

Wir wollen euch mitnehmen in unseren Herbst und unseren Blues und haben natürlich auch ein paar Tipps für euch parat. Wie können wir dem Blues trotzen? Wie können wir den Herbst willkommen heißen, es uns gemütlich machen, von praktischem bis unterhaltsamer Ablenkung.

Eine schöne Herbstwoche wünschen euch Anne und das ganze Team der angstfrei.news

Ganz wichtig: Was meint ihr zum neuen Konzept und zu dieser Ausgabe? Bitte gebt uns ein kurzes Feedback - das wäre hilfreich und sehr nett. Und übrigens nehmen wir unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wir freuen uns über dich in unserem Team. Trau dich einfach und schreib uns eine Mail an angstfrei.news@gmail.com.

Die guten Nachrichten der Woche vom 10. - 16. Oktober 2020

Handwerker*innen kommen bis zu 6 Wochen schneller
Handwerker*innen bieten in der Pandemie schneller Termine an, als davor. Die Wartezeit für einen Handwerkertermin habe sich nach Angaben von Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer in der COVID19-Pandemie verkürzt. "Jetzt liegen wir ungefähr bei acht bis neun Wochen im Gesamthandwerk", sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Wollseifer sprach von einer Normalisierung: Vorübergehend hätten Bau- und Ausbaubetriebe "einen wahnsinnig hohen Vorlauf bei den Aufträgen" gehabt - teilweise seien es vierzehn oder mehr Wochen gewesen. Steigende Preise wolle er nicht ausschließen - allerdings nicht wegen Corona, sondern wegen der Lohnzuwächse nach den Tarifverhandlungen.
WAZ.de

Apps auf Rezept
Seit der vergangenen Woche gibt es die ersten "Apps auf Rezept", das teilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit. Apps und browserbasierte Anwendungen, die als Medizinprodukt mit niedrigem Risiko CE-zertifiziert sind, können also ab sofort von Arzt oder Ärztin verschrieben werden. Für Menschen mit seelischen Erkrankungen ist das eine gute Nachricht, denn damit übernehmen Krankenkassen die Kosten für verschiedene ausgewählte Anwendungen. Die „App auf Rezept“ wurde mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) in die Gesundheitsversorgung eingeführt. Bundesgesundheitsminister Spahn nennt das Register, das Apps und Anwendungen zusammenfasst, ein Digital-Lexikon für Ärzt*innen. Außerdem sei das "DiGA-Verzeichnis" eine Weltneuheit - denn Deutschland sei das erste Land, in dem es Apps auf Rezept gebe.

Auch das Prüfverfahren für die Akkreditierung der Anwendungen sei einzigartig, so BfArM-Präsident Prof. Dr. Karl Broich: “Mit der erstmalig systematischen und zügigen Prüfung digitaler Gesundheitsanwendungen im neuen Fast-Track-Verfahren leistet das BfArM einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Gesundheitsversorgung. Das kommt den Patientinnen und Patienten sowie dem Innovationsstandort Deutschland gleichermaßen zugute – und macht das BfArM auch in diesem Bereich zum Vorreiter in Europa.“

Die ersten beiden Anwendungen, die ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen wurden sind die App kalmeda für Menschen mit Tinnitusbelastung und die Webanwendung velibra des Herstellers GAIA AG, die Menschen mit Symptomen bestimmter Angststörungen unterstützen kann.
BfArM - Pressenachricht | → Das sind die akkreditierten digitalen Anwendungen

Schwarzbrot: Die Digitalisierung der Couch

Tim

In dieser Rubrik möchten wir künftig etwas tiefer in die Nachrichtenlage der Woche einsteigen. Mal eher hintergründig, mal eher serviceorientiert recherchieren wir für euch selbst, statt nur Nachrichten auszuwählen und in eine angstfreie Sprache zu übersetzen. Wir hoffen es mundet euch.

Diese Woche servieren wir ein Interview mit Dr. Enno Maaß, Psychologischer Psychotherapeut in Ostfriesland und stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung über Psychotherapie in der Pandemie. Guten Appetit.

angstfrei.news: Herr Dr. Maaß, wie hat die Pandemie ihren Arbeitsalltag verändert?

Maaß: Zu Beginn gab es bei den Patienten und mir natürlich viel Verunsicherung. Die Verordnungen waren je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Was man darf und was nicht war nicht immer sofort klar. Nachdem die Regeln klar waren, mussten die ganzen Schutzkonzepte umgesetzt werden. Da mussten Therapeuten und Patienten schon eine ganze Menge Routinen umstellen. Allerdings kann ich in meiner Praxis in der Regel auch den Mindestabstand einhalten, so dass ich diesbezüglich gar nicht so viel ändern musste. Einige Risikopatienten haben aber ihre Termine abgesagt. Für die wurden Video Sprechstunden eingerichtet.

angstfrei.news: Wie gut funktionieren Video Sprechstunden aus ihrer Sicht?

Maaß: Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (Anmerkung der Redaktion: Organisation, die die Vergütung von ambulanter Behandlung organisiert) zertifizierten Video-Programme haben gut funktioniert. Für bestehende Patienten war es gar nicht eine so große Umstellung. Bei neuen Patienten hingegen war es deutlich schwieriger, sich ein vernünftiges Bild zu machen. Da fehlten mir als Therapeut Informationen, wie zum Beispiel die körperliche Bewegung im Raum und Aspekte der Körpersprache. Manche Menschen verhalten sich in Video Situationen auch anders als in Live-Kontakten. Und viele müssen auch erstmal damit warm werden.

angstfrei.news: Haben Sie die virtuellen Sprechstunden als effizienter wahrgenommen?

Maaß: Teils Teils. Auf gewisse Art können die Video Sprechstunden schon zielgerichteter ablaufen. Vor allem bei Patienten mit guter Compliance (Anmerkung der Redaktion: Behandlungstreue) war eine besonders klare therapeutische Arbeitshaltung da. Aber je nachdem wo der Computer steht, können auch ablenkende Faktoren vorhanden sein oder die Praxis als Schutzraum bzw. therapeutischer Raum hat gefehlt. Außerdem waren natürlich gewisse verhaltenstherapeutische Maßnahmen wie Expositionsübungen - also zum Beispiel der Aufstieg auf einen hohes Gebäude mit einem Menschen mit Höhenangst - nicht möglich. Mit der Zeit kommt man doch an die Grenzen in der Videobehandlung.

angstfrei.news: Was hat die Pandemie für Patient_innen verändert?

Maaß: Am Anfang waren einige froh in der Praxis eine soziale Interaktion zu haben - die waren ja besonders im Frühjahr stark eingeschränkt. Zur Video Sprechstunde haben mir Patienten vor allem positive Rückmeldungen gegeben. Im Alltag haben die Patienten aber auch viel Frustration bemerkt, weil viele Dinge nicht mehr möglich waren. Manche Patienten haben auch gemeint “jetzt wissen die anderen mal wie ich mich fühle - so eingesperrt.” Aber das hat sich nach einigen Wochen wieder gelegt, weil die Betroffenen gemerkt haben, dass auch ihnen die Pandemie nicht gut tut. Grundsätzlich ist COVID-19 ein Stressfaktor, der viele Alltagsroutinen durchbrochen hat - die sind insbesondere für psychisch erkrankte Menschen wichtig. Individuell mag die Pandemie manchen Krankheitsverlauf zwar erschwert haben. Bisher beobachte ich aber insgesamt bei meinen Patienten keine grundsätzliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit. Mit anhaltender Dauer der Einschränkungen und Belastungen zeigen sich allerdings nun im Herbst nach und nach doch die ersten Auswirkungen auch in Bezug auf die psychische Gesundheit. So langsam scheinen die Ressourcen und die Widerstandskräfte aufgebraucht.

angstfrei.news: Haben sich die Themen in der Psychotherapie verändert?

Maaß: COVID-19 als Thema war sehr präsent in den Gesprächen. Zudem hat die teilweise existenzielle Bedrohung zu Verunsicherung und einem Hinterfragen der aktuellen Lebenssituation geführt. Zum Beispiel gibt es bei mir in der Nähe ein VW-Werk, das für einige Wochen runtergefahren war. Viele VW-Arbeiter haben dann zu Hause eine völlig andere Familien- und Lebenssituation erlebt. Das lässt einen schon ins Grübeln kommen, ob man so weiter arbeiten möchte und wie man sein Leben künftig gestalten möchte.

angstfrei.news: Was lief schlecht in Psychotherapie in den letzten sechs Monaten?

Maaß: Anfangs war die Schutzausrüstung absolute Mangelware. In manchen Bundesländern war sie Pflicht aber kaum ausreichend verfügbar. Ansonsten konnten wir Therapeuten uns ganz gut auf die Pandemie einstellen. Es war ein glücklicher Zufall, dass ein paar Monate vor der Pandemie die Video Sprechstunden umfassend eingeführt wurden. Die (zeitlichen) Beschränkungen, die es hierfür gibt, wurden in der Pandemiezeit aufgehoben. Der Rettungsschirm des Bundes kann die wirtschaftlichen Folgen für die Praxen einigermaßen gut kompensieren. Zwar haben viele zehn bis 15 Prozent weniger Umsatz, aber wegen COVID-19 musste keine Praxis schließen. Für Praxen mit Gruppentherapie war die Situation natürlich ein bisschen schwieriger - die mussten kurzfristig auf Einzeltherapie umstellen.

angstfrei.news: Und was lief besonders gut?

Maaß: Der Umstieg auf die Video Sprechstunden hat erstaunlich gut geklappt. Zumal Psychotherapeuten nicht als so unglaublich technikaffin gelten. Wir als Berufsverband konnten die Kolleg*innen, glaub ich, gut informieren. Insgesamt wurde in Deutschland die psychotherapeutische Versorgung gut den Umständen entsprechend aufrechterhalten. Gerade im internationalen Vergleich profitieren wir in Deutschland von der guten psychotherapeutischen Versorgung.

angstfrei.news: Wie könnte sich die Psychotherapie in den nächsten sechs Monaten noch auf die “neue Normalität” einstellen?

Maaß: Im Praxisablauf gibt es nur noch wenig zu verändern. Viele Kollegen machen sich jetzt Gedanken über Luftreinigungsgeräte, weil sie fürchten zu wenig lüften zu können. Die zwei Meter Abstand werden wohl vorerst bleiben müssen - aber es ist schon im gesamten Therapeistundenverlauf eine ungewohnte Distanz, die auf Dauer nicht so viel Spaß macht. Ansonsten sind Video Sprechstunden erstmal das Ende der Fahnenstange – weitere Neuerungen fallen mir derzeit nicht ein. Die Übungsmöglichkeiten bei der Verhaltenstherapie bleiben wohl weiter begrenzt.

angstfrei.news: Was halten Sie von Simulationen und therapeutischen Übungen mittels 3D-Brille?

Maaß: Die kommen wohl nicht in den nächsten sechs Monaten - das ist eher noch Zukunftsmusik. Die derzeit entwickelten Anwendungen der Virtuellen Realität eignen sich gut für konkrete Ängste wie Höhenangst oder Angst vor Spinnen. Bei posttraumatischen Belastungsstörungen könnten sie genutzt werden, um sich in die traumatische Situation zur Angstkonfrontation zurückzuversetzen. Aber grundsätzlich ist die virtuelle Realität natürlich etwas anderes, als das Gefühl und die Informationstiefe in der realen Welt. 3D-Brillen werden mit den heutigen, verfügbaren Programmen nicht vollständig die Exposition auf dem Hochhaus ersetzen können und sicher nicht flächendeckend während der Pandemie zum Einsatz kommen.

angstfrei.news: Haben Sie abschließend noch Tipps für Menschen in Psychotherapien?

Maaß: Es hilft auf jeden Fall Absprachen mit seinem Therapeuten hinsichtlich des Schutz- und Risiko Konzeptes zu treffen. Was ist gut per Video machbar? Welche Sitzungen sollten vor Ort sein? Ich will dazu ermutigen die Praxen aufzusuchen, wenn es möglich ist. Aber wir müssen flexibel mit den Einschränkungen umgehen, so dass je nach Infektionsrisiko eine Mischung aus Video und vor Ort-Behandlung die beste Lösung sein kann.

angstfrei.news: Wir danken Ihnen sehr für dieses Gespräch!

Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung

Nachrichten

angstfrei.news ist gestartet als ein Projekt, das unaufgeregt die Neuigkeiten des Tages - jetzt der Woche - zusammen fasst. Wir möchten diesem Service treu bleiben für all jene, denen die Flut an Nachrichten zu viel wird. Deswegen fassen wir hier für euch die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in der vergangenen Woche zusammen.

Mehr Hotspots, neue Regelungen
Immer mehr Ballungsräume überschreiten derzeit den Grenzwert von 50 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Die Tagesschau hat einen ausführlichen Überblick über die Gebiete zusammengestellt. Anlässlich der besonderen Situation von Großstädten, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag, den 9. Oktober eine Schaltkonferenz mit Bürgermeister*innen von elf Städten abgehalten. Mit dabei waren die Oberhäupter von Berlin, Hamburg, Bremen, München, Frankfurt am Main, Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Leipzig, Hamburg und Stuttgart.

Gemeinsam vereinbarten sie neue Maßnahmen:

Die Bundeswehr und das Robert Koch-Institut (RKI) sollen künftig Experten in Corona-Hotspots schicken können, sobald in sieben Tagen mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen registriert werden. Steigt die Zahl auf 50, sollen umfangreiche Beschränkungen eingeführt werden. Dazu gehören die Erweiterung der Maskenpflicht auf den öffentlichen Raum, Sperrstunden, Alkohol Beschränkungen für Gastronomiebetriebe sowie weitergehende Beschränkungen der Teilnehmerzahlen von Veranstaltungen und privaten Feiern.

Um die Maßnahmen zu kontrollieren, sollen die Ordnungsämter entlastet werden, auch über die Hilfe von Bundespolizei und Länderpolizei wird beraten. All diese Maßnahmen müssten erweitert werden, sobald die Infektionszahlen in den betroffenen Gebieten binnen zehn Tagen nicht zum Stillstand kommen, so die Runde um Bundeskanzlerin Merkel. "Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Maßnahmen, die jetzt nötig sind, wehtun", sagte die Kanzlerin im anschließenden Pressegespräch. Sie wisse, dass Sperrstunden insbesondere die Gastronomie hart träfen. Auch die Einschränkung von privaten Feiern greife tief in das Privatleben der Menschen ein. Oberste Priorität sei jedoch, sofern möglich, das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben nicht wieder so herunterfahren zu müssen wie im Frühjahr.

"Alles wird zurückkommen: Feiern, Ausgehen, Spaß ohne Corona-Regeln", sagte Merkel abschließend. Aber nun gelte es zunächst, Masken zu tragen, Abstand zu halten, die Corona-App zu nutzen und regelmäßig zu lüften.
Hintergrund zu Hotspots | → Merkels Gespräch mit den Ländern

Maskenpflicht wird stärker kontrolliert
Ab sofort gibt es schwerpunktmäßige Kontrollen der Maskenpflicht in Zügen. Beginnend mit Norddeutschland werden die Sicherheitsdienste der Deutschen Bahn und die Bundespolizei während der Ferien und an den Wochenenden verstärkt den Regional- und Fernverkehr kontrollieren. Wer keine Mund-Nase-Bedeckung trägt, dem droht das Ende der Fahrt sowie mancherorts ein Bußgeld in Höhe von 50 Euro. Die Bahn verdoppelt für die Aktion ihre Sicherheitsmitarbeiter*innen.
Westdeutsche Zeitung / dpa

Maskenpflicht im Bundestag
Bisher war sie nur eine dringende Empfehlung, seit Dienstag muss im deutschen Bundestag eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden. Dies hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) entschieden. Sofern ein Abstand von 1,5 Metern gewahrt bleibt, könne die Maske beim Sitzen im Büro oder Plenum abgenommen werden. Die Sitzungsleitung und die Redner*innen am Pult sind ebenfalls von einer Maske befreit. Die AfD-Bundestagsfraktion hat gegen die Anordnung Klage eingereicht, einzelne AfD-Abgeordnete hatten sich dem Gebot widersetzt. Hiefür drohen bis zu 5.000 Euro Bußgeld oder bis zu 25.000 Euro Zwangsgeld. Seit März hatte es 37 Corona-Fälle im Umfeld des Bundestages gegeben: Abgeordnete, Mitarbeiter*innen aber auch Handwerker*innen. Die Bundestagsverwaltung betonte aber, dass nicht klar sei, ob sich das Infektionsgeschehen im Bundestag abgespielt habe.
Zeit.de | → Tagesschau.de

Impfstoff noch weit entfernt
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) erwartet für Mitte kommenden Jahres einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Sie gehe davon aus, dass dann "breite Teile der Bevölkerung geimpft werden können", sagte Karliczek auf einer Pressekonferenz zum Stand der Impfstoff-Entwicklung. "Sollte es schneller gehen, wäre es natürlich toll", sagte sie. "Die Forschung ist im Moment gigantisch schnell." Die Geschwindigkeit wird auch durch die Förderung des Bundesforschungsministerium für einzelne Firmen hochgehalten: So werden Biontech (mit 375 Millionen Euro), CureVac (252 Millionen Euro) und das Dessauer Unternehmen IDT Biologika (114 Millionen Euro) unterstützt. CureVac und Biontech nutzen Messenger-RNA. Dieser Bauplan sorgt dafür, dass Zellen im Menschen Virusproteine produzieren, gegen die der Körper dann eine Immunantwort entwickelt. BionTech hatte vor wenigen Tagen das Zulassungsverfahren für ihren Impfstoff begonnen. IDT Biologika nutzt hingegen einen viralen Vektor, um eine Immunantwort zu erreichen.

Auch die Mitglieder der ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts haben die Erwartungen an einen schnellen Impfstoff gedämpft: Zunächst würden laut Stiko-Mitglied Klaus Überla nur wenigen Millionen Impfdosen zur Verfügung stehen. Um Impfversager zu vermeiden, werden die meisten Impfungen mindestens zweimal gegeben. Allein in Deutschland werden also 160 Millionen Impfdosen benötigt, europaweit über eine Milliarde.

Daher hat die EU-Kommission sich die Bezugsrechte für verschiedene Impfstoffe gesichert: Letzte Woche schloss sie einen Vertrag mit Johnson&Johnson über Impfstoffe für 200 Millionen Menschen mit der Möglichkeit, auf Impfstoffe für weitere 200 Millionen. Ähnliche Absprachen bestehen auch mit Sanofi-GSK und AstraZeneca, welche ebenfalls an aussichtsreichen Impfkandidaten forschen. Bisher hat allerdings noch keine dieser Firmen eine Zulassung für einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2.
Tagesschau.de (Zulassungsverfahren BionTech) | → Deutsche Apotheker Zeitung.de (EU sichert sich Impfstoff) | → Tagesschau.de

Ausland

USA: Ringen um billionenschweres Hilfspaket
Ein weiteres Hilfspaket für die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie in den USA wird es nach dem Willen von Präsident Donald Trump erst nach der Wahl am 3. November geben. Demokrat*innen und Republikaner*innen hatten im Kongress seit Wochen um einen Kompromiss gerungen: Die Demokrat*innen fordern 2,2 Billionen Dollar Hilfen, die Republikaner*innen wollen nicht mehr als 1,6 Billionen ausgeben. Das Geld soll unter anderem zur Förderung der Luftfahrtbranche, aber auch für direkte Hilfen an Arbeitslose genutzt werden. Trump hatte am vergangenen Dienstag die Verhandlungen abgebrochen, dann aber nach starken Turbulenzen an den Aktienmärkten einzelne Förderpakete zum Beispiel für die angeschlagenen Airlines vorgeschlagen. Dies lehnten wiederum die Demokrat*innen ab - sie möchten ein Gesamt Konjunkturpaket. Trump hatte daraufhin die parlamentarischen Führer der Republikaner*innen angewiesen, weitere Gespräche bis nach der Wahl zu unterbrechen. Stattdessen sollen sie sich ganz auf die Bestätigung von Trumps Richterinvorschlag für den obersten Gerichtshof kümmern.

Der Senat und das Repräsentantenhaus hatten im März den Cares Act beschlossen. Es war mit einem Umfang von 2,2 Billionen Dollar das größte Hilfspaket der US-Geschichte. Ende April folgte ein weiteres Hilfspaket im Umfang von rund 500 Milliarden Dollar. Viele Hilfsmaßnahmen sind inzwischen aber ausgelaufen oder Fonds aufgebraucht, obwohl Hilfe weiter dringend notwendig scheint. 840.000 US-Amerikaner*innen beantragten diese Woche Arbeitslosenhilfe. Ebenso viele stellten bereits letzte Woche einen Antrag. Die reale Arbeitslosenquote liegt, laut Schätzungen der US-Notenbank, zwischen zehn und elf Prozent.
Tagesschau.de (Bisheriger Verlauf Hilfspaket) | → Tagesschau.de (Ablehnung Demokraten für Teilgesetze)

Frankreich: Steigende Infektionszahlen führen zu mehr Einschränkungen*
In Frankreich steigt die Zahl der Menschen mit positivem Corona-Testergebnis stark an. Ähnlich wie in Deutschland sind vor allem Großstädte wie Marseille, Lillé und Paris betroffen. Streit gibt es um die je nach Stadt unterschiedlichen Einschränkungen: Während in Marseille sowohl Restaurants als auch Bars für zwei Wochen geschlossen bleiben sollen - unter großem Protest der Gastronomiebranche -, dürfen die Pariser Restaurants weiterarbeiten - Barbesitzer*innen aber nicht. Mediziner*innen kritisieren die Einschränkungen als zu spät. "Wir sind in der gleichen Situation, wie während der ersten Corona-Welle: Wir laufen mit den Entscheidungen hinterher, anstatt vorneweg zu gehen.", sagte Gilles Pialoux, Chef Infektiologe am Pariser Krankenhaus Tenon.

Sorgen bereitet vielen Ärzt*innen auch die Lage auf den Intensivstationen des Landes: Die Regierung hat es nicht, wie versprochen, geschafft, die Anzahl der Intensivbetten deutlich über den Sommer zu erhöhen. Von den etwa 5000 Intensivbetten sind schon jetzt etwa 1500 durch COVID-19-Patient*innen belegt. Es fehlt den französischen Kliniken vor allem an Personal, um mehr Betten betreiben zu können. Über 5000 Stellen im ärztlichen und pflegerischen Bereich sind aktuell an staatlichen Krankenhäusern nicht besetzt.
FAZ.de (allgemeine Maßnahmen) | → Tagesschau.de (Infektionszahlen) | → Tagesschau.de (Beschränkungen Paris)

Israel: Konflikte zwischen Orthodoxen, säkularen Juden und Netanjahu
Mit den stark steigenden Infektionszahlen in Israel nehmen die Spannungen zwischen strenggläubigen, orthodoxen und sogenannten säkularen Jüd*innen zu. Obwohl Versammlungen zum Infektionsschutz verboten wurden, versammelten sich zahlreiche Strenggläubige ohne Abstand und Mundschutz in den Synagogen. Daher schloss die Polizei, unter Protesten der Gläubigen, zwölf Synagogen. Orthodoxe Jüd*innen machen 12 Prozent der Bevölkerung, aber 40 Prozent der Neuinfektionen in Israel aus. Daher scheint sich bei vielen säkularen Jüd*innen der Eindruck zu verstärken, die Strenggläubigen würden auf ihre Kosten leben. Orthodoxe Jüd*innen haben Israel einerseits zahlreiche Vorteile, wie die Freistellung vom Wehrdienst oder finanzielle Förderung in den Religionsschulen. Andererseits leben sie häufig beengt in ärmlichen Verhältnissen. Auch dies kann die steigenden Infektionszahlen erklären.

Zusätzlich gibt es Konflikte um den Premierminister Benjamin Netanjahu: Vor wenigen Tagen verlängerten sein Kabinett das faktische Demonstrationsverbot im Rahmen eines “Corona-Notstandes”. Bis zum 13.10. dürfen sich maximal 20 Menschen im Umkreis von einem Kilometer um ihren Wohnsitz zusammenfinden. Dennoch demonstrierten diese Woche hunderte in Tel Aviv gegen Netanjahu, der sich aktuell gegen Korruptionsvorwürfe verteidigen muss. Zudem steht er für seinen Umgang mit der COVID-19-Pandemie in der Kritik. Die meisten Protestierenden trugen Masken und hielten Abstand, bis es zu Zusammenstößen mit der Polizei kam.

Israel hat seine Infektionsschutzmaßnahmen seit Mitte September deutlich verschärft, nachdem es im Frühjahr die Verbreitung des Coronavirus gut kontrollieren konnte.
Deutschlandfunk.de | → Tagesschau.de

Sport

Sporthilfe will Verluste für Spitzensportler*innen untersuchen
Eine Studie der deutschen Sporthilfe soll ermitteln, wie stark die Pandemie deutsche Leistungssportler*innen finanziell getroffen hat. "Wir wollen wissen, wie groß sind, in Euro ausgedrückt, die Einbußen der Athleten", sagte Sporthilfe-Chef Thomas Berlemann in Berlin. In dem Projekt solle die Sporthochschule Köln "konkrete Zahlen pro Athlet" feststellen.

Die Deutsche Sporthilfe unterstützt nach eigenen Angaben rund 4000 Top-Athleten. Die Förderung sei auch nach der Verlegung der Olympischen Spiele ins kommende Jahr weiter gesichert, betonte Berlemann. Allerdings seien viele Athleten neben der Sporthilfe auch auf private Sponsoren angewiesen. Hier habe es teils deutliche Kürzungen bei der Verlängerung auslaufender Verträge gegeben, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag. Sie gehe davon aus, dass der Sport auch 2021 Probleme haben werde.
Deutschlandfunk.de

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 392.049 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 22.10.2020 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 11.287 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 30.935.026 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 20.868 Personen mehr als gestern Früh. Davon 302.100 in Deutschland (Stand: 22.10.2020 08:16 Uhr, Quelle: Worldometers).

Mensch zu Mensch

Herbstfest
Anne

„Hurra, Hurra, der Herbst ist da.“ Diese Zeile singt mein Sohn derzeit durchgehend. Skippen, Shuffle oder gar ausstellen nicht möglich. Er singt in Dauerschleife diese eine Zeile. Ich ahne, dass sie erst durch “Sankt Martin” und “Laterne, Laterne” abgelöst wird. Manchmal nervt es, doch meistens hilft es mir diese Jahreszeit mit Kinderaugen wahrzunehmen, manchmal kommt auch beides zusammen.

Wie ich schon im Editorial schrieb, mag ich den Herbst eigentlich. Das sich verfärbende und fallende Laub finde ich wunderschön, genauso wie die Kastanie in meiner Manteltasche, die ich nicht aufhören kann zu befühlen. Genauso wie das warme Getränk am Nachmittag und die vermehrte Zeit zum (vor)lesen, die ich nun habe.

Aber dieses Jahr schwingt Unsicherheit und Wehmut mit. In den Osterferien wollten wir nach Holland fahren, ans Meer. Ein Freund hatte uns eingeladen und wir uns gefreut. Dann Absage, wegen Lockdown, aber nicht so schlimm, das ganze sollte auf die Herbstferien verlegt werden. Nun ist Herbst und die niederländische Region, in die wir reisen wollten gehört zum Risikogebiet und auch Köln könnte bald zu einem solchen werden, steigen doch die Infektionszahlen stetig. Also abwägen. Sollen wir trotzdem fahren und den anschließenden Corona-Test und Quarantäne in Kauf nehmen? Das Abwägen ist eher obligatorisch, denn eigentlich steht die Entscheidung fest. Wir fahren nicht. Dann schönreden. Bei Regenwetter ist das am Meer eh nicht so schön, schwimmen und Sandburgen bauen nicht möglich. Dann Akzeptanz, schweren Herzens.

Aber dies ist nicht die einzige Absage. Wieder gerät irgendwie alles durcheinander. Kein Martinszug, kein üblicher Start in die Karnevalssaison. Geburtstagskaffee mit Freund*innen, besser nicht, weil nicht genug Platz dies corona konform durchzuführen. Meine Schwester in Bremen besuchen? Besser nicht.

All diese alljährlichen Momente, in denen man gesellig zusammen kommt fallen aus. Und das bereitet Boden für ein Unwohlsein und eben Wehmut. Die Ironie an der Sache ist, dass ich es normalerweise ganz furchtbar finde, an Sankt Martin durch die Straßen zu ziehen und zu singen. Es ist Stress. Zu schauen, dass die Kinder die Fackel Stäbe nicht zu Schwertern umfunktionieren, zu schauen, dass kein Kind in dem Gewusel in der Dunkelheit verloren geht. Nach dem Umzug drei Becher Kinderpunsch, zwei Wecken und zwei Fackeln zu jonglieren, sich dabei natürlich die Finger verbrennen und die Hälfte des Punsches über die Hände oder gar die Jacke verschütten. Das hat wenig mit dem romantisch verklärten Bild des Martinsfestes aus der Kindheit zu tun. Aber weil die Erinnerung so schön ist, möchte man den eigenen Kindern auch so eine Erinnerung schaffen. Diese Jahr nun nicht.

Und was wird noch alles anders kommen dieses Jahr? Welche Feste werden noch anders als bisher gefeiert werden müssen? Wir werden sehen. Ganz sicher werden sie musikalisch eingeleitet, mit so viel Freude und Zuversicht in der Stimme, die sich vielleicht/hoffentlich auch auf mich überträgt.

Nachtrag: Kaum habe ich die letzten Zeilen dieses Textes geschrieben, begebe ich mich zum Kindergarten um meinen Sohn abzuholen. Dort werde ich überschwänglich von einem sehr matschigen Wesen mit einem lauten, freudigen “Rabimmel, rabammel, rabumm…” begrüßt.

Der Tag, an dem ich die Heizung anstellte
Katharina

Heute habe ich die Heizung wieder angestellt. Nachdem ich in der Früh noch bei einem wundervoll goldenen Sonnenaufgang über das Tempelhofer Feld gelaufen bin, platscht nun der Regen an meine doppelwandigen Altbaufenster. Die Straße ist so viel lauter, wenn sie nass ist. Jedes Auto, das vorbeifährt erinnert mich hier oben im zweiten Stock an die ungemütliche Nässe dort unten - so sehr räsoniert die Feuchtigkeit der frisch aufgezogenen Allwetterreifen hinauf an die Ränder der Häuserschluchten.

Es ist kalt. Das erste Mal seit Monaten ist mir kalt in meiner Wohnung. Ich ziehe meine Jacke an, krame meine grauen Plüsch-Hausschuhe aus ihrem Sommerversteck und lege mir eine Decke über die Schenkel. Ich fröstel noch immer. Ich koche mir einen Tee. Ich ziehe mir die Decke fester um den Körper. Trinke noch einen Schluck. Höre die Autos da draußen. Fühle die Gänsehaut in mir aufsteigen - ist das ein Luftzug, da aus dem Wohnzimmerfenster? Es nützt alles nichts. Ich seufze. Es ist schon wieder Zeit: Mittwoch, siebter Oktober, kurz nach fünf. Ich mache die Heizung an.

Der Herbst ist da.

Ich seufze. Es ist dieser Moment im Jahr, in dem ich mich geschlagen gebe. Ein paar fröstelige Abende halte ich es aus. Rede mir ein, dies seien die letzten Sommerabende, erfreue mich an farbenfrohen Blättern vor blauem Himmel, ignoriere das erste Frösteln, wenn ich ohne Jacke draußen bin. Und dann kommt dieser Moment, an dem ich es einsehen muss: Die Kälte, der Regen, die laute Straße, der Blättermatsch auf grauem Boden statt im strahlenden Himmel. Der Herbst hat den Sommer verschluckt und mich gleich mit ihm.

Da ist sie wieder, die Dunkelheit.

Bevor die Tage kürzer werden, kündigt sie sich an. Wie ein Schatten taucht sie hinter mir auf, stellt meine Nackenhaare auf, lässt mich frösteln. Ich merke, dass ich auf einmal mehr Energie brauche, um mich wohl zu fühlen. Das nervt. Ich vermisse den Sommer schon, wenn noch die letzten Sonnenstrahlen Wärme verbreiten. Höchste Zeit, die innere Sonne wieder auszupacken. Immerhin habe ich sie doch über die warmen Monate aufgeladen. Zugegeben, in diesem absurden Jahr ist die Sommerenergie vor allem in den Selbsterhalt und die Verarbeitung dieses absurden Frühjahres geflossen - aber ich habe den ein oder anderen Herbst kommen lassen, da werde ich auch 2020 willkommen heißen.

Immerhin heißt es Herbst-"Blues"!

Die Melancholie ist eine schwere Samtdecke - sie kann uns gleichermaßen erdrücken, wie wärmen, umhüllen und beschützen. Der Blues ist klanggewordene Melancholie - ein zur Kunstform entwickeltes, schwermütiges Volkslied (so das Lexikon). Kunst und Schwermut, Form und Volkslied, zartes Klanggeweb, das zu einer sanften, körpernahen Bewegung einlädt. Der Blues ist die Einladung, den Herbst zu zelebrieren, also mache ich mit der Heizung die Musik an. Sanft webt sie die Straßengeräusche in das Gluckern der Heizung. Ich bewege mich zum Takt der Musik in die Küche, mache mir eine heiße Schokolade. Das dumpfe Geräusch des Löffels an der Tasseninnenwand verwebt sich in die Blues-Symphonie des Neuköllner Herbstes. Ich lege mich auf die Couch. Der Regen platscht unermüdlich an die Scheiben. Ich nehme einen genüsslichen Schluck aus der Kakaotasse. Es hat auch was für sich, keinen Grund zu haben raus zu gehen. Ich kuschel mich in die Decke und den Blues. Die Heizung ist an. Der Herbst kann kommen.

Tipps der Woche

Ach, der Herbst. So viel Grund für Blues - aber auch für gutes Essen und einen gemütlichen Filmeabend! Wir haben Euch einen bunten Laubhaufen an Tipps zusammengestellt, um den Herbst willkommen zu heißen.

Antriebslosigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsschwäche, eine gedrückte, melancholische Stimmung oder auch physische Beschwerden wie Magen- oder Rückenschmerzen können Zeichen eines saisonalen Tiefs sein.

Ein Zustand, der auch mit dem Hormonhaushalt zusammenhängt. Ja, es ist wahr - es gibt so etwas wie eine Herbstdepression, die auch Depressionen wieder aufflammen oder wecken kann. Nicht für jede*n wird die Stimmung zu einem medizinischen Problem - für viele ist sie dennoch belastend. Nicht umsonst sammeln zahlreiche Medien Anfang des Herbstes Tipps gegen den Blues. Wir haben ein paar für Euch zusammengestellt.

Das hilft gegen den Herbstblues
Ich mache es kurz: Licht - gerne auch als Wecker, Sport - am besten draußen, ein warmes Porridge am Morgen, Ingwer Tee und Chilli für den Stoffwechsel, ab und an ein Tag in der Sauna und ein selbst gestrickter warmer Schal als Erinnerung daran, dass auch das Drinnenbleiben sinnvoll sein kann. Eine Lichtstärke von 7000 Lux kann auch Lampen zum effektiven Mittel gegen den Blues machen. Und wenn Euch all das geholfen hat: Strahlt gute Stimmung aus - lacht, lächelt, teilt Eure schönen Momente - denn so stecken wir einander mit positiver Energie an.
Selfapy “Herbstdepression”
N’Yoy “Herbst-Blues - das hilft”
Freundin “Herbst Blues” - Umfrage für gute Laune Tipps
Deutschlandfunk “Bewegung und Licht helfen”
Eat smarter “12 Tipps gegen den Herbstblues”
Herbstblues Tipps zum Hören - VisitBlackForest (PodCast)

Manchmal hilft Melancholie
Manchmal tut es auch gut, sich der Melancholie hinzugeben. Sie bringt uns unseren Gefühlen und manchmal auch den großen Fragen des Lebens näher. Kein Wunder, dass wir uns dann oft verletzlich fühlen. Trotzdem lädt uns Psychologin Anna-Marie Reith im PodCast von Deutschlandfunk Nova dazu ein, Melancholie als ein Signal unseres Körpers zu verstehen. Das Innehalten könne eine Möglichkeit sein, neue Energie zu tanken.
Podcast Deutschlandfunk Nova

Gut essen im Herbst
Die richtige Ernährung kann dem Herbstblues ebenfalls entgegenwirken. Esst mehr Chilli - es enthält das natürliche Alkaloid Capsaicin (CPS), das durch seinen Schärfereiz schnell Endorphine im Körper freisetzt. Auch gut gegen depressive Verstimmung: Magnesium. Es ist an zahlreichen Stoffwechselreaktionen beteiligt und ist dabei beispielsweise an der Bildung von Serotonin beteiligt. Aus diesem Grund kann es helfen, im Herbst und Winter verstärkt auf Nahrungsmittel mit hohem Magnesiumanteil zu setzen. Konkret heißt das: Esst mehr Bananen, Nüsse oder Linsen.

Und zum Frühstück: Haferbrei! Warum? Das Getreide enthält komplexe Kohlenhydrate und Vitamin B1 – beides regt die Produktion von Glückshormonen an und macht stressresistent. Pro Portion je 75 ml Milch und Wasser aufkochen, 2 EL Haferflocken, eine Prise Salz und ggf. etwas Honig hinzugeben, 5 Minuten köcheln lassen mit einer zerdrückten Banane verrühren, wer mag, Zimt hinzufügen und frische Früchte. Lecker und gut gegen den Blues!

Buchtipp - Hygg Hygg Hurra!
Die Dänen gelten als ausgesprochen glücklich. Warum ist das so und wie machen sie das? In einem Land, in dem die kalte und dunkle Jahreszeit so viel länger und dunkler und kälter ist, als bei uns? Sind Zimtschnecken und Legosteine das Geheimnis? Die britische Journalistin Helen Russell ist mit ihrem Mann von London nach Dänemark gezogen und hat ihre Erfahrungen in einem Buch festgehalten. Unterhaltsam, emphatisch und eine wunderbare, leichte Lektüre für diese Jahreszeit. Und die zehn besten Tipps um dem Glück der Dänen etwas näher zu kommen gibt es auch. Es lohnt sich eine Tasse Tee und ein paar Zimtschnecken oder ähnliches bereit stehen zu haben, eh man das Buch aufschlägt.
Fischerverlage

Fernsehtipp - Ab in die Eifel
Wer es sich in diesen Tagen lieber auf dem Sofa bequem macht und Serien schaut, sich jedoch nicht entscheiden kann, weil zu kitschig, zu aufregend, zu dunkel, für den haben wir auch etwas. Es geht in die Eifel mit Kommissarin Sophie Haas, welche aus der Großstadt, Köln in das kleine Dorf Hengasch versetzt wurde. Die Stadt-Dorf-Klischees werden mit einem Augenzwinkern bedient und humorvoll dargestellt, so dass man bald die Protagonist*innen ins Herz schließt. Wer Lust auf unterhaltsame, unaufgeregte und komische Abende vor dem Fernseher hat, findet die Serie im Ersten.
ARD-Mediathek

Dies und Das

Quarantäne für immer
Eine Vorstellung, die uns schaudern lässt und nicht gerade wohlig stimmt. Die Punkband Madsen hat dem einen gleichnamigen Song gewidmet, in dem sie sich den Gedanken schön singen, gezuckert mit einer guten Portion Ironie.
YouTube

In die Offensive
Über psychische Erkrankungen wird wenig gesprochen. Betroffene tun dies nicht, aus Verlegenheit, aus Sorge der Reaktionen, vor allem im Arbeitsumfeld oder weil ihnen schlicht die Kraft dazu fehlt. Dabei nehmen psychische Erkrankungen zu und fast jeder hat in seinem Umfeld mindestens einen Betroffenen.

Auch die Bundesregierung, genauer gesagt die Bundesministerien für Arbeit und Soziales, für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesgesundheitsministerium haben nun die Offensive für psychische Gesundheit ins Leben gerufen. Gemeinsam mit Akteur*innen aus diesem Segment wollen sie Offenheit schaffen und eine breitere Vernetzung anstreben.

Dazu gibt es verschiedene Kampagnen, einen Gesprächsleitfaden und im nächsten Jahr auch zwei Dialogveranstaltungen. Ein Schwerpunkt wird vor allem auf Präventionsmaßnahmen gelegt.
Vernetzung von Präventionsangeboten | Offensive psychische Gesundheit

Und auch in den sozialen Medien kann man sich informieren, zum Beispiel über die Partnerakteur*innen.
Seelische Gesundheit - Instagram

Manfred Lütz im Gespräch
Zum Thema Offensive Psychische Gesundheit hat der Psychiater Manfred Lütz mit dem Deutschlandfunk Kultur gesprochen. Er weist auf den Unterschied zwischen einem „normalen“ Tief im Leben und die emotionale Reaktion darauf, und den Unterschied zu einer echten Erkrankung und auch der Angst vor solchen, hin. Psychischen Erkrankungen müsse mit mehr Offenheit begegnet werden.
Deutschlandfunk Kultur

In eigener Sache: “Wie viel Angst tut uns gut?”
Wann ist Angst nützlich als gesunde Reaktion oder Stütze der Achtsamkeit? Wann dürfen hochrangige Politikerinnen eigene Angst zugeben? Wann wir “Normalbürger*innen”? Wie tabuisiert ist das Thema Angst? Wann hemmt und hindert uns die Angst am Leben, wann wird sie zur Krankheit? Diese und/oder ähnliche Fragen wollen wir gemeinsam mit Politik im Raum und Netzwerk Gemeinsinn e.V. im Rahmen eines Themenabends am Mittwoch, den 14.10.2020 zur Sprache bringen. Weitere Informationen findet ihr im Link
Zur Veranstaltung mit Dr. Ruth Sander und Christian Zottl

Kleine Erinnerung: wir freuen uns sehr, wenn ihr dieses neue Format mit einem Extra-Feedback bedenkt, nur so können wir lernen. DANKE!

Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen: Spenden und Fördermitgliedschaft bei der Deutschen Angst-Hilfe e.V.

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