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Dienstag, 29. September 2020 | 8 Uhr

Anne

Einen schönen Dienstag ihr Lieben,

der heutige rote Faden, der sich durch diese Ausgabe zieht, heißt Selbstwirksamkeit. Denn wir alle wissen wie gut es sich anfühlt Probleme oder Dinge die uns beschäftigen anzugehen. Und meist merken wir dann, dass wir gar nicht so alleine dastehen, wie zu Anfang geglaubt. Und auch das tut gut! Also los! Packen wir es an.

Aber vorher informieren wir euch natürlich noch darüber, was in Deutschland und der Welt in Sachen Corona los war und ist.

Anne und das Team von angstfrei.news

Übrigens: Wir nehmen unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wir freuen uns über dich in unserem Team. Trau dich einfach und schreib uns eine Mail an angstfrei.news@gmail.com.

Gefällt euch, was ihr lest? Was würdet ihr anders machen? Teilt es mit uns im Feedback.

Die gute Nachricht

Restaurants werden veggie
Noch vor ein paar Jahren hatte man es als Vegetarier* in eher nicht leicht, im Restaurant ein Gericht auszuwählen. Es gab kaum, eher keine Auswahl. Als Veganer*in wurde es noch schwieriger. Doch inzwischen kommt es zu einer Trendwende und immer mehr Restaurants bieten eine gute Auswahl an veganen und vegetarischen Gerichten an.

Inzwischen gibt es sogar eine Vielzahl von Restaurants die komplett auf tierische Produkte verzichten. 2013 waren es nur 75 in Deutschland, 2018 hingegen schon 250. Denn auch bei Fleischessern wird das Interesse an pflanzlichen Alternativen immer beliebter.
msn

Die Nachrichtenlage

Sorge vor dem Herbst und Winter
Heute kommen die Bundesländer, gemeinsam mit Angela Merkel zusammen, um über Maßnahmen zu sprechen, die die Bevölkerung in der bevorstehenden Herbst- und Winter Saison bestmöglich vor Corona schützen sollen. Die Bundesländer haben ein geschlossenes Vorgehen im Blick und wollen einen Flickenteppich an Maßnahmen vermeiden. Besonders das Vorgehen in Schulen und Kindergärten steht im Vordergrund, aber auch die Situation der Wirtschaft. Auch über ein mögliches Ampel-Warnsystem soll gesprochen werden. Merkel benannte im Vorfeld ihre Sorge, dass die Infektionszahlen in der kalten Jahreszeit rasant steigen könnten und möchte einen exponentiellen Verlauf, wie er derzeit in Frankreich zu beobachten ist, verhindern.
(dpa)

Vermehrte Infektionen nach Familienfeier
Anfang September steckten sich bei einer Hochzeit in Hamm Gäste mit dem Coronavirus an. Seitdem stieg die Zahl der Infektionen stetig, auf mehr als 300 Infizierte, an. Das hatte zur Folge, dass auch 12 Schulen und 2 Kindertagesstätten geschlossen werden mussten.

Auch in Bielefeld hat eine größere Familienfeier zu einem Anstieg der Zahlen geführt, es sind jedoch nicht alle Fälle mit den Feierlichkeiten in Verbindung zu bringen.
(dpa)

Kontaktlisten häufig nicht korrekt
Mit sinkenden Temperaturen nimmt die Außengastronomie ab und die Menschen treffen sie vermehrt in den Kneipen, Bars und Restaurants. Damit nimmt auch das Infektionsrisiko zu, welches in Innenräumen höher ist, als an der frischen Luft. Hinzu kommt, dass manche Gäste die Kontaktlisten falsch ausfüllen und Fantasienamen nutzen. Dadurch ist die Nachverfolgung bei möglichen Infektionen nicht gesichert. Um dem entgegenzuwirken, wird bei dem morgigen Treffen der Länder mit der Bundeskanzlerin auch über ein einheitliches Bußgeld, bei falschen Kontaktangaben gesprochen.
—> Tagesschau | rnd

Personalmangel in Gesundheitsämtern
Für die Kontaktverfolgung bei Corona Infektionen sind die örtlichen Gesundheitsämter zuständig. Diese sollten, nach Beschluss im April, Teams von 5 Personen pro 20.000 Einwohner zusammen stellen. Allerdings ist in verschiedenen Bundesländern nicht ausreichend Personal vorhanden, weshalb es zu Verzögerungen in der Benachrichtigung kommt. Zum Teil wurden Kontaktpersonen gar nicht benachrichtigt, wie in Einzelfällen berichtet wird. Deswegen haben verschiedene Bundesländer, u.a Bayern und Berlin nun um Amtshilfe gebeten und bekommen Unterstützung von Seiten der Bundeswehr.

Außerdem erschwert die unzureichende Registrierung und Angabe von falschen Kontaktdaten die Arbeit der Gesundheitsämter.
Tagesschau

Schnelltest für ärmere Länder
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will ärmeren Ländern den Zugang zu Corona Schnelltests ermöglichen. Diese seien relativ kostengünstig, mit einem Preis von rund 5 Dollar pro Test und zeigen schon nach 15-30 Minuten ein Ergebnis. Vor allem in Ländern des globalen Südens soll so eine Ausbreitung der Corona Pandemie möglichst minimiert werden.
Deutschlandfunk

Niederlande verstärkt Maßnahmen
Aufgrund der steigenden Infektionszahlen hat der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte die Corona Schutzmaßnahmen verstärkt. Für einzelne Städte wie Amsterdam, Rotterdam und Den Haag gilt eine Maskenpflicht in Geschäften, für den Rest des Landes beliebt es bei einer Empfehlung. Außerdem bittet er die Bevölkerung möglichst im Homeoffice zu arbeiten, von unnötigen Reisen abzusehen und Bars und Restaurants müssen um 22 Uhr schließen.
Deutschlandfunk

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 392.049 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 22.10.2020 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 11.287 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 30.935.026 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 20.868 Personen mehr als gestern Früh. Davon 302.100 in Deutschland (Stand: 22.10.2020 08:16 Uhr, Quelle: Worldometers).

Tipp des Tages

Selbstwirksamkeit
Ich habe es ja schon angekündigt und wir haben euch bisher verschiedene Möglichkeiten der Selbstwirksamkeit vorgestellt. Des Öfteren haben wir euch auch das Schreiben ans Herz gelegt.

Vielleicht habt ihr damit angefangen, vielleicht brauchtet ihr unsere Tipps bezüglich des Schreibens gar nicht, weil ihr schon regelmäßig eure Gedanken und Gefühle aufs Papier bringt.

Heute geht es darum, diese beiden Dinge, Selbstwirksamkeit und Schreiben zu verknüpfen. Und zwar ganz konkret. Schaut doch mal durch eure Texte, vielleicht ist dort der ein oder andere zu finden, der viel zu schade ist, um auf dem PC oder im Tagebuch zu verweilen. Vielleicht schlummern dort Zeilen, die nach draußen möchten. Wenn dem so ist, dann lasst sie uns gerne zukommen und wir teilen sie hier in der Rubrik von Mensch zu Mensch als Gastbeitrag.

Und wenn ihr auf den Geschmack gekommen seid, dann kommt gerne in unser Team und schreibt für unsere Leser*innen und für euch. Denn auch wir Redakteur*innen profitieren von der gemeinsamen Arbeit und der Wertschätzung durch euch, die diese Texte lesen. Durch die Gemeinschaft die dieses Projekt hat gedeihen und wachsen lassen.

360° | Mensch zu Mensch

Aufs Papier und auf die Straße
von Anne

Ich engagiere mich nicht nur hier, bei den angstfrei.news, sondern auch in einer Klimagerechtigkeitbewegung, den Parents for Future. Und gemeinsam mit den Schüler*innen von Fridays for Future waren wir vergangenen Freitag, beim Global Strike, auf der Straße. Diese globalen Proteste sind jedes mal eine schöne, aber auch aufreibende Sache. Sie bedeuten eine Menge Organisation und bringen somit auch eine Menge Stress und Nervenkitzel mit sich. Jetzt zu Zeiten von Corona, wo ein besonderes Konzept gefordert ist, natürlich nochmal mehr als zuvor schon.

Aber dennoch ist es das wert und tut gut. Zu sehen was junge Menschen alles mit großer Souveränität organisieren, ist bestärkend. Und auch ich selber bin daran gewachsen, habe Dinge gelernt und gemacht, die ich mir noch vor 2 Jahren nicht zugetraut hätte. Reden schreiben und vor ein paar hundert Menschen halten, Menschen und Organisationen zusammenführen und vernetzen und vieles mehr.

Und dann ist Freitag und wir Organisator*innen sammeln uns schon früh um die letzten Dinge zu besprechen und zu organisieren. Es werden Ordne*innen eingewiesen, für 3.000 angemeldete Teilnehmer*innen benötigen wir 300 Ordner*innen. Das war schon eine Herausforderung, aber wir haben es geschafft.

Im Vorfeld war die Sorge groß, dass alles doch in letzter Minute abgesagt werden muss, aufgrund von steigenden Infektionszahlen, oder weil mehr Menschen als angemeldet zur Demonstration kommen, wir nicht genügend Ordner*innen haben oder, oder, oder….

Dann ist es kurz vor zwölf, das Bühnenprogramm soll bald beginnen und alles scheint zu funktionieren. Eine Schülerin weist alle Teilnehmer*innen in die vorgegebenen Reihen ein, immer mit Abstand zueinander und Abstand zur vorderen Reihe, alle tragen Masken. Zu sehen, wie ein junger Mensch von 14 oder 15 Jahren dies mit scheinbarer Gelassenheit und großer Souveränität macht, bestärkt mich in dem Wissen, was Selbstwirksamkeit mit einem macht. Mich überkommt, neben der Aufregung die mich an diesem Tag begleitet, ein warmes und schönes Gefühl, dass richtige zu tun.

Ich stehe am Lautsprecherwagen und sehe, wie sich eine vierspurige Straße langsam mit Menschen fühlt und dann kommt auf einmal Hektik auf. Über Funk sind die Organisator*innen miteinander verbunden und so erfahren wir vorne, dass hinten noch mehr Menschen kommen und die vorgezeichneten Reihen nicht ausreichen, der Platz einfach nicht ausreicht. Auch die Polizei wird kurz ein wenig hektisch und stimmt sich über Funk ab. „Wir können nach hinten raus den Demo-Zug nicht verlängern, die Straße nicht weiter sperren, wegen der Bahn, die dort fährt.“

Und da ist sie wieder, die Sorge dass wir nun doch alles absagen müssen. Aber wie soll das kommuniziert werden, für die noch anreisenden Menschen? Die Polizei hat eine Lösung: „Wir sperren einfach die Aachener Straße und ziehen die Bühne vor.“ Genial! Also, die Auftaktkundgebung kurz unterbrechen, die Teilnehmer*innen informieren und es funktioniert. Die Menschen halten weiterhin Abstand und hinten werden die neuen Reihen schnell gefüllt. Und dann geht die Demo los. Statt der 3.000 Teilnehmer*innen sind es 10.000. Als ich diese Zahl höre bekomme ich eine Gänsehaut, die vom Friesen - bis zum Rudolfplatz reicht. Ein Schauer des Glücks fährt mir über den Rücken und ich muss eine Träne zurückhalten. Der Rest des Tages verläuft wie geplant und im Anschluss klopfen wir uns gegenseitig gedanklich und verbal auf die Schultern, für das, was wir hier auf die Beine gestellt haben, was wir an diesem Tag erreicht haben.

Und in diesen Momenten, wenn ich sehe und spüre, dass ich mit meinen Zukunftsängsten nicht alleine bin, dass wir viele sind, denen es genauso geht, bestärkt mich das. Zu sehen, dass wir eine Diskursverschiebung in die Wege geleitet haben und auch mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für dieses Thema herbeigeführt haben, tut gut. Auch wenn es in der politischen Umsetzung bisher nur kleine Schritte waren, so ist mein Glaube bestärkt, dass wir gemeinsam Dinge verändern können.

Mit dem Schreiben hier verhält es sich ganz ähnlich. Wir als Gemeinschaft von Redakteur*innen und Leser*innen können etwas bewegen. Und wenn nur ein Text, von den vielen, die ich inzwischen geschrieben habe, in einem Menschen etwas bewegt hat. Wenn er nur einem Menschen Trost oder Mitgefühl gespendet hat, eine Anregung war, oder er*sie sich verstanden, nicht alleine gefühlt hat, dann war, dann ist es das Schreiben wert.

daz - die angst zeitschrift

Dies und Das

Kinos bitten um einheitliche Regelungen
In einem offenen Brief an die Bundesregierung bitten Vertreter*innen der Kinobranche um eine bundeseinheitliche Regelung für die Abstände in Filmtheatern. Es solle ein Sitz zwischen Besuchergruppen frei gehalten werden und dann ein Besuch ohne Maske am Sitzplatz möglich sein. Der geltende Mindestabstand werde dennoch eingehalten. Der Grund für den Brief sind die geringen Auslastungen der Kinosäle unter den derzeit geltenden Bedingungen.
Deutschlandfunk

Corona belastet uns
Laut einer Umfrage hat die Corona Pandemie eine negative Auswirkung auf die psychische Verfassung vieler Menschen. Isolation und Unsicherheiten, auch wirtschaftlicher Art sind gerade bei Menschen mit psychischen Vorerkrankungen problematisch. Aber auch Menschen ohne Vorerkrankungen haben den anfänglichen Lockdown als Kontrollverlust wahrgenommen. Betroffen sind vor allem Frauen, aufgrund der Mehrfachbelastung von Job, Haushalt und Kinderbetreuung. Es wurde jedoch auch festgestellt, dass Menschen, die sich für ihre Mitmenschen engagieren, einen positiveren Blick in die Zukunft haben.
Welt

Verbringt einen schönen Tag, vielleicht habt ihr Glück und müsst nicht raus, ins nasse und kalte Herbstwetter, weil ihr im Homeoffice seid. Dann macht euch auch der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi nichts aus. Falls ihr doch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und vom Streik betroffen seid, dann habt ein Nachsehen, denn auch diese Streiks bringen Selbstwirksamkeit mit sich. Auch wenn es uns persönlich in dem Moment ärgert und in die Quere kommt.

Habt einen schönes Dienstag!

Euer angstfrei.news-Team

Gerne hören wir über das Feedbackformular von euch. Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen: Spenden und Fördermitgliedschaft bei der Deutschen Angst-Hilfe e.V.

Quellen

Corona in Zahlen (RKI) | Gesundheitsticker | Über die Landesregierung NRW sind wir außerdem an den dpa-Nachrichten-Ticker angebunden, den wir immer als Quelle verwenden, wenn wir (dpa) schreiben

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