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Geburtstag feiern | 13. März 2021

Katharina

Liebe Leser:innen!

Wahnsinn. In dieser Woche jährt sich die erste Ausgabe von angstfrei.news. Ein Geburtstag der Ambivalenz. Als (Mit)Gründerin fühle ich vor allem Dankbarkeit und vielleicht ein Quäntchen Stolz. Seit einem Jahr hat sich ein Team von Freiwilligen der Mission verschrieben, unaufgeregte Nachrichten zusammenzutragen und im Corona-Alltag (und darüber hinaus) Seele und Leben zu teilen. Wir haben eine treue Leser:innenschaft, einen inspirierenden Instagram-Account und viel Mut, uns immer wieder zu hinterfragen, um das Angebot für Euch und uns stetig besser zu machen.

Angefangen hat alles mit dem ersten Lockdown. Wie für so viele hat der uns in Planänderungen, Sorgen und Unsicherheiten gestürzt. Und Nicholas, der selber Erfahrungen mit einer Angsterkrankung und ein solides Skillset hat, dachte sich "wenn ich diese Situation schon so belastend finde, wie geht es dann anderen?!" Aus diesem Gedanken heraus ist angstfrei.news entstanden. Den fulminanten Auftakt bot ein Livestream – einer der ersten dieser Art – der mit ganz viel Liebe und ehrenamtlichen Engagement auf die Beine gestellt wurde (Verpasst? Dann hier lang! Und hier lang!). Zusammen mit einem Hau-Ruck-Kraftakt durch die DASH, einigen Ideen zur Selbstorganisation und dem "Einfach-mal-machen-Mut" entstand binnen weniger Tage ein Angebot, das viele Menschen durch eine der absurdesten Zeiten unserer Gegenwart begleitet hat. Und es bis heute tut.

Sieben Tage die Woche, zwei Mal am Tag haben wir zunächst zu fünft, später mit mehreren wundervollen Freiwilligen die Corona-Nachrichtenlage aufgearbeitet. Und mit der Zeit kam immer mehr dazu: Tipps, Seeleneinblicke, Dies und Das und schließlich das Schwarzbrot. Über mehrere Ideenprozesse, Teamveränderungen und Reflexionsrunden sind wir nun bei unserem heutigen Format angekommen: Einmal die Woche eine Magazinausgabe, in die wir viel Recherche, Herz und Leben schreiben.

Eigentlich alles gut, oder?

Wenn da nicht die Ambivalenz wäre. Nur um das klar zu machen: Die Dankbarkeit und Leidenschaft für das Projekt überwiegen bei Weitem! Aber Fakt ist auch: Die Pandemie ist noch nicht vorbei und das Jahr, das wir gemeinsam geschafft haben war für viele von uns eines der härtesten. Wir haben gezweifelt, hatten Angst waren allein, haben Menschen verloren oder Beziehungen und die Decke, das Homeschooling, das "Beste-draus-machen" und der Frust über Leugner:innen sind uns mehr als nur einmal auf den Kopf gefallen.

Das war ein verdammt hartes Jahr.

Aber wir haben es geschafft – zusammen. Und das ist ein Grund zum Feiern! Deswegen machen wir das in dieser Ausgabe mit aller Leidenschaft. Im Mensch zu Mensch lest ihr von Anne von der Ambivalenz, die in Geburtstagen steckt, Laura teilt ihre Wehmut übers Älterwerden und Tina beschreibt an Hand des angstfrei.news-Geburtstags, warum sie sich entschieden hat, ein Teil dieses Teams zu werden – obwohl oder gerade weil sie dafür auch ein paar Hürden überwinden musste. Weil man in so turbulenten Zeiten oft den Überblick verliert, beschäftigt sich das Schwarzbrot diese Woche mit dem Überprüfen von Fakten und hat dazu einen Experten eingeladen – große Leseempfehlung! Außerdem möchten wir Euch noch auf ein Gewinnspiel hinweisen: zur Feier des Jahres verlosen wir Bücher mit unseren best of Mensch zu Mensch -Texten. Wie? Das lest ihr im Dies & Das und auf Instagram.

Ein paar Worte in eigener Sache

Als ich dieses Projekt im letzten Jahr mit ins Leben rufen durfte, morgens um fünf Uhr aufgestanden bin und im Sonnenaufgang auf einer Münsteraner Fensterbank Nachrichten geschrieben habe, da hatte ich das Gefühl, in dieser absurden Zeit etwas tun zu können, um zu helfen. Und mit der Zeit – vor allem aber mit dem wundervollen Team – hat das Projekt angefangen, mir zu helfen. Mein 18. März 2020 (der Tag der ersten Ausgabe dieses Projektes) hat mit meinem 18. März 2021 nicht mehr viel gemeinsam. Stillstand hat noch nie so viel Veränderung mit sich gebracht, wie in diesem Jahr. Angstfrei.news ist geblieben, zwingt mich immer wieder liebevoll, mich zu reflektieren und erinnert mich daran, dass Menschen, die mit Leidenschaft gemeinsam für eine gute Idee brennen, Berge versetzen können – auch und gerade dann, wenn sie mal schwach und verletzlich sind. Hauptsache, wir packen gemeinsam an. Dann wird sich jeder noch so klotzige Berg schon bewegen.

In diesem Sinne gilt der unermessliche Dank heute jedem und jeder Einzelnen, die oder der im letzten Jahr mal kurz, mal länger aus München, Münster, Berlin oder Kolumbien Zeilen, Gedanken und Zeit gespendet hat. Danke an das Team der DASH für die Liebe, das Vertrauen und die Technische Finesse. Und Danke an alle, die in Zukunft noch zu uns stoßen. Du zum Beispiel! Wir sind ein toller Haufen und du passt sicher hervorragend dazu. Wir freuen uns auf Dich!

Jetzt aber erstmal eine schöne Lektüre und eine wundervolle Woche.

Katharina

Und das Team von angstfrei.news

Übrigens nehmen wir unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wenn Du Zeit, Lust und Interesse hast auch mal in unserer Redaktion mitzumischen, dann schreib uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder eine kurze E-Mail an angstfrei.news@gmail.com Wir würden uns mega über Dich freuen. Und gebt uns bitte auch ein kurzes Feedback zu dieser Ausgabe - das wär echt hilfreich und sehr nett.

Die gute Nachrichten der Woche

Gute Nachricht: 3% weniger Sterbefälle im Feburar 2021

Im Februar 2021 sind weniger Menschen gestorben als in den Jahren 2017 bis 2020. Insgesamt liegt die Zahl drei Prozent unterhalb der vergangenen Jahre. Die Übersterblichkeit zeigt in allen Bundesländern Werte unter 30%. Auch die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer COVID-19 Erkrankung geht nach Angaben des Robert-Koch-Instituts langsam zurück.

Statista (Pressemitteilung)

Schwarzbrot - Interview Faktenchecker AFP

Tim

Richtigstellung: In einer früheren Version des Artikels über den AstraZeneca-Impfstoff vom 20.02.21 stand, dass der Impfstoff nicht in den Zellkern gelangt. Das ist falsch. Wir haben den betreffenden Teil geändert und um einen erklärenden Absatz ergänzt. Wir bitten für den Fehler um Entschuldigung.

„Wir können nur aufräumen“

Seit September 2020 hat die französisch-staatliche Nachrichtenagentur AFP ihre Faktencheckabteilung auch für den deutschsprachigen Raum ausgebaut. Jan Russezki (30) ist einer von drei Journalist:innen, die hier für AFP Falschmeldungen auf der Spur sind. Doch wie arbeiten die Faktenchecker:innen? Wie erkennt man Falschmeldungen? Und warum schaffen es manche bis in die Regierungserklärung von Markus Söder?

angstfrei.news: Jan, gab es schon mal eine Meldung, die du selbst geglaubt hast, die sich aber hinterher als falsch herausstellte?

Jan: „Oh Gott, da muss ich mal überlegen. Ich habe da keine Konkrete im Kopf. Aber es passiert immer mal wieder, dass man Falschmeldungen glauben möchte, weil sie so gut ins Bild passen würden oder weil sie viel mehr sehr realistisch wirken. Insbesondere, wenn sie einen selbst stark aufwühlen, lohnt es sich einen Schritt zurückzutreten.“

angstfrei.news: Wie erkennt ihr denn Falschmeldungen?

Jan: „Wir als Faktenchecker schauen nicht auf Meinungen oder Bewertungen, sondern konzentrieren uns voll und ganz auf widerlegbare Fakten. Bei Falschmeldungen wird typischerweise viel mit Zahlen und Studien jongliert, sodass die Meldung erstmal belegt wirkt. Ein erster Schritt ist zu schauen, ob die Zahlen überhaupt stimmen und wer die Quelle ist. Ist diese denn seriös oder schon bekannt dafür, Falschmeldungen zu verbreiten? Zudem schauen wir uns die Sprache der Meldung an: Ist diese tendenziös, alarmierend oder emotional geschrieben? Gibt es vielleicht Feindbilder wie ‘Die da oben’? Vertrauenswürdige Nachrichten sind meistens nüchtern geschrieben.“

angstfrei.news:: Nun ist das Internet ja voll mit Falschmeldungen. Wie wählt ihr aus, was ihr euch genauer anguckt?

Jan: „Wir suchen nach verschieden Kriterien aus: Erstens haben wir haben Tools um besonders reichweitenstarke Meldungen in den sozialen Medien zu erkennen. Falschmeldungen fallen oft durch eine extreme Verbreitung auf. Zweitens schauen wir uns die Relevanz an. Behauptete Todesfälle in Folge von Impfungen sind natürlich wichtiger als irgendwelche Prominachrichten. Drittens wählen wir nach Widerlegbarkeit aus. Gibt es in der Meldung Fakten, die man grundsätzlich widerlegen kann oder ist es eigentlich die Bewertung oder Meinung des Autors? Ohne widerlegbare Fakten machen wir keinen Faktencheck.“

angstfrei.news: Welche Medien beobachtet ihr hinsichtlich von Falschmeldungen?

Jan: „Wir sind auf den klassischen sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter unterwegs aber auch bei Messengerdiensten, wie WhatsApp und Telegram. Dort versuchen wir auch in die unterschiedlichsten Gruppen hineinzukommen, um möglichst viel abzudecken und mitzubekommen, was an Falschmeldungen kursiert. Es gibt aber auch Blogs, die dafür bekannt sind, Falsches zu verbreiten.“

angstfrei.news: Wenn ihr eine reichweitenstarke, relevante Falschmeldung mit widerlegbaren Fakten identifiziert habt – Was ist dann der nächste Schritt?

Jan: „Wir prüfen die Quellen, Zahlen und Fakten einer Meldung. Zum Beispiel gibt es manchmal einen Link oder ein Zitat, das als Beleg verwendet wird. Wir gucken dann, ob das Original das Behauptete tatsächlich belegt. Falls Nein, suchen wir zusätzlich noch nach weiteren Quellen und Experten, die eine Behauptung noch einmal neutral einschätzen können, selbst wenn diese keine eigenen Belege mehr hat. Es gilt das Zwei-Quellen-Prinzip: Die ‚Gegenseite‘ muss also von mindestens zwei unabhängigen Quellen belegt sein.“

angstfrei.news: Was macht ihr dann mit den Infos?

Jan: „Wir schreiben die gesammelten Informationen nüchtern und neutral auf. Jede Info versuchen wir, mit zugänglichen Quellen zu belegen. Jeder User soll nachprüfen können, wie wir zu unserer Info gekommen sind. Bei Auskünften von Experten, die nicht so einfach zugänglich gemacht werden können, verweisen wir auf die Person.

Besonders schwierig ist es immer komplexe Themen einfach herunterzubrechen – also was ist der Kern der Meldung und was eher Beiwerk. Wenn der Faktencheck dann steht, wird dieser von einem anderen Kollegen redigiert. Dabei gehen wir in so einen ‚Red-Team-Blue-Team-Modus‘. So fragen wir uns aus verschiedenen Perspektiven, wo ist der Text angreifbar oder wo gibt es Lücken? Entsprechend wird der Text immer weiter ausgebessert und schließlich veröffentlicht.“

angstfrei.news: Wo wird der dann veröffentlicht?

Jan: „Auf dem Blog von AFP. Wir arbeiten mit Facebook zusammen: Die nutzen unsere Artikel um Falschmeldungen auf Facebook zu markieren: Da legt sich über den Post dann eine Maske drüber, die auf den irreführenden oder falschen Inhalt hinweist. Nutzer können unseren Faktencheck dazu nachlesen, der dort direkt verlinkt ist. Die Falschmeldung selbst bleibt aber auch weiterhin lesbar, ihre Verbreitung durch den Algorithmus wird aber reduziert.”

angstfrei.news: Im deutschsprachigen Raum seit ihr jetzt drei Redakteur:innen, in Europa beschäftigt AFP etwa 30 Faktenchecker:innen und weltweit sind es knapp 100. Wie viele Falschmeldungen schafft ihr denn täglich zu bearbeiten?

Jan: „Das ist stark abhängig von Qualität der Falschmeldung. Für manche brauchen wir nur drei Klicks – zum Beispiel bei Fotos, die Bundeskanzlerin Merkel mit anderen Politikern beim Feiern ohne Maske zeigen. Hier offenbart die Rückwärtsbildersuche schnell, wenn die Aufnahmen vor der Pandemie gemacht wurden. Es gibt aber auch sehr aufwendige Videos mit vielen Behauptungen wo sich die Recherche über ein oder zwei Wochen ziehen kann. Unsere Zielmarke ist zu dritt jeden Tag einen Faktencheck zu schaffen.“

angstfrei.news: Was können Nutzer:innen tun, die jetzt keine Profis im Faktencheck sind?

Jan: „Einfach mal die eventuell fragwürdige Meldung googlen. Haben auch schon andere, seriöse Medien darüber berichtet? Zudem sollte man sich fragen: Ist das plausibel? Was ist die Quelle? Aber googlen hilft schon in den allermeisten Situationen.“

angstfrei.news: Journalist:innen wurden lange Zeit als Gatekeeper bezeichnet, weil sie den Fluss von Informationen regulierten. Wie sieht diese Rolle in der Pandemie aus?

Jan: „Wir als Faktenchecker können eigentlich nur noch aufräumen. Gatekeeping machen wir gar nicht mehr, weil jeder ja alles posten und verbreiten kann. Wir reagieren mit unseren Faktenchecks nur noch auf die Agenda, die die Nutzer vorgeben. Bei der gedruckten Tageszeitung [Anmerkung d. Red.: Jan hat vorher für die Märkische Allgemeine Zeitung, eine Brandenburger Regionalzeitung gearbeitet] hingegen schon – da wählt man noch als Journalist seine Themen aus. Aber Zeitungen sind auch nur ein Teil der Medienlandschaft. Entsprechend gibt es zwar noch die Funktion aber nicht mehr so stark.”

angstfrei.news: Ist es problematisch, dass diese Rolle mehr und mehr verloren geht?

Jan: „Auf der einen Seite kann man sich viel breiter informieren, mit Infos die für einen persönlich wichtig sind, obwohl sie nicht die breite Masse betreffen – und so vielleicht von manchem Journalisten nicht aufgenommen wurden. Auf der anderen Seite fehlt vielen Menschen die Medienkompetenz, um vertrauenswürdige Nachrichten von Falschmeldungen zu unterscheiden. Unglücklicherweise erkennen viele Menschen erstmal nicht, dass ihnen die notwendige Medienkompetenz fehlt.“

angstfrei.news: Euer Team hat sich erst im letzten September gefunden – aber wie hat sich die Arbeit in dieser Zeit verändert?

Jan: „Wir sind sehr stark mit medizinischen Themen eingestiegen. Zudem haben wir im letzten halben Jahr gemerkt, dass andere Messengerdienste wie Telegram immer relevanter werden. Die Orte an denen Falschmeldungen verbreitet werden, verschieben sich. Außerdem ist uns aufgefallen, dass die Themen natürlich dem Nachrichtentrend folgen: Erst waren es die PCR-Tests, jetzt die Impfungen.“

angstfrei.news: Was war die bisher skurrilste Falschmeldung, die dir zu Corona unter die Augen gekommen ist?

Jan: „Ein bayerischer Arzt mit kleiner Praxis hatte die Pandemie für beendet erklärt – Anfang Dezember. Bei ihm galt dann keine Maskenpflicht mehr. Als er dafür immer mehr Aufmerksamkeit bekam, hat er behauptet hat, dass das Schild nur für einen Filmdreh an seiner Praxistür angebracht worden sei. Am Ende hatte sogar Bayerns Ministerpräsident Markus Söder den Fall in einer Regierungserklärung kritisiert. Faszinierender als die Falschmeldungen selbst, finde ich aber öfter die Personen, die sie verbreiten. Mein persönlicher Höhepunkt ist hier ein Aura-Chirurg gewesen – der Mann behandelt die Aura von Menschen indem er OP-Besteck in den Händen hält, seine Patienten damit aber nicht berührt.“

angstfrei.news: Danke für das Interview Jan.

Disclaimer: Da das Interview über die Vermittlung durch eine gemeinsame Freundin entstand, ist es im persönlichen Du gehalten worden. Jan hat im generischen Maskulinum geantwortet.

In dieser Rubrik möchten wir etwas tiefer in die Nachrichtenlage der Woche einsteigen. Mal eher hintergründig, mal eher serviceorientiert recherchieren wir für euch selbst, statt wie im darunter folgenden Nachrichtenblock Nachrichten auszuwählen und in eine angstfreie Sprache zu übersetzen. Wir hoffen, es mundet euch.

Nachrichten

angstfrei.news ist gestartet als ein Projekt, das unaufgeregt die Neuigkeiten des Tages - jetzt der Woche - zusammenfasst. Ihr habt uns bestärkt, dass dieser Service wichtig ist, daher bleiben wir ihm treu für all jene, denen die Flut an Nachrichten zu viel wird. Deswegen fassen wir hier für euch die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in der vergangenen Woche zusammen.

Inland

Bund und Länder befürworten Impfungen durch Hausärzt:innen ab April
Hausärzt:innen sollen ab April gegen COVID-19 impfen. Darauf hat sich die Gesundheitsminster:innenkonferenz von Bund und Ländern geeinigt. Basierend auf dieser Empfehlung soll ein bundeseinheitliches Vorgehen geplant werden. Trotzdem sind noch Fragen offen.

Beispielsweise ist unklar, ob der Termin eingehalten werden kann, da erst kurz vor der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 22. März darüber entschieden wird. So scheint ein Beginn ab Mitte April wahrscheinlicher. Außerdem ist fraglich, ob genügend Impfstoff verfügbar sein wird, um diesen auf die Impfzentren und zusätzlich auf die Praxen zu verteilen. Regierungssprecher Steffen Seibert beteuert hingegen, dass dies machbar sei, da ab April deutlich mehr Vakzine nach Deutschland geliefert werden sollen.

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hält es für möglich, dass alle Erwachsenen bis Juni eine Erstimpfung erhalten haben werden und bis Mitte August vollständig geimpft seien. Gleichzeitig geht er davon aus, dass Impfungen durch Hausärzt:innen erst ab Mai vorstellbar seien. Regionale Impfzentren sollen weiterhin bestehen bleiben.
Tagesschau
DER SPIEGEL

Selbst- und Schnelltests: Kritik und offene Fragen
Die seit kurzem frei verkäuflichen COVID-19-Selbst- und Schnelltests sind vielerorts schon wieder ausverkauft. Dies gaben Drogeriemärkte und Discounter bekannt, bei denen auch die Online-Shops teilweise überlastet waren. Allerdings werde „in Kürze“ wieder Nachschub erwartet, so etwa LIDL.

Seit vergangenem Montag (8. März) hat jede:r in Deutschland das Recht auf einen kostenlosen, von Fachpersonal durchgeführten, Schnelltest pro Woche. Diese sind allerdings leider noch nicht flächendeckend verfügbar. Auch mangelt es an einer guten Organisation der Schnelltests, die in Testzentren und Apotheken durchgeführt werden sollen. Apothekerverbands-Präsidentin Overwiening mahnte zur Geduld, kritisierte die Unklarheiten im Konzept und regte eine Terminvergabe an.

Zeitgleich reagierten Bund und Länder auf die Kritik mit einem Streit über Zuständigkeiten bei der Test-Bereitstellung. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) stellte klar, dass nie verabredet worden sei, „dass der Bund für die Länder Schnelltests bestellt“. Grünen-Chefin Baerbock beklagte ein „Wegducken vor Verantwortung“ seitens der Bundesregierung. Diese hätte längst „eine Teststrategie vorlegen und viele Millionen Tests kaufen können“. Auch CSU-Generalsekretär Blume beklagte, dass „zu spät, zu langsam, zu wenig bestellt“ worden sei. Einige Firmen haben aufgrund der langsamen Organisation bereits selbst Testzentren eingerichtet.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) hat unterdessen Unternehmen dazu aufgefordert, die Präsenz-Belegschaft zu testen. Wirtschaftsverbände haben mit einer entsprechenden Selbstverpflichtung ihre Zustimmung signalisiert.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bietet auf seiner Website einen Überblick über Antigen-Tests, die zur Eigenanwendung durch Laien zugelassen sind. Die Website wird halbstündlich aktualisiert.
DER SPIEGEL (mit Grafik: „Wann gibt es neue Corona-Selbsttests“ bei Discountern und Drogeriemärkten)
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Tests zur Eigenanwendung durch Laien)
Tagesschau (Selbstverpflichtung Wirtschaftsverbände)
Tagesschau (Mangelnde Organisation)
Tagesschau (Firmen organisieren Schnelltests)
Tagesschau (Ansturm auf Selbsttests)

Soziale Ungleichheit verschärft sich durch Corona-Pandemie
Die soziale Ungleichheit verschärft sich durch die Corona-Pandemie. Jede:r Fünfte hat mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen - so der Bericht des Wissenschaftszentrums für Sozialforschung Berlin. Die Befragungen von März bis Juli 2020 zeigten, dass sich vor allem die finanziellen Probleme von Alleinerziehenden verstärkt haben. Menschen mit niedrigerem Einkommen seien häufiger von ihrer Tätigkeit freigestellt worden und hätten weniger im Homeoffice arbeiten können, als Gutverdiener:innen. Im Vergleich der verschiedenen Berufsgruppen berichteten vor allem Selbstständige besonders häufig über Geldprobleme.

Zusätzlich berechnete das Statistische Bundesamt für das Jahr 2020 den sogenannten ,,Gender Pay Gap’’ , die geschlechtsspezifische Lohnlücke: Bezogen auf Ihren Bruttoverdienst erhielten Frauen demnach 18 Prozent weniger Lohn als Männer. Auch bei gleicher Qualifikation klafft hier immer noch eine Lücke von sechs Prozent zugunsten der Männer.
Tagesschau
Tagesschau

Ausland

Impfstoff-Zulassung für Johnson & Johnson
Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist in der EU genehmigt. So entschied am Donnerstag (11.3) die EU-Kommission auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA). EMA-Chefin Cooke begründete ihre Empfehlung u.a. damit, dass nur eine Impfdosis für ausreichenden Impfschutz sorgt. Außerdem überzeugte sie, dass der Vektor-Impfstoff bei normalen Kühlschrank-Temperaturen gelagert wird sowie die Wirksamkeit.

Der Pharmakonzern hat in einer weltweiten Untersuchung mit ca. 44.000 Teilnehmer:innen eine Wirksamkeit von 66% gegen mittelschwere bis schwere COVID-19-Verläufe festgestellt. Zwei Wochen nach der Impfung war das Vakzin zu 85% wirksam und nach 28 Tagen zu 100%.

CDU-Gesundheitsexperte und Europaabgeordneter Liese befürchtet, dass die Lieferung der 200 Mio. Impfdosen für die EU verzögert abläuft. Grund dafür ist u.a., dass der Impfstoff in den USA abgefüllt wird, wo ein Exportstopp für Corona-Impfstoffe besteht. Der Pharmakonzern hat jedoch erklärt, ab April liefern zu wollen.

Der Johnson & Johnson-Impfstoff ist das vierte Vakzin, das europaweit zugelassen wird. Die finale Zulassung durch die EU-Kommission ist nur noch Formsache. Anfang März hat die EMA auch mit der Prüfung des russischen Impfstoffs Sputnik-V begonnen, der offenbar zu 91% wirksam ist. Wann die EU-Zulassung erfolgen könnte, ist noch nicht abzusehen.
Tagesschau (EMA-Empfehlung)
ZDF (Infos zu Vektor-Impfstoffen und Zulassungsverfahren)
Tagesschau (Sputnik-Zulassung)

USA: 1,6 Billionen Euro Hilfspaket in Kraft
Der US-Kongress verabschiedete ein weiteres Corona-Hilfspaket. Die Mehrheit der Demokrat:innen stimmte für das umgerechnet über 1,6 Billionen Euro schwere Gesetz, welches durch die Unterschrift von Präsident Joe Biden am Freitag, 12.3., in Kraft tritt. Der so genannte “Amerikanische Rettungsplan” beinhaltet u.a. Schecks für bedürftige Bürger:innen über 1400 Dollar, eine Verlängerung des Arbeitslosengeldes bis September und Steuererleichterungen für Familien mit Kindern und Geringverdiener:innen.

Weitere Gelder sollen in die Ausweitung von Impfungen und Test fließen. Ab 1. Mai soll jedem Erwachsenen ein Impfangebot gemacht werden. Den Amerikanischen Unabhängigkeitstag am 4. Juli könnte man dann wieder mit Freunden und Familie verbringen, hofft Biden.
Tagesschau

Sport

Olympia: Mutmaßlich Ausschluss ausländischer Zuschauer:innen
Die japanische Regierung soll den Ausschluss von ausländischen Olympia-Zuschauer:innen in Tokio beschlossen haben. Dies berichteten mehrere Nachrichtendienste, darunter auch die drittgrößte japanische Tageszeitung ,,Mainichi’’, allerdings ohne die Angabe konkreter Quellen. Den Berichten zufolge wolle die japanische Regierung mit diesem Beschluss eine Verbreitung des Coronavirus verhindern. Die für 2020 geplanten Spiele in Tokio wurden wegen der Corona-Pandemie auf Juli 2021 verschoben. Offen ist auch noch, ob, beziehungsweise wie viele, japanische Fans die Spiele in den Stadien verfolgen dürfen.
Sportschau
DER SPIEGEL

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 2.581.329 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 16.03.2021 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 5.480 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 97.817.872 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 393.198 Personen mehr als gestern Früh. Davon 2.383.600 in Deutschland (Stand: 17.03.2021 06:29 Uhr, Quelle: Worldometers).

Von Mensch zu Mensch

Geburtstage feiern, die einen lieben es, die anderen versuchen es zu vermeiden, manch eine:r tut es aus einer, nennen wir es Tradition heraus. Denn ein Geburtstag führt uns immer auch vor Augen, dass wir älter werden und wie schnell die Zeit vergeht. Somit ist es wenig überraschend, wie vielfältig und unterschiedlich unsere Blicke auf dieses Thema sind.

'Cause the years are falling by like the rain*
Anne

Geburtstage als Kind waren toll. Lange hat man darauf hin gefiebert und sich gefreut, auf die Feier mit der Familie und erst recht auf die Feier mit Freundinnen. Jede höhere Zahl auf der Torte war ein Synonym, für alles, was wir in diesem Jahr gelernt hatten, für die Zentimeter, die wir gewachsen sind. Die realen, aber auch im übertragenen Sinne. Wir konnten mehr, wir dürften mehr. Als Jugendliche:r war es ein Altern in Richtung Freiheit. Man konnte es kaum erwarten 16 zu werden, und endlich in der Disko nach dem Ausweis gefragt zu werden, wo wir noch Tage oder Wochen vorher in der Schlange standen und nur hoffen konnten, dass eben das nicht eintraf.

Die Schritte, die Kinder in jedem Jahr lernen sind enorm, schaut man nur auf ein Neugeborenes. Wie dieses kleine hilflosen Geschöpf lernt, den Kopf zu heben, lernt, sich fortzubewegen, ob auf allen Vieren oder sogar schon auf den eigenen Füßen. Das alles in nur einem Jahr, das muss natürlich gefeiert werden.

Gefühlt werden die Entwicklungssprünge innerhalb eines Jahres, je älter wir werden, geringer. Was wir als Jugendliche, als junge Erwachsene, in einem Jahr an persönlichen Entwicklungssprüngen gemacht haben, was wir erlebt haben. Gefühlt waren es Dekaden, die sich in einem Jahr vollzogen. Und diese Zeit schien doch erst gestern gewesen zu sein, ein Gestern, welches jetzt 20 Jahre zurückliegt. Die schräge Relativitätder Zeit, oder ist es nur mein Erinnerungspuzzle, welches schräg zusammengesetzt ist, hier und da geschönt, hier und da Momente groß hervorgehoben, die es gar nicht waren.

'Cause the years are falling by like the rain

And it's never gonna be the same

Was habe ich schon im vergangenen Jahr gelernt? Die großen Wegmarken bleiben aus. Scheinbar. Wenn ich zurückschaue, was seit letztem März passiert ist und was ich gelernt habe, dann muss ich doch ein wenig länger überlegen. Aber sie sind da, die vielen kleinen Kleinigkeiten. Und ein wichtiger Bestandteil dessen, was mich hat wachsen lassen, sind die angstfrei.news.

Ich habe den Mut aufgebracht (und ja, Mut war nötig) mich zu melden und anzubieten im Team mitzuarbeiten. Aber warum sollten meine Gedanken, meine Texte für irgendwen interessant sein? Wer will das denn lesen? Habe ich überhaupt etwas zu sagen/ zu schreiben? Und vor allen Dinge, kann ich das überhaupt? So wirklich beantwortet sind diese Fragen bis heute nicht, aber sie sind in den Hintergrund getreten und einem guten Gefühl, was mir die Mitarbeit gibt, gewichen.

Ein Sprung ins kalte Wasser, damals, als ich, ganz aufgeregt, das erste mal an einer Ausgabe mitgeschrieben habe, ist zur Routine geworden. Eine gute Routine, die eine Vorfreude auf das neue Thema und die neue Ausgabe mit sich bringt.

So, und nu. Ein Jahr angstfrei.news. Es schwingt Stolz mit, Stolz Teil dessen geworden zu sein, von Leserin zur Redakteurin. Aber es ist auch ein bittersüßes Gefühl, wenn man überlegt, was der Startschuss für diesen Nachrichtenblog war und immer noch Grund für unsere wöchentlichen Ausgaben ist. Nichts wäre mir lieber, als dass dieses Magazin irrelevant wäre, weil es Corona nicht mehr gibt. Ist nicht so. Corona ist noch da und wird uns wohl auch noch ein wenig begleiten. Aber keine angstfrei.news, der Gedanke ist so absurd, wie vor anderthalb Jahren noch der Gedanke an eine weltweite Pandemie. Ein „freier“ Freitag Abend? Was soll man denn da machen? Ich würde vieles vermissen. Das Schreiben. Die Menschen, die ich nur durch und über das Schreiben kennenlernen durfte, wenn auch nur virtuell.

Bevor ich mich in Gedanken und Ambivalenzen verstricke, sage ich doch lieber Happy Birthday zum ersten Kindergeburtstag angstfrei.news. Ich tue jetzt mal, was man an einem Geburtstag so tut. Ich backe einen Kuchen und suche ein Kerzchen raus. Auch wenn ich ihn alleine essen muss und eine Feier ausbleibt. Vielleicht schick ich den Kolleginnen ein Foto, um so doch auf Distanz gemeinsam den Tag zu feiern. Ich hoffe, wir holen das irgendwann nach, ohne Distanz, mit viel Kuchen, in real life.

Danke, dass ich Teil sein darf. Danke ans Team und vor allem, Danke euch Leser:innen.

* 'Cause the years are falling by like the rain
And it's never gonna be the same
Oasis - Hello

Wie sich Geburtstage, nicht nur in der Ausgestaltung der Feiern, im Laufe der Jahre verändern. Weil auch wir uns verändern, weil wir wachsen. Und weil auch ein bisschen Wehmut aufkommt, mit dem Alter und über das älter werden. Von diesem Rundblick gehts nun zu Lauras persönlicher kleiner Geburtstagsfeier, die einige Emotionen hervorruft, die so nicht geplant waren.

Geburtstag am Meer …
Laura

Letztes Jahr wurde ich 31. Ich habe vor vielen Jahren mal gesagt, ich feiere meine Geburtstage so lange bis ich 30 werde, danach wird es keine großen Feiern mehr geben.

Jeden Geburtstag habe ich bis dato groß gefeiert. Ich habe im Sommer Geburtstag und meine Eltern haben eine schöne Terrasse, auf welcher die Partys immer stattfanden. Sie waren immer toll, alle meine Freunde waren da und wir hatten eine Menge Spaß. Es war stets ein großes Event, das meist auch unter verschiedenen Mottos stand, von Fullmoon-Neon Party über Irish Pub Nights war einiges dabei.

Ich liebe das Meer. Letztes Jahr wurde ich 31 und habe, wie angekündigt, entschieden, dieses Jahr wird es keine große Feier geben, sondern ich werde meinen Geburtstag etwas anders feiern und zwar mit meiner Freundin am Meer. Es war schon immer ein Traum von mir und diesen erfüllte ich mir im letzten Jahr. Seit 31 Jahren war stets schönes Wetter an meinem Geburtstag, so auch im letzten Jahr. Es schien alles perfekt, die Sonne strahlte, ich war mit meiner Freundin am Meer, musste nicht arbeiten und konnte entspannen. Für den Abend reservierten wir, schon einige Zeit im Voraus, in einem sehr hippen Strandrestaurant, auf das ich mich so wahnsinnig freute.

Oftmals sind Geburtstage auch irgendwie emotional und ich werde oftmals sentimental. Ich habe Angst älter zu werden, Angst, was zu verpassen, Angst, nicht die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. Doch, wie so üblich für mich, halte ich diese belastenden Gefühle so gut wie möglich im Zaum. Ich wollte an diesem tollen, sonnigen Tag am Meer kein Trübsal blasen und strengte mich an, ausschließlich positive Emotionen zuzulassen.

Als wir nun am Abend in der Schlange des wundervollen Strandrestaurants standen, bemerkte ich meine innerliche Unruhe. Mir war ganz heiß, was ich zunächst auf das Wetter schob und ich wurde ganz zittrig. Nach einigen Minuten Warten wurden wir dann zu unserem Platz geführt. Wir hatten einen Platz draußen, sodass wir dem Sonnenuntergang am Meer zusehen konnten. Was wie ein absoluter Traum klingt, wurde sobald zu meinem persönlichen Albtraum. Meine Unruhe wollte nicht schwinden. Das Restaurant befand sich mitten am Strand, weshalb der Boden aus zusammen genagelten Brettern bestand, auf denen man jeden Schritt bemerkte. Ich fühlte mich überreizt, die vielen Menschen, die Musik, die durch den Lautsprecher direkt über mir sehr laut ertönte, jede Bewegung, jeden Schritt der Angestellten und anderen Gäste spürte ich im ganzen Körper, als trampelten sie auf mir herum. Eine Welle, wie ich sie auch im Meer gegenüber beobachten konnte, stieg in mir auf. Eine Welle der Panik, eine Welle von Traurigkeit, der Angst.

Ich kämpfte dagegen an, ich wollte diesen tollen Tag und meinen Traum vom Geburtstag am Meer eben nicht so in Erinnerung behalten. Doch wie ich selbst auch schon in anderen Beiträgen schrieb, je mehr und krampfhafter man versucht negative Emotionen zu unterdrücken, desto stärker werden sie. Man kann sie im Prinzip nicht aufhalten, die Welle der Emotionen, genauso wenig wie eine riesige Welle im Meer.

Ich hatte Angst vor dieser Welle. Ich konnte mein bestelltes Essen kaum zu mir nehmen und keinen klaren Gedanken fassen, mein Kopf drehte sich und meine Gedanken rasten wie wild. Ich fühlte mich als würde ich den Verstand und all die Kontrolle über mich verlieren. Doch ich wollte den Abend nicht versauen, ich wollte nicht, dass es so kommt, wie es kam.

Ich hielt es mehr oder weniger aus, bis meine Freundin fertig mit Essen war und ich eine Flasche Wasser getrunken hatte, das einzige was mich in diesem Moment hielt. Wir verließen das Restaurant zügig entgegen des ursprünglichen Plans, den Abend am Strand, am Meer mit Sonnenuntergang zu genießen und gingen zurück zum Hotel, wo die Welle brach.

Ich weinte wie verrückt und konnte es nicht mehr aufhalten. Die Gefühle der Freude, der Angst, der Traurigkeit vermischten sich und überkamen mich.

So hatte ich mir den Abend von meinem 31. Geburtstag am Meer nun wirklich nicht vorgestellt. Ich wollte um Biegen und Brechen dass dieser Tag, mein Geburtstag am Meer, besonders toll wird und habe mit aller Kraft versucht, die Welle zu stoppen.

Doch das Meer, wie auch unterdrückte Gefühle, sind kraftvoll und mächtig.

Mir kam ein Gedanke und ein Zitat in den Sinn, welches ich gelernt habe :

„Can´t stop the wave but learn how to surf“ , ich kann die Welle nicht aufhalten, ich kann aber lernen auf ihr zu surfen.

Akzeptanz und das Zulassen der auch negativ konnotierten Gefühle, sind hierbei mein Surfbrett, was mir weiterhin hilft, das Meer zu lieben und mich nicht von einer Welle von Emotionen in den Abgrund ziehen zu lassen, sondern ihr entgegen zu schwimmen, die Luft kurz anzuhalten, inne zu halten, um dann auf ihr zu stehen.

Denn Wellen machen das Meer doch erst so richtig lebendig und wenn man die große Angst vor ihnen verliert, dann sieht man auch wieder die guten Seiten und freudigen Momente die uns das Meer und somit auch das Leben schenkt.

Mein kleines Tattoo am Handgelenk, eine Welle, soll mich daran erinnern.

Während Laura uns von einem Geburtstag erzählt hat, der ihr noch gut in Erinnerung blieb, berichtet Tina angesichts des Geburtstags von angstfrei.news über ihren Entschluss, unser Team zu bereichern. Welche inneren Hemmschwellen sie dafür überwand? Lest selbst.

Happy Birthday angstfrei.news
Tina

Als ich vor sechs Monaten meinen Instagram Account eröffnete, dachte ich nicht im Traum daran, dass ich mal ein Mitglied von angstfrei.news sein würde. Meinen Insta Account nutze ich, um die Angststörung Agoraphobie publik zu machen, weil ich denke, dass viele Menschen darunter leiden. Und da mein Schamgefühl aufgrund meiner Ängste bisher immens hoch war, wollte ich endlich der Welt zeigen, dass ich zu meiner Angst stehe. Damit mein Versteckspiel endlich mal ein Ende hat. Ich möchte angstgeplagte Menschen ermutigen, an sich zu glauben und niemals aufzugeben. Ihnen zeigen, dass sie nicht alleine mit dieser Krankheit sind.

In Folge dessen begab ich mich neugierig und mit jeder Menge Erfahrung im Gepäck, auf den Weg. Ich erhoffte mir, interessante und faszinierende Persönlichkeiten kennenzulernen, die das gleiche oder ein ähnliches Schicksal teilten.

Nach ziemlich kurzer Zeit schrieb mich eine Redakteurin von angstfrei.news an und fragte, ob ich Lust hätte, in ihr Team zu kommen. Sie erklärte mir die Bedeutsamkeit und die Botschaft der Deutschen Angsthilfe. Ich war direkt Feuer und Flamme. Denn damit hatte ich nicht gerechnet.

Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor etlichen Jahren in einer Gesprächstherapie saß und die Therapeutin meinte, dass ich die Voraussetzung hätte, eine Selbsthilfegruppe zu gründen. Ich bin vor Schreck fast vom Sessel gefallen. Denn das traute ich mir nicht zu. Doch sie meinte, dass ich so viele Erfahrungswerte besitze, dass es schade wäre, diese nicht an andere Angstpatient:innen weiter zu geben. Aber dafür war ich nicht nur zu feige, ich traute mir auch den organisatorischen Aufbau einer Selbsthilfegruppe nicht zu. Stattdessen entdeckte ich meine Leidenschaft zum Schreiben und begann meine Angstgeschichte zu verfassen.

Also genau die Voraussetzung, um dem Team von Angstfrei.news beizutreten. Inzwischen gehöre ich zum festen Stamm. Hier ist es, wie in einer kleinen Familie. Keiner braucht sich für sein Päckchen, dass er auf seinem Rücken trägt, zu genieren.

Jeder kann die up and downs aus seinem Leben öffentlich niederschreiben und andere daran teilhaben lassen. Ich finde, dass ermutigt erheblich.

Ein Teil von angstfrei.news zu sein, finde ich sehr nice. Denn es stärkt mein Selbstbewusstsein und mein Selbstwertgefühl. Hier fühle ich mich verstanden, gebraucht und geschätzt. Und es bestärkt mich, zu sehen, dass man nicht alleine mit seinen Ängsten und Nöten ist.

Zwar habe ich nicht meine eigene Selbsthilfegruppe gegründet, aber dafür bin ich ein Teil der Deutschen Angsthilfe. Meiner kleinen online Familie.

Ich wünsche angstfrei.news noch viele weitere schöne, erfolgreiche und spannende Jahre. Und es erfüllt mich mit Demut, ein Teil davon sein zu dürfen. Dankeschön und ganz viele Bussis. Natürlich auch an unsere lieben Leser:innen.

Danke, thank you, grazie, merci, gracias ...

Tipps der Woche

Schwelgen - zum Beispiel im Archiv!
Kennt ihr das, wenn man Geburtstag hat, da muss man sich die Geschichte über die eigene Geburt anhören…? Das mag beim ersten oder zweiten Mal verstörend, dann interessant und irgendwann eine liebgewonnene Tradition sein, aber irgendwie bleibt immer ein kleines bisschen Geburtstags-Gänsehaut. Nicht so beim Urschleim von angstfrei.news! Wir haben nämlich ein wunderbares Archiv für Euch, in dem ihr alle Ausgaben finden könnt. Wie das geht? Ihr klickt einfach auf das Datum der aktuellen Ausgabe, dann öffnet sich ein Fenster und ihr könnt euch durch alte Ausgaben klicken. Es warten viele schöne, berührende Mensch zu Mensch Texte, Tipps oder auch die erinnerung, dass es im kompletten letzten Jahr auch immer gute Nachrichten gab. Na wenn das nicht bestärkend ist.

Erstmal 'ne Nacht drüber feiern
Videokonferenzen kennen wir ja alle schon in- und auswendig, auch kleine virtuelle Geburtstagsfeiereien. mydays hat hier ein paar neue freshe Ideen aus dem Hut gezaubert, die Euch auch Spaß machen könnten. Vom gemeinsamen virtuellen Pizzabacken über das Schoko-Tasting bis zum Glamour-Outfit ist viel Schönes dabei. Schaut mal rein!
mydays

Geburtstagstraditionen aus aller Welt
Folgende Idee: Deine beste Freundin hat Geburtstag, du kommst bei ihr vorbei und bewirfst sie mit Mehl. Alternativ kannst Du das Geburtstagskind auch an den Ohren ziehen oder einölen. Dazu noch ein Kuchen mit Inschrift oder Seetangsuppe zum Frühstück. Klingt komisch? Vielleicht – ist aber eigentlich nur fremd. Das sind nur ein paar der Geburtstagstraditionen, die die Sprachplattform Babbel zusammengestellt hat. Schaut doch mal rein! Es lohnt sich.
Babbel

Geburtstagsgrüße international
Wir finden, ihr solltet uns – und allen anderen – auf mindestens zehn Sprachen gratulieren können. Hier ein paar Vorschläge:

  • Englisch: Happy birthday!
  • Französisch: Bon anniversaire!
  • Spanisch: ¡Feliz cumpleaños!
  • Italienisch: Buon compleanno!
  • Portugiesisch: Feliz Aniversário!
  • Schwedisch: Grattis på födelsedagen!
  • Indonesisch: Selamat ulang tahun!
  • Russisch: с днем рождения! (s dnem roschdenija!)
  • Dänisch: Tillykke med fødselsdagen!
  • Mandarinchinenisch: 生日快乐 (Shēngrì kuàilè)

Dies und Das

Feiert mit! Wir beschenken Euch!
Liebe Leser:innen, es ist so toll, dass Ihr uns so treu begleitet und das seit einem Jahr! Und weil normalerweise das Geburtstagskind beschenkt wird, aber wir diese Tradition gern umdrehen möchten, haben wir uns eine kleine Gewinnaktion ausgedacht.

Wenn Ihr unsere Texte der Rubrik “Von Mensch zu Mensch” auch so gern lest wie wir, hat unser Dachverband Deutsche Angst-Hilfe e.V. (DASH) ein besonderes Goodie für Euch: ein Best-of mit vielen wunderbaren “Von-Mensch-zu-Mensch”-Ausgaben der letzten Monate! Das ganze als farbenfrohes, liebevoll gestaltetes Buch vollgepackt mit Hintergrundinfos, Tipps und der Gründungsgeschichte von Angstfrei.news. Na, neugierig geworden? Schreibt uns einfach eine Mail an angstfrei.news@gmail.com mit Eurer Postanschrift.

Die ersten zehn Mailschreiber:innen bekommen das Heft kostenlos zugesandt! Eure Daten werden selbstverständlich nur für das Gewinnspiel verwendet und danach sofort wieder gelöscht. Viel Glück!
Deutsche Angst-Hilfe e.V.

Mach mal laut
Irgendwie hat es sich so eingeschlichen, dass wir euch am Ende der Ausgabe eine kleine Playlist zusammenstellen, passend zum Wochenthema. Die Kolleg:innen vom Rolling Stone Magazin sind uns jedoch zuvorgekommen und haben bereits im Jahr 2019 eine Liste mit den, aus ihrer Sicht, besten 50 Geburtstagsliedern erstellt.
Rolling Stone- Magazin

Dennoch gibt es auch von unserer Seite diesmal wieder ein paar Songs rund um den Geburtstag, das älter werden und das Feiern im Allgemeinen, ganz persönlich von uns ausgewählt (Überschneidungen mit dem Rolling Stone Magazin sind rein zufällig).

Rolf Zuckowski: “Wie schön, dass du geboren bist
Stevie Wonder: “Happy Birthday
Letzte Instanz: “Geburtstagslied
Kasalla: “Alles Jode/Jebootsdaachsleed”
Black-Eyed Peas: “I gotta feeling”
Katy Perry: “Birthday”
Pharell Williams: “Happy”
Queen: “Don’t stop me now
Macklemore & Ryan Lewis ft. Ray Dalton: “Can’t hold us”
U2: “Beautiful day”
Wise Guys: “Ständchen”

Voller Freude und Dankbarkeit, dass wir nun schon ein Jahr lang für euch schreiben durften (und ihr uns seit einem Jahr die Treue haltet!), entlassen wir euch in die kommende Woche. Machts gut und bleibt gesund!

Und falls Ihr nun Lust bekommen habt, eigene Beiträge zu schreiben und uns in unserer Arbeit zu unterstützen, schreibt uns gerne unter angstfrei.news@gmail.com - wir freuen uns auf Euch!

Euer angstfrei.news Team

Wer Lust hat, täglich von uns zu hören und mit uns in Kontakt zu treten, der kann uns auf Instagram finden, folgen und Nachrichten schicken. Wir freuen uns schon auf Deine Nachricht!

Kleine Erinnerung
Wir freuen uns sehr, wenn ihr dieses neue Format mit einem Extra-Feedback bedenkt, nur so können wir lernen. Vielen Dank!

Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen
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