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Vorsätze | 09. Januar 2021

Katharina

Liebe Leserinnen und Leser!

Hand aufs Herz - für wen hat es sich wirklich angefühlt, wie ein neues Jahr? Wir saßen auf Couches, wir schliefen in das neue Jahr, wir grüßten unsere Nachbarn im Fenster gegenüber. Und eh wir uns versahen, stand hinter dem Datum eine 21 und der Januar ist bald zweistellig. Und trotzdem necken uns die Vorsätze im Hinterkopf, lockt die Veränderung, zieht die Hoffnung auf eine Veränderung in uns auf. Woher kommt sie, diese Sehnsucht nach Neubeginn? Wir machen uns in dieser Ausgabe auf die Suche nach einer Antwort.

Tina nimmt uns mit in ihre Silvesternacht und auf Zeitreise, Anne erzählt von ihrem Silvester und dem Druck der Vorsätze, dem man sich nicht beugen muss - und warum wir auch um 19:10 Uhr an einem beliebigen Wochentag mit dem Planen anfangen könnten. Katharina schreibt davon, warum wir planen anstatt nur wünschen sollten und warum wir damit in jedem Moment neu beginnen können.

Außerdem haben wir Euch im Schwarzbrot einen spannenden Überblick zum Thema Impfen und Impfung zusammengestellt nebst dem üblichen Nachrichtenüberblick, einigen Tipps zum Neubeginn und einer Prise Dies und Das.

Damit wünschen wir Euch ein frohes, geduldiges und gesundes neues Jahr. Das wird schon werden.

Katharina und das Team von angstfrei.news

Ganz wichtig: Was meint ihr zum neuen Konzept und zu dieser Ausgabe? Bitte gebt uns ein kurzes Feedback - das wäre hilfreich und sehr nett. Übrigens nehmen wir unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wir freuen uns über dich in unserem Team. Trau dich einfach und schreib uns eine Mail an angstfrei.news@gmail.com, oder über Instagram.

Die guten Nachrichten der Woche

Weiterer Impfstoff in der EU zugelassen
Am 6. Januar hat die Europäische Arzneimittelkommission einen weiteren Impfstoff zugelassen. Das Mittel der Firma Moderna zeigte eine ähnliche Wirksamkeit wie der bereits zugelassene Impfstoff. Mehr als 30.000 Menschen haben an den verschiedenen Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit teilgenommen. Das Mittel kann ab sofort eingesetzt werden. Mehrere Länder - so auch Deutschland - haben bereits vorab Impfdosen bestellt.
Tagesschau
Bundesministerium
EMA (alle Impfstoffe)

Impfung auch bei Virusvarianten wirksam
Laut einer neuen Studie ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer auch bei Mutationen des COVID-19 Virus' wirksam. Insgesamt wurden 16 verschiedene veränderte Erreger getestet und keine signifikanten Einflüsse auf die Wirkung der Impfung gefunden. Zwar sei nicht gewährleistet, dass diese Erkenntnisse für alle denkbaren Varianten gelten, dennoch sei dies erstmal eine gute Nachricht, so die Wissenschaftler*innen der Universität Texas.
WELT

Schwarzbrot: Pieks gegen Pandemie

Tim

In dieser Rubrik möchten wir etwas tiefer in die Nachrichtenlage der Woche einsteigen. Mal eher hintergründig, mal eher serviceorientiert recherchieren wir für euch selbst, statt wie im darunter folgenden Nachrichtenblock Nachrichten auszuwählen und in eine angstfreie Sprache zu übersetzen. Wir hoffen, es mundet euch.

Seit knapp zwei Wochen laufen die Impfungen in Deutschland gegen das Corona-Virus. Für uns Anlass genug noch einmal einige Fakten zusammenzutragen: Welche Impfstoffe gibt es? Wie läuft die Impfung konkret ab? Was gibt es für Risiken?

Was ist seit Dezember passiert?

Seit dem 27. Dezember wird in Deutschland der genbasierte mRNA-Impfstoff von BioNTech und Pfizer gegen SARS-CoV-2 verabreicht, nachdem er EU-weit zugelassen wurde. Hierbei wird der Bauplan für ein Oberflächenprotein des Virus in die menschliche Zelle gebracht, die dieses Protein dann herstellt. Das Immunsystem erkennt das fremde Protein und ist für die Infektion mit dem vollständigen Virus gewappnet. In unserer Ausgabe Anfang Dezember haben wir auch unterschiedliche Impfstoffkonzepte, konkrete Kandidaten und die hohe Geschwindigkeit der Impfstoffentwicklung erklärt.

Zunächst werden über 80-Jährige sowie medizinisches Personal mit hohem Infektionsrisiko geimpft. Darauf folgt medizinisches Personal mit geringerem Risiko und über 70-Jährige. Als dritte Gruppe folgen über 60-Jährige sowie Menschen mit definierten Risikoerkrankungen oder wichtigen Berufen. Diese Reihenfolge hat der deutsche Ethikrat zusammen mit der Ständigen Impfkommission und der wissenschaftlichen Akademie Leopoldina erarbeitet, der Bundesgesundheitsminister hat sie als Verordnung umgesetzt.

Aktuell haben laut Robert-Koch Institut (RKI) über 400.000 Menschen in Deutschland die erste Dosis erhalten - täglich kommen etwa 45.000 dazu. Innerhalb von drei (maximal sechs) Wochen sollen die Menschen eine zweite Dosis erhalten.

Am 6. Januar hat die Europäische Kommission auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) auch den ebenfalls genbasierten Impfstoff von Moderna zugelassen. Dieser hat besonder bei der Lagerung Vorteile gegenüber dem von BioNTech, scheint aber häufiger unerwünschte Wirkungen hervorzurufen.

Was gibt es noch für Impfstoffe?

Es gibt über 200 Kandidaten für Impfstoffe. Neben den zwei in der EU zugelassenen Impfstoffen gibt es noch sieben weitere Impfstoffe, die aktuell in unterschiedlichen Ländern außerhalb von Studien eingesetzt werden: Gamaleya und Vector aus Russland, Sinopharm, Sinovac und Cansino aus China, Bharat in Indien und AstraZeneca aus UK. Sie funktionieren nach sehr unterschiedlichen Impfkonzepten und haben unterschiedliche Zulassungen und unterschiedliche gut belegte Wirksamkeitsnachweise (siehe Indien). Voraussichtlich Ende Januar könnte das Vakzin von AstraZeneca auch in der EU zugelassen werden - bisher liegt laut EMA noch kein Antrag vor.

Die französische Hoffnung auf Sanofi scheint enttäuscht zu werden: Der Impfstoff des hiesigen Pharmaunternehmens kommt erst Ende 2021 auf den Markt. Auch beim deutschen CureVac verzögert sich die Zulassung eines Impfstoff noch um Monate. Das Dessauer Unternehmen IDT Biologika scheint ebenfalls Schwierigkeiten zu haben. Beide deutschen Unternehmen haben wie BioNTech eine Förderung durch die Bundesregierung erhalten.

Wie lief der Impfstart in der EU?

Durchwachsen. Scharfe Kritik gab es in Frankreich, weil erst wenige Tausende Menschen geimpft wurden seit der Zulassung am 23. Dezember. Ursache hierfür scheint Bürokratie im zentralistisch organisierten Frankreich zu sein. Auch in den Niederlanden gab es heftige Kritik an der Regierung erst zu spät mit den Impfungen zu beginnen - der Termin wurde nun vorgezogen. Auch in Deutschland gab es Kritik am schleppenden Impfbeginn und das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer.

Wie läuft die Impfung ab?

Die Bundesländer organisieren eigenständig die Impfung in gut 440 Impfzentren deutschlandweit. Dabei unterscheiden sich die Wege, wie Menschen einen Impftermin bekommen und der Impfbeginn stark. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten:

  • die Impfung ist freiwillig und kostenlos
  • geimpft wird in Impfzentren, für Pflegeheime gibt es mobile Teams
  • die Terminvergabe erfolgt nach den abgestimmten Prioritäten
  • die Impfung erfolgt unter ärztlicher Aufsicht
  • Geimpfte werden etwa 30 Minuten nach der Impfung beobachtet, um allergische Reaktionen sofort behandeln zu können

Ist die Impfung wirklich freiwillig?

Ja - es wird keine gesetzliche Impfpflicht geben. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass Impfprevilegien bei privaten Unternehmen geben könnte - so zum Beispiel von der Fluglinie Quantas angekündigt. Es ist offen und vermutlich von der Pandemiesituation abhängig ob solche Einschränkungen vor Gerichten bestand hätten.

Ein wachsender Teil der Bevölkerung scheint bereit sich impfen zu lassen. Allerdings möchte etwa ein Fünftel der Menschen dies nicht tun. Insbesondere unter den Pflegekräften gibt es nur eine mäßige Impfbereitschaft.

Welchen Nutzen hat die Impfung?

Sicher ist, dass bei BioNTech und Moderna Geimpfte ein 95% geringeres Risiko haben zu erkranken. Unklar ist weiterhin, ob auch die Verbreitung des Virus durch die Impfung vermindert wird - das ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Durch die Impfung sinkt wohl nicht nur die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, sondern auch die Schwere der Erkrankung - beides zahlt auf das Ziel ein, das Gesundheitssystem zu entlasten.

Denn kann das Gesundheitssystem die Menschen nicht mehr mit der bestmöglichen Medizin versorgen, zum Beispiel weil es - wie in Kalifornien - an Sauerstoff fehlt, sterben viel mehr Menschen an COVID19, aber auch an anderen Erkrankungen.

Auch gegen die bisher bekannten Mutationen soll die Impfung von BioNTech und Pfizer wirksam sein.

Welche Risiken hat die Impfung?

Da Impfungen gesunden Menschen gegeben werden, muss der Nutzen das Risiko sehr stark überwiegen, damit das Vakzin zugelassen wird. Dies ist laut EMA sowohl bei BioNTech als auch bei Moderna der Fall. Dennoch gibt es bei jedem medizinischen Eingriff Risiken: Typisch sind bei Impfungen Schwellung, Rötung und/oder Schmerzen des genutzten Arms. Auch leichte Krankheitssymptome wie Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit oder Fieber sind möglich - sie sind Ausdruck der angestrebten Reaktion des Immunsystems.

In extrem seltenen Fällen (bisher sieben bekannte Fälle bei mehreren Millionen verimpften Dosen) kann es zu schweren allergischen Reaktionen kommen. Typischerweise ist die Allergieneigung den Betroffenen bekannt und sie tragen verschiedene Spritzen mit sich, um sich Notfallmedikamente selbst verabreichen zu können.

Zudem steigt mit der Zahl der Geimpften die Wahrscheinlichkeit, dass jemensch direkt nach der Impfung tot umfällt - ohne das sein oder ihr Tod im Zusammenhang mit der Impfung steht. Es war schlicht Zufall und sogenannte Hintergrundinzidenz - jeden Tag sterben normalerweise 2.500 Menschen an Herzinfarkten, Krebs oder Verkehrsunfällen. Wenn plötzlich allein die Hälfte davon an einer Krankheit stirbt und die Zahl der täglich Toten deutlich steigt, wissen wir warum wir diese Pandemie ernst nehmen müssen.

Aber was ist mit den Langzeitschäden?

Im Gegensatz zu Medikamenten die Jahre oder sogar Jahrzehnte lang eingenommen werden, gibt es bei Impfungen keinen Grund warum Reaktionen erst nach Jahren auftreten sollten - nach der Impfung wird die Fremdsubstanz innerhalb von wenigen Tagen vom Immunsystem abgebaut und es kommt nichts mehr hinzu.

Der Begriff “Langzeitschäden” entstand aus einem Missverständnis bei den Polio-Impfungen: Hier gab es sehr seltene unerwünschte Wirkungen, die nur bei Millionen von Impfungen auffielen - es dauerte sehr lange bis so viele Kinder geimpft waren, dass die Zwischenfällen überzufällig wurden. Für die betroffenen Kinder dauerte es aber nur Tage oder Wochen bis die Schäden nach der Impfung auftraten. Ganz ähnlich war die Situation in Schweden bezüglich der Narkolepsie nach der Impfung gegen die Schweinegrippe.

In der aktuellen Situation werden Millionen von Dosen innerhalb weniger Wochen verimpft - entsprechend schnell fallen auch sehr sehr seltene Reaktionen auf. Echte Langzeitschäden sind nicht zu erwarten.

Wie kann man schneller mehr Menschen impfen?

Aufgrund des relativen Mangels an zugelassenen Impfstoffen gibt es mehrere Vorschläge, um die vorhandenen Dosen effizienter zu nutzen:

Ein Vorschlag ist, die zweite Imfpdosis hinauszuzögern. Dadurch könnten die vorhandenen Dosen für mehr Menschen geschützt werden. Vermutlich wäre die relative Wirksamkeit geringer, da einerseits die individuelle Wirkung nicht mehr durch die zweite Impfung verstärkt würde und anderseits einige “Impfversager*innen” bei nur einer Dosis gar keinen Schutz aufbauen. Allerdings könnte die absolute Wirkung größer sein, da mehr Menschen zum Beispiel zwar nicht zu 95 Prozent sondern zu 80 Prozent (ausgedachte Zahl zur Veranschaulichung) geschützt wären.

Ein weitere Vorschlag zielt in eine ganz ähnliche Richtung: Statt wie bisher die zweite Dosis für jeden Geimpften schon jetzt aufzuheben, könnte man so viel verimpfen wie man hat - in der Hoffnung dann in drei Wochen weiteren Impfstoff zu bekommen. Sollte drei Wochen später aber nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stehen, läuft es auf eine Verzögerung der zweiten Dosis. Der gewählte US-Präsident Biden hat dieses Vorgehen vorgeschlagen.

Beide Vorschläge werden bisher von den Zulassungsbehörden und der Ständigen Impfkommission abgelehnt. Ein dritter Vorschlag stößt aber wohl auf Zustimmung der Behörden:

Um sicherzustellen, dass tatsächlich 5 Dosen á 0,3 mL aus einem Fläschchen entnommen werden können, hat BioNTech 2,25 mL in jedes Fläschchen gefüllt. Bei geschickter Entnahme und bestimmten Spritzen mit geringem Totraumvolumen wären eigentlich sechs, theoretisch sogar sieben Dosen möglich. Schon Ende Dezember hatte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA das Entnehmen von sechs Dosen erlaubt. Am 8. Januar gab auch die EMA grünes Licht. So können 20 Prozent mehr Menschen als gedacht geimpft werden.

Die Zulassung und der Beginn der Verteilung eines Impfstoffes ist nicht das Ende der Pandemie. Dennoch ist sie ein wichtiger Baustein bei der Rettung von Menschenleben. Die gute Nachricht bleibt auch, dass wir einiges darüber wissen, wie wir die Verbreitung vermindern können und so Tod und Spätfolgen verhindern. Deshalb: Maske auf, Hände waschen, Abstand halten, physische Kontakte reduzieren, Warn-App nutzen, solidarisch bleiben.Weitere Fragen zur Impfung beantwortet die Tagesschau auch in einem sehr ausführlichen FAQ.

Hinweis: Auch im Wissenschaftsjournalismus gilt es verschiedene Meinungen von Expert*innen darzustellen. Das heißt aber nicht, dass jede geäußerte Meinung gleich wichtig und gleichwertig wäre - auch wenn sie von einem Menschen mit akademischen Grad kommt. Wissenschaft lebt von einem hohen Spezialisierungsgrad und von langfristiger Forschung. Entsprechend klein ist der Kreis an tatsächlichen Expert*innen zu einem bestimmten Thema. So wie wir bei Gesprächen über die Erde als Kugel auch nicht darauf verweisen, dass es Menschen gibt, die meinen die Erde wäre eine Scheibe, so nehmen wir in unseren Texten auch keine unbelegten Behauptungen auf. Mehr zu diesem Problem hat beispielsweise die Berkeley University zusammengetragen.

Dieser Artikel ist Teil der losen Reihe von Basisinformationen zur COVID-19-Pandemie. Es folgen Beiträge zu Kontakt Beschränkungen, der Corona-App und weitere Themen. Gern könnt ihr uns Feedback geben, welche Themen euch besonders interessieren.

Nachrichten

angstfrei.news ist gestartet als ein Projekt, das unaufgeregt die Neuigkeiten des Tages - jetzt der Woche - zusammenfasst. Ihr habt uns bestärkt, dass dieser Service wichtig ist, daher bleiben wir ihm treu für all jene, denen die Flut an Nachrichten zu viel wird. Deswegen fassen wir hier für euch die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in der vergangenen Woche zusammen.

Längere und strengere Corona-Ausgangsbeschränkungen beschlossen
Bund und Länder haben die geltenden Ausgangsbeschränkungen bis Ende Januar verlängert und teilweise verschärft. Kontakte sollen auf das absolut notwendige Minimum beschränkt werden. So dürfen sich nur noch zwei Menschen aus zwei Hausständen treffen. Bewohner*innen von Orten mit einem Inzidenzwert von über 200 Neuinfektionen innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner*innen dürfen sich nur mit triftigem Grund mehr als 15km von Ihrem Wohnort entfernen. Als triftige Gründe gelten Fahrten zur Arbeit und zur ärztlichen Versorgung, aber keine tagestouristischen Ausflüge.

Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen bieten weiterhin, bis auf eine Notbetreuung, nur einen eingeschränkten Betrieb an. Allerdings beschulen einige Bundesländer wie Niedersachsen, Berlin und eventuell Baden-Württemberg ab dem 18. Januar wieder nach dem Wechselmodell. Berufstätige Eltern, deren Kinder nicht notbetreut werden, erhalten zusätzliche finanzielle Hilfen. So dürfen sich Eltern ab 2021 länger für ihr Kind krankschreiben lassen. Elternpaare bekommen nun 10 Tage zusätzlich Kinderkrankengeld, alleinerziehende Eltern 20 Tage.

Arbeitgeber*innen werden weiterhin gebeten, ihren Mitarbeitenden Arbeit aus dem Home-Office zu ermöglichen. Zum Schutz von Pflegeheim-Bewohner*innen wird die Corona-Testpflicht für Personal und Besucher*innen ebenfalls verlängert. Bis Mitte Februar sollen alle Pflegeheim-Bewohner*innen ein Impfangebot erhalten. Am 25. Januar beraten die Kanzlerin und die Länderchef*innen über die Maßnahmen ab 1. Februar.
Tagesschau (Corona-Beschlüsse)
Bundesregierung (Beschluss Bund-Länder-Konferenz)
Spiegel
Süddeutsche Zeitung

Halbierte Inzidenzwerte bei Kindern verstärkt Debatte um Schulöffnungen
Seit Mitte Dezember hat sich der 7-Tage-Inzidenzwert bei Schüler*innen halbiert. Das zeigt eine Auswertung von RKI-Daten. Es ist unklar, ob dies durch die veränderte Teststrategie, geschlossene Schulen oder durch tatsächlich weniger Ansteckungen unter Kindern erklärbar ist. Reinhard Berner, ein Kinderarzt und Infektiologe, der die Bundesregierung berät, sieht „keine klaren Gründe, warum Kitas und Schulen längerfristig geschlossen bleiben sollen“. Kinder würden deutlich weniger zur Verbreitung beitragen.

Der Präsident der Kinderärzt*innen stuft Präsenzunterricht besonders für Kinder bis 10 Jahre als besonders wichtig ein und ist daher auch für eine schnellstmögliche Öffnung von Kitas und Schulen mit angemessenen Hygieneregeln. In Orten mit hohem 7-Tage-Inzidenzwert hält er Ausnahmen, wie etwa das Maskentragen im Grundschulunterricht, für nötig.

Schüler*innen haben bis Ende Januar weiterhin keine Präsenzpflicht in Schulen. Allerdings setzen die Landesregierungen die Regelungen unterschiedlich konsequent um. In Sachsen und Thüringen bleiben die Schulen, bis auf die Abschlussklassen, geschlossen. Auch in Bayern, Schleswig-Holstein und NRW müssen Schüler*innen zu hause beschult werden, nur für jüngere Kinder und Abschlussklassen gelten Ausnahmen. In Hessen gilt flächendeckender Distanzunterricht ab den 7. Klassen, jüngeren Schüler*innen wird empfohlen, zuhause zu bleiben.

Grundschüler*innen aus Niedersachsen und Berlin werden schon ab dem 18. Januar bei halber Klassenstärke im Wechselmodell beschult. Die baden-württembergische Landesregierung strebt dies zwar auch an, entscheidet dies aber kommende Woche abhängig von den Infektionszahlen. In Mecklenburg-Vorpommern dürfen Schüler der Abschlussklassen ab kommende Woche wieder zur Schule gehen. Grundschüler*innen erhalten in MV Präsenzunterricht ab dem 18. Januar in Gebieten mit einem 7-Tage-Inzidenzwert unter 50.
Berliner Zeitung (Kinderärztepräsident Kritik)
Tagesschau (Inzidenzwert an Schulen)
Tagesschau (Lockerungen an Schulen nach Bundesländern)
Deutschlandfunk (Interview mit Moritz Piepel vom Jugendrat der Generationen Stiftung )
Stern (Video: Berlins Landesschülersprecher Richard Gamp)
NTV (Berners Kritik)

Teilverstaatlichung von TUI
TUI-Aktionär*innen haben einer Teilverstaatlichung zugestimmt. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung stimmte ein großer Teil der Aktionär*innen für einen Einstieg von bis zu 25% des Staates. So soll der, durch die Corona-Pandemie wirtschaftlich geschädigte Konzern, finanziell unterstützt werden. Die Aktionär*innen stimmten auch einer Kapitalerhöhung von 500 Millionen Euro zu. Bereits am 4. Januar genehmigte die EU- Kommission deutsche Staatshilfen von rund 1,25 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern bereits Hilfsgelder erhalten, zum großen Teil in Form von Krediten, um die Umsatzausfälle aufzufangen.
Tagesschau
Tagesschau

UK: Ausgangsbeschränkung bis Mitte Februar
Boris Johnson hat strenge Ausgangsbeschränkungen und Schulschließungen verkündet. Der Britische Premierminister Boris Johnson bat die Brit*innen in einer Fernsehansprache “Stay at home”. Die Infektionslage im Vereinigten Königreich hat einen neuen Höchststand erreicht, daher warnt der staatliche Gesundheitsdienst NHS vor Überlastungen. Die in England aufgetretene Virusmutation, soll deutlich ansteckender sein, als die bisher bekannte Corona-Variante, weshalb mit einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu rechnen ist. Es mangelt an Krankenhauspersonal, wodurch auch die im Frühjahr eingerichteten Behelfskrankenhäuser keine Entlastung bieten. Hoffnung setzten die Briten vor allem auf eine schnelle Impfung in weiten Teilen der Bevölkerung. Mittels Notfallzulassung wird in UK neben BioNTech/Pfizer nun auch der Wirkstoff von Oxford/AstraZeneca verimpft.
Tagesschau

Österreich verhängt zum dritten Mal Ausgangsbeschränkungen
Bundeskanzler Kurz hat erneute Ausgangsbeschränkungen für ganz Österreich beschlossen. Schulen, kulturelle Einrichtungen, Gastronomie und Einzelhandel bleiben mindestens bis zum 18. Januar geschlossen. Für diejenigen, die keinen negativen Schnelltest vorweisen können, gelten die Beschränkungen bis zum 24. Januar. Für diese Gruppe ist auch das Tragen einer FFP-2-Maske überall außerhalb der Wohnung verpflichtend.

Die Ausgangsbeschränkungen gelten wieder den ganzen Tag und erlauben das Verlassen der Wohnung nur aus triftigen Gründen. Hierzu zählen Einkäufe, ärztliche Versorgung, Arbeit, Bildung und Erholung im Freien. In Skigebieten gilt für Ausländer eine 10-tägige Quarantänepflicht, die nach 5 Tagen durch einen negativen PCR- oder Antigen-Test beendet werden darf. Alle Skifahrer*innen über 14 Jahren müssen eine FFP-2-Maske tragen.
Tagesschau (erneuter Lockdown)
Tagesschau (Andrang in Skigebieten)
→ Tagesschau (Corona-Regeln in Österreichs Skigebieten)
Süddeutsche Zeitung

Japan: Ausnahmezustand in Tokio
Seit Freitag (8.1.) befinden sich Tokio und drei benachbarte Provinzen erneut im Notstand. Hintergrund sind zuletzt stark steigende Infektionszahlen und die damit verbundene Sorge vor der Überlastung des Gesundheitssystems.Für vorerst einen Monat gelten ein Alkoholverbot ab 19 Uhr sowie verkürzte Ladenöffnungszeiten und reduzierte Kapazitäten in Büros und Veranstaltungen. Die Menschen sind aufgerufen, zuhause zu bleiben. Bußgelder gegen Verstöße gibt es nicht. Es ist nach April 2020 das zweite Mal, dass Japan den Ausnahmezustand aufruft. Einen vollständigen Lockdown gab es in Japan bisher nicht, da das Land vergleichsweise gering von der Pandemie betroffen ist.

Die aktuelle Lage bekommt international große Aufmerksamkeit. In wenigen Monaten sollen die Olympischen Spiele unter anderem in Tokio stattfinden. Regierungschef Yoshihide Suga setzt weiterhin auf die Umsetzung des Sportevents und verspricht größtmögliche Sicherheit. Japan beginnt Ende des nächsten Monats zu impfen.
Tagesschau
Deutsche Welle

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 2.106.262 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 22.01.2021 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 17.862 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 70.562.087 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 75.315 Personen mehr als gestern Früh. Davon 1.780.200 in Deutschland (Stand: 22.01.2021 09:27 Uhr, Quelle: Worldometers).

Von Mensch zu Mensch

Vorsätze. Die meisten haben sie, die meisten quälen sie. Wir nehmen Euch mit auf die Suche nach Vorsätzen, in eine Silvesternacht und versuchen eine Antwort darauf zu geben, warum wir Vorsätze den Wünschen vorziehen sollten.

Hundred Times
Anne

„100 times I’ve tried to be different…
…100 times I’ve tried to be stronger…“

Das neue Jahr beginnt für viele häufig mit guten Vorsätzen. Die Fitnessstudios verschreiben ein Plus an Neuverträgen und mit voller Motivation werden die guten Vorsätze, meist nur für kurze Zeit, umgesetzt. So auch dieses Jahr, abgesehen von den Fitnessstudios….

Ich habe schon immer mit diesen Vorsätzen gehadert, macht man sich da nicht nur selber etwas vor? Ist es nicht viel sinnvoller, wenn man etwas verändern will, sich etwas vornimmt, dies sofort anzugehen? Muss man dafür auf einen Jahreswechsel warten? Und muss ich diesem Konventionsdruck der Selbstoptimierung überhaupt nachgehen? Bin ich nicht ausreichend, so wie ich bin?

Es ist wohl ein feiner Grad, zwischen Selbstoptimierung und Weiterentwicklung. Und wo liegt überhaupt der Unterschied?

Ein Versuch der subjektiven Definition: (gibt es sowas überhaupt? Jetzt schon!)

Unter Selbstoptimierung verstehe ich, eine ständige Verbesserung des Ichs, um sich möglichst einem Bild, welches durch die Sozialen Medien als Idealbild (#fitandhealthy) dargestellt wird, anzunähern. Und natürlich ist die stetige Selbstoptimierung auch Teil eben dieses Idealbildes. Der Versuch die Blaupause einer Instagram-Realität zu werden. Doch hat diese Blaupause mit mir selbst nicht allzu viel zu tun.

Weiterentwicklung sehe ich eher als etwas, was aus mir selbst entsteht. Also aus dem Inneren und nicht von außen an mich herangetragen wird. Wobei die Grenzen natürlich verschwimmen können. Wenn Freund*innen, Kolleg*innen oder Verwandte mich anstoßen und mir aufzeigen, wo ich vielleicht in eine Sackgasse renne, Ich diesen Rat annehme und umkehre, einen neuen Weg finde. Diese Veränderung ist natürlich auch von außen an mich herangetragen, aber ich gehe fest davon aus, dass es Freund*innen mehr um mich selbst geht, sie sich um mich sorgen und sie weniger Interesse daran haben, dass ich der Socialmedia-Welt entspreche. Vielleicht ist diese Annahme naiv, aber zumindest in meinem engen Freundeskreis ist es so. Vielleicht haben sie aber auch einfach aufgegeben, wissen sie inzwischen, dass ich allzu gerne das Gegenteil von dem tue, was von dem Außen erwartet wird.

Also Weiterentwicklung statt Vorsätze?! Ganz so einfach ist es ja nun auch nicht. Klar ist es sinnvoll Vorsätze direkt um zu setzten, statt auf ein bestimmtes Datum, als Startschuss zu warten. Nur braucht es häufig auch einen Anstoß um den inneren Schweinehund zu überwinden und aus der Bequemlichkeit ins Handeln zu kommen. Aber muss es dafür der 1.1. sein? Nein! Ich kann mir mein persönliches Veränderungsdatum schaffen. Ab morgen 19:10 Uhr wird regelmäßig Sport gemacht, angefangen wird dann direkt…. Übermorgen. So machen wir das!

Dieses Jahr habe ich die Neujahrsvorsätze ganz einfach umgegangen. In der Regel beginnt man das neue Jahr mit eben diesen. Nach dem Anstoßen um 12 Uhr und, bei dem ein oder anderen, nach dem obligatorischen Böllern.

Doch, wie das ganze Jahr 2020, war auch der Silvesterabend und der Jahreswechseln anders. Bei uns sehr gemütlich. Nach dem gemeinsamen Abendessen und der Runde Gesellschaftsspiele, gaben die Kinder gegen halb Zehn auf und gingen, freiwillig, ins Bett. Wozu auf 12 Uhr warten, wenn man doch müde ist. Recht haben sie, dacht ich und so schloss ich mich ihnen an und lag um 22.30 im Bett, las noch ein wenig. Um 12 Uhr wurde ich dann doch von ein paar Böllern geweckt, regte mich kurz auf, dass es wohl immer ein paar unverbesserliche Menschen gibt, die im Keller oder sonst wo noch Böller ausgegraben haben und nun das neue Jahr laut begrüßen müssen. Tradition halt. Feinstaubbelastung durch Feuerwerk hin, Corona her.

Ich drehte mich um und schlief weiter. Aber morgen, um 19:10 Uhr, da denke ich mal darüber nach, ob es nicht doch einen guten Vorsatz gibt, den ich in diesem Jahr angehen will.

Jenobi - Hundred Times: Diese Zeilen, dieses Lied, war das Erste, was mir bei dem Wochenthema in den Sinn kam und das Lied, was ich folglich beim Schreiben gehört habe. Und sowieso Patterns, von Jenobi mein persönliches Album des Jahres 2020. Somit fand ich es angebracht den Text auch hier nach zu benennen.

Anne berichtet von einem Silvester, das sie sich zu eigen macht - inklusive der Vorsätze. Wer sagt eigentlich, dass wir uns genau um MItternacht etwas vornehmen sollen? Eben. Trotzdem hat dieses merkwürdige Silvester das Potential gehabt, uns mitzunehmen. Seine Stille, seine einsamen Böller, seine Versprechen. Tina nimmt uns mit in ihre Silvesternacht und erzählt, warum sie dieses Jahr nicht erst um halb acht in der Früh zuhause war.

Erinnerungen
Tina

Das Jahr 2021 hat begonnen. Normalerweise sammelt man schon Wochen zuvor Vorsätze fürs kommende Jahr. Doch wir leben zur Zeit in einer Welt, in der das Corona Virus unser Leben, unsere Existenz und unseren Alltag bestimmt. Plötzlich zählt nicht mehr die Kilozahl auf der Waage, die man von Jahr zu Jahr versucht abzunehmen um es im Endeffekt bis zum Frühjahr doch nicht zu schaffen. Plötzlich zählt nur noch, dass die Menschheit ihre Normalität zurückerhält.

Ich gehöre zu den Menschen, die sich an alle Corona-Vorschriften halten. Dementsprechend einsam fiel mein Weihnachten und Silvester aus. Und infolgedessen hatte ich Zeit, sehr viel Zeit zum Nachdenken. Ich fing an in Erinnerungen zu schwelgen. An vergangene Weihnachtsfeste mit der gesamten Familie oder an Silvesterpartys mit Freunden. Zugegeben, ich hatte nicht jedes Jahr Lust die Sau an Silvester raus zulassen. Manchmal war ich auch einfach zu müde um auszugehen und entschied mich deshalb bewusst, nur mit meiner Couch ins Neue Jahr zu starten. Doch es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man aus freiem Willen zu Hause bleibt oder ob man gezwungen wird, zu Hause bleiben zu müssen.

Also lümmelte ich mich gezwungener Maßen mit frisch lackierten Fingernägeln auf die Couch. In Begleitung eine Flasche Hugo und einer Tüte Chips. Ich zappte mich gelangweilt durch sämtliche Fernsehprogramme und blieb schließlich an einer Musiksendung hängen. Die Lieder luden förmlich zum Tanzen ein. Doch alleine im Wohnzimmer abzurocken, war mir ehrlich gesagt am Silvesterabend zu doof. Also ließ ich mich von der Musik in die Vergangenheit versetzen.

Ich erinnerte mich an eine Hausparty, auf der ich vor einigen Jahren eingeladen war. Es war ein Haus mit vier Wohnungen. Und in jeder dieser Wohnungen, lebte eine WG. Somit war das komplette Haus eine einzige Partymeile. Alle Wohnungen standen offen und jeder konnte sich dort aufhalten wo er wollte. Das war eine sensationelle Party mit der dementsprechenden Partygesellschaft. Ein DJ legte bis in die Morgenstunden auf und jeder tanzte mit jedem. Es war herrlich. Um Punkt zwölf lag sich die Meute küssend und zuversichtlich in den Armen.

Von Corona war weit und breit noch keine Spur. Die Welt war sozusagen noch in Ordnung. Es herrschte eine unverfängliche harmlose und selbstverständliche Normalität, die inzwischen so wertgeschätzt geworden ist. Die Feuerwerkskörper leuchteten und funkelten in den schönsten Farben am Himmel. Wir strahlten um die Wette, während die Sektgläser klirren. Glücklich standen wir eng umschlungen auf der Straße um das Spektakel anzuschauen. Und das alles ohne Mundschutz. In welcher traurigen und einsamen Zeit wir doch inzwischen leben.

Ich seufze, als ich so langsam wieder in der Realität zurückkam. Na toll, alles was ich in dieser Nacht umarmte war meine Chipstüte und ein einsamen Glas Hugo. Gelangweilt und müde schaute ich auf die Uhr. Die Zeit zog sich. Doch ich wollte nicht vor zwölf Uhr ins Bett. Ich wollte wenigstens den Jahreswechsel mitbekommen. Auch wenn dieser ziemlich ruhig und unspektakulär ausfallen würde. Schließlich war das Feuerwerk ja auch verboten worden.

Doch wie alles im Leben ging auch diese Nacht vorbei. Um zwölf prostete ich dem Moderatoren-Team im Fernsehen zu. Normalerweise wäre jetzt der Zeitpunkt, an dem ich freudestrahlend und hochmotiviert das Feuerwerk über der Frankfurter Skyline anschaue und mir sämtliche Vorsätze für das kommende Jahr vornehme. Doch diesmal ist alles anders. Wie verloren stand ich ohne jeglichen Vorsatz am Fenster. Am Himmel leuchtete nichts. Alles blieb dunkel. Nur ein paar Böller waren zu hören. Wie sollte man sich auf diese Weise auf‘s Neue Jahr freuen.

Im gegenüberliegenden Haus, tummelten sich sämtliche Mieter auf ihren Balkonen. Zwei Männer schrien „Prost Neujahr“ zu mir rüber. Doch mein Mund blieb stumm. Ich war schlichtweg zu faul und zu desinteressiert um das ich auch nur annähernd einen Ton rausgebracht hätte. Ich weiß, dass war ziemlich unhöflich. Was normalerweise auch gar nicht meine Art ist. Aber irgendwie fand ich es nicht angebracht, freudestrahlend und mit lautem Gebrüll das Neue Jahr zu begrüßen. Denn erstmal würde sich durch Corona nicht viel ändern im „NEUEN JAHR“.

Und deshalb ging ich genauso unmotiviert ins Bett, wie ich mich Stunden zuvor auf die Couch geschleppt hatte. Während ich versuchte meinen Schlaf zu finden, erinnerte ich mich noch einmal kurz an die Hausparty, von der ich am Neujahrstag erst morgens um halb acht nach Hause kam. Na das kann mir ja diesmal nicht passieren ... grins ...

Tinas Silvester lässt uns mit gemischten Gefühlen zurück. Vielleicht ist 2021 ja genau das Jahr, in dem wir unser Glück selbst in die Hand nehmen? Katharina schreibt davon, warum wir planen anstatt nur wünschen sollten und warum wir damit in jedem Moment neu beginnen können.

Vor:Satz
Katharina

„Wünschen darf man sich alles“, hat meine Mutter immer gesagt. Ein liebevoller wie bitterer Satz. Immerhin gab er gleichermaßen die Freiheit zu träumen wie die Realität, dass ich das meiste, was ich mir wünschte wohl nicht bekommen würde. Nicht, weil man es mir nicht gönnte, sondern weil der Wunsch oft nicht zur finanziellen, organisatorischen oder tatsächlichen Realität passte.

Wünschen ist passiv.

So ist es für mich auch am Jahresanfang: Wünschen darf man sich alles. Ach würde ich nur bewusster leben, glücklicher sein, dankbarer, nachsichtiger - mit mir und anderen - , verbindlicher, selbstwirksamer sein. Ich wünschte, dass endlich diese eine große Sache passiert, die alles zum Guten verändert. Aber: Was ich mir wünsche, muss jemand erfüllen, gestalten, unterstützen. Wünsche ich mir das alles, dann gebe ich die Verantwortung ab und nehme in der Wartehalle der Hoffnung platz. Das wird alles schon werden. Und wenn nicht, ist es nicht meine Schuld. Denn Wünsche erfüllen ja nur die anderen. Oder?

Wer wünscht, wird sich schnell bequem und merkt es nicht. Es ist so entlastend, das, was passieren soll, abzugeben. Vielleicht ist es genau das, was wir bei guten Vorsätzen oft falsch machen. Wir bauen uns ein Wunsch-Szenario auf. „Ach wie schön das wäre, wäre ich [hier Wunsch der Wahl einsetzen].“ Dann holen wir eine:n Wunscherfüller:in an Bord, vielleicht in Form einer Fitness-App oder eines Achtsamkeitstagebuches und hoffen, dass er oder sie uns den Wunsch erfüllen möge. Und dann passiert nichts. Und wir sind enttäuscht. Aber glücklicherweise nicht von uns, sondern von unserem Helferlein. Praktisch. Versteht mich nicht falsch - Wünsche sind auch etwas Wundervolles. Aber wir sollten beginnen zu wünschen, wenn wir ertragen können, dass es nichts wird. Wenn wir wirklich etwas wollen, sollten wir uns selber in die Verantwortung nehmen, sofern möglich.

Wie wäre es also statt dessen mit einem Vorsatz, den wir vor das Jahr schreiben, wie eine Einleitung? Aus der Psychologie wissen wir, dass wir Pläne schaffen, je klarer wir uns den Plan dahin konkret vorzeichnen. Es ist ein bisschen wie eine Wegbeschreibung vor Navigationszeiten: Wenn man so ungefähr weiß, wo es lang geht, dann kommt man auch nur so ungefähr pünktlich an - wenn überhaupt. Wenn man sich aber genau beschreiben lässt wann man wo abbiegen soll, dann klappt es sicher und pünktlich mit der Ankunft. Also, lasst uns nach allen Regeln der Kunst Pläne machen. Ein guter Plan hat dabei drei Kernbestandteile: Ziel, Ressourcen und Umsetzungsschritte. Wie genau man so einen Plan machen kann, lest ihr im Tipp.

Vielleicht braucht es noch einen zweiten Tipp aus der Psychologie: Man muss sich die Dinge wirklich gut vorstellen. Je konkreter das Bild, desto näher kommt man ran. Aber Achtung: auch hier liegen Fallstricke. Ich bin der Typ, der sich in Perfektionismus verstrickt, sobald ich das Bild male. Ich stelle es mir dann so konkret und schillernd vor, dass ich garnicht rankommen kann. Und das führt wahlweise zu Enttäuschung oder Aufgeben. Beides ein solider Weg zum eigenen Frust. Eine andere Schlinge kenne ich auch ganz persönlich: Nicht nur die guten Bilder werden schnell Wirklichkeit, auch die schlechten. Ihr könnt Euch garnicht vorstellen, wie beeindruckend realistisch man mit schwarzer Farbe malen kann. Alles besteht dann aus Schatten, hat eine dunkle Seite und erdrückt mit Schwärze. Gleichzeitig ist es so detailgenau, dass man sich in einer Realität wähnt, die keinen Widerspruch duldet.

Für jene wie mich ist es daher vielleicht besser, sich keine detaillierten Vorsatzgemälde an die Wand zu hängen, zu gefährlich ist es, dass ich mir eine Welt male, die ich vielleicht garnicht will oder meine. Für mich ist dieses Jahr ein Vorsatz genau das Richtige. Eine kleine Richtschnur, an der ich das Jahr befestige, dass es mir nicht wieder entgleitet wie das Letzte (Pandemie hin, Pandemie her). Ich glaube, mir reicht ein Bild, das mich daran erinnert, dass ich die Herrin meiner Vorsätze bin und kein Opfer von Wünschen. Ich hatte garnicht vor, diesem Text einen Satz hinzuzufügen - aber die liebe Anne hat mir einen gespendet, den ich mir gerne nehmen möchte: „Krise ist kein Zustand. Krise ist griechisch und heißt Wendepunkt. Es ist die Erkenntnis zu sagen, nee, so ist scheiße. Machen wir jetzt anders.“

Ach, und ein letztes: Ich habe für mich entschieden, dass es ganz egal ist, wann ich den Vorsatz fasse. Es ist also nie zu früh oder zu spät. Jede Dekade beginnt auch nur mit einer Sekunde.

Tipps der Woche

Neues Jahr, neue Vorsätze. Warum machen wir das eigentlich immer? Wie wäre es mal, zufrieden in das neue Jahr zu starten - immerhin haben wir das letzte geschafft, was will man mehr?! Wer doch ein paar Vorsätze hat, der bekommt hier ein paar Tipps zur Umsetzung und die ein oder andere Erinnerung, warum wir vielleicht auch mal bleiben dürfen, wie wir sind.

Die Psychologie der Vorsätze

Katharina

In meinem Mensch zu Mensch habe ich heute darüber geschrieben, wie wichtig es bei Vorsätzen ist, dass wir in der Handlungsposition sind und uns klar vorstellen, was wir wollen, damit es mit der Umsetzung klappt. Ich möchte Euch hier eine Strategie dafür an die Hand geben, die aus der Psychologie stammt.

Das Ziel ist täglich zu Meditieren? Dann frage ich mich, habe ich die Ressourcen dazu: Zeit (wenn ja, wann am Tag?), ggf. eine App, die mir hilft und einen Ort, an dem ich mich wohlfühlen kann. Fehlt hier etwas, dann muss das beschafft werden, sonst klappt es nicht. Ist das vorhanden, dann braucht es einen Umsetzungsplan. Vielleicht male ich mir einen Kalender, wo ich meine tägliche Meditationseinheit abhaken kann? Vielleicht suche ich einen festen Moment am Tag? Hauptsache, es ist möglichst konkret und sichtbar. Denn wenn wir nicht sehen, dass wir dem Ziel näher kommen, verlieren wir schnell die Lust.

Gleiches könnt ihr auch mit weniger greifbaren Zielen machen. Euer Plan ist es, verbindlicher zu werden? Dann schreibt zu erst auf, was ihr damit meint (konkrete Zieldefinition). Heißt es, dass ihr Aufgaben pünktlicher abgeben wollt? Konkretere Zeiträume benennen möchtet? Mehr oder weniger Versprechungen machen (und dann auch halten) gedenkt? Je klarer das Ziel, desto klarer findet ihr dort hin. Und dann sind es die gleichen Schritte wie oben: Habe ich die Ressourcen dazu? Heißt: was brauche ich, um zum Beispiel Aufgaben pünktlicher abzugeben? Vielleicht einen konkreteren Tagesplan? Vielleicht aber auch eine bessere Aufgabendefinition? Vielleicht ist die Ressource auch hier Zeit, die ich konsequenter frei halten muss?

Benennt die Ressourcen genau so konkret wie das Ziel. Und dann setzt euch realistische Zwischenziele, die visualisiert werden können. In so abstrakten Themen hilft ein Zettel, auf dem ihr fürs erste zehn Quadrate skizziert, die alle stellvertretend für eine Situation stehen, in der ihr es geschafft habt, verbindlicher zu sein - oder was auch immer ihr Euch vorgenommen habt. Wenn ihr fünf ausgemalt habt, klopft ihr Euch auf die Schulter, bei zehn Quadraten gönnt ihr Euch Euren Lieblings-Café - oder was auch immer euch glücklich macht.

Abschließend noch eine kleine Erinnerung: Es ist nicht leicht, neue Gewohnheiten einzuüben. Nicht für mich, nicht für Dich und nicht für die tolle Influencerin. Es gehört dazu, enttäuscht oder genervt zu sein. Und auch, dass es gerade an Neujahr schwer ist. Lasst Euch nicht unterkriegen!

Inspiration für Vorsätze gesucht? Hier lang!
Manchmal möchte man sich ja gerne etwas vornehmen, weiß aber nicht so recht was. Utopia hat zehn machbare Vorsätze zusammengestellt, denen man ganz einfach folgen kann. Und ganz nebenbei tut man auch noch etwas Gutes. Also: Worauf warten wir noch?
Utopia.de

Dies und Das

Geduld, nur Geduld
Die gute Nachricht vorweg, Geduld kann man lernen. Wie das geht und welche kleinen Übungen wir dafür in unseren Alltag integrieren können, könnt ihr bei Deutschlandfunk Nova nachlesen und hören, im Gespräch mit der Psychologin Muriel Böttger. Sie verrät auch, was das Wichtigste ist und die größte Herausforderung auf dem Weg zu mehr Geduld. Spoiler: Genau, eben diese - Geduld und Zeit.
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Online wird gegendert
Der Online-Duden wird bereits seit Herbst schrittweise auf eine gendersensible Sprache umgestellt. So findet man dort immer häufiger zwei Artikel für Personenbeschreibungen, einen für die männliche und einen für die weibliche Variante. So soll nach und nach das generische Maskulin aus dem Online-Nachschlagewerk verschwinden. Anders ist es jedoch bei der gedruckten Ausgabe. Hier wird aus Platzgründen darauf verzichtet.
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Durch den Winter
Wie kommen wir durch diesen durch Corona geprägten Winter? Und diese Frage stellt sich nicht nur im hinblick auf das Infektionsgeschehen, sondern auch mit Blick auf die psychische Belastung die die Pandemie und die mit ihr einhergehenden aktuellen Maßnahmen mit sich bringt. Professor für behaviorale Psychotherapie an der TU Dresden, Jürgen Hoyer hat zum Thema Ängste und Angsterkrankungen im Bezug auf die derzeitige Corona-Lage mit der Zeit gesprochen.
DIE ZEIT

Wir hoffen, dass diese Ausgabe euch den Start in 2021 etwas erleichtert hat. Auch wenn viele Dinge im Moment unsicher erscheinen - Wir werden euch weiter mit angstfreien Nachrichten und unseren Texten von Mensch zu Mensch begleiten.

Euer angstfrei.news Team

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