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Leistung | 23. Januar 2021

Katharina

Liebe Leserinnen und Leser!

"Es ist eine gute Leistung, sich so anzunehmen, wie man ist." – als ich Lauras Mensch zu Mensch heute gelesen habe, habe ich mich in jeder zweiten Zeile ertappt gefühlt. Sie schreibt darüber, dass wir oft Leistung erbringen, um geliebt, geachtet, akzeptiert zu sein - oder schlicht aus der Angst heraus, dass das alles nicht stattfindet, wenn wir es nicht wert sind. Denn das steht hinter diesem Mechanismus: Ich strenge mich an, um zu beweisen, dass ich es wert bin. Dass ich es wert bin, dass man mir Zeit schenkt, dass man mich mitdenkt, dass man mich liebt. Weil ich es nicht aus mir selbst heraus glaube. Und je mehr Angst ich habe, das alles nicht zu sein, desto mehr leiste ich dagegen an. Das macht mürb und all die Kraft verpufft im Nirgendwo. Irgendwie schade.

Leistung ist in unserer (v.a. westlichen) Gesellschaft positiv besetzt: Wir vergleichen Kinder in ihrer Entwicklung, werden in Bildungsniveaus unterteilt, erhalten Noten, Abschlüsse, Arbeitszeiten, Leistungs-Boni, präsentieren unser - natürlich hart erarbeitetes - blitzblankes Leben in den Sozialen Medien und bekommen dafür Herzchen. Je schöner, toller, weiter, anstrengender und beeindruckender, desto besser. Und auch das macht mürb. Wir merken das nur oft nicht. Denn bei all dem Leisten, sehen wir oft die Leistung nicht, die wir tagtäglich erbringen. Davon lest ihr heute im Mensch zu Mensch von Anne. Sei es endlich dieses Paket zur Post bringen, den Biskuit aus der Form bekommen, einen Homeoffice Tag ordentlich zu strukturieren oder schlicht inmitten dieser absurden Zeit noch immer nicht in die Knie gegangen zu sein.

Und: Wir übersehen nicht nur unsere eigene, sondern oft auch die Leistung anderer, weil sie eben nicht so hübsch aus unseren Smartphones glitzert. Davon schreibt Tina in ihrem Mensch zu Mensch und stellt uns wahre - oft verborgene - Held:innen vor.

Auf ein paar verborgene Leistungen in dieser Ausgabe möchte ich Euch noch hinweisen: Das Schwarzbrot, das sich heute mit Virus-Varianten beschäftigt, wurde erstmals von Anne und Tim gemeinsam verfasst. Das Team findet: Ein formidabler Einstand! In den Tipps haben wir Ideen zur Leistungssteigerung und zum Abbau von Ängsten zusammengestellt und ganz am Ende gibt es ein Augenzwinkern zu einer nicht-Leistung auf der Amtseinführung von US-Präsident Biden, die seit Tagen durch das Internet geistert.

Kurzum: Auf Euch wartet eine randvolle Ausgabe wie immer mit viel Liebe, Gehirnschmalz und Leidenschaft - die beste Form von Leistung, wenn ihr mich fragt.

Viel Freude beim Lesen wünschen
Katharina und das Team von angstfrei.news

Ganz wichtig: Was meint ihr zum neuen Konzept und zu dieser Ausgabe? Bitte gebt uns ein kurzes Feedback - das wäre hilfreich und sehr nett. Übrigens nehmen wir unser Motto ernst: Angst hat eine Stimme - Deine. Wir sind ein Team von Freiwilligen und schreiben über unsere Angst-, Lebens- und Alltagserfahrungen, ohne ein Richtig oder Falsch, oft mit Verstand und immer mit Herz. Wir freuen uns über dich in unserem Team. Trau dich einfach und schreib uns eine Mail an angstfrei.news@gmail.com, oder über Instagram.

Die guten Nachrichten der Woche

Rückgang der Infektionszahlen
Der Trend der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zeigt klar nach unten. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) lag die 7-Tage-Inzidenz am Donnerstag der vergangenen Woche (21.1.) auf dem niedrigsten Wert seit elf Wochen. Auch die täglich gemeldeten Infektionszahlen sinken langsam aber stetig. Eine Entwarnung spricht das RKI trotz des positiven Trends nicht aus. Noch immer sei die Situation ernst und die Maßnahmen angemessen, so der Lagebericht vom vergangenen Freitag dem 22.1.2021.
Tagesschau
RKI-Lage

2020: Weniger Touristen sorgten für Erholung von Tierarten
2020 erholten sich einige Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Hintergrund sind wohl das Ausbleiben von Tourist*innen. Dies führte zu weniger Verschmutzungen und Störungen für die Tiere. Zu den gestärkten Tierarten zählen Meeresschildkröten in Tunesien, Wölfe in Colorado oder die Bienenvölker in Notre Dame, die nach dem Brand 2019 als vernichtet galten (wobei dies aller Voraussicht nach nicht mit der Coronakrise in Verbindung steht). Besonders erfreulich ist auch das verstärkte Auftreten von Blauwalen in der Arktis: innerhalb von einem Erhebungszeitraum von 23 Tagen 2020 wurden 55 Exemplare gesichtet. Zum Vergleich; in einer gleichen Periode 2018 war es nur ein einziger. Auch Australien berichtet ein kleines Wunder: nach 3.000 Jahren ist der Tasmanische Teufel dort erstmals wieder in einem Schutzgebiet angesiedelt worden.
Schildkröten in Tunesien (Guardian)
Blauwale in der Arktis (BBC)
Bienen in Notre Dame (Guardian)
Tasmanischer Teufel (Voice of America)
Wölfe in Colorado (National Geographic)

Schwarzbrot: B-Ware

Tim

In dieser Rubrik möchten wir etwas tiefer in die Nachrichtenlage der Woche einsteigen. Mal eher hintergründig, mal eher serviceorientiert recherchieren wir für euch selbst, statt wie im darunter folgenden Nachrichtenblock Nachrichten auszuwählen und in eine angstfreie Sprache zu übersetzen. Wir hoffen, es mundet euch.

Drei neue Varianten des Corona-Virus beschäftigen grad viele Expert*innen. Wir erklären, was Mutationen sind, was über die drei Varianten bekannt ist und welches Risiko von ihnen ausgeht.

Mutation, was ist das?- Kopierfehler

Eine Mutation ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Kopierfehler in der Erbsubstanz. Wenn die Viruszelle sich vervielfältigt, kann es zu Fehlern beim Kopieren der Erbsubstanz kommen. Das ist nicht selten und auch nicht weiter schlimm. Das ist schlicht Teil der Evolution - solche Fehler passieren bei allen Lebewesen. Bei Viren aber besonders häufig. Diese Kopierfehler können die Eigenschaften des Virus verändern und beeinflussen. Bringt die Veränderungen Vorteile gegenüber der ursprünglichen Variante, verbreitet sich die neue Variante des Virus und verdrängt die alte.

So verändert sich das Ursprungsvirus langsam, von Kopie zu Kopie. Die meisten Veränderungen sind nur im Erbgut, ohne dass sich die Eigenschaften des Virus verändern. Aktuell gibt es aber drei Virusvarianten, bei denen eine Veränderung an der Virusoberfläche entstanden ist - am sogenannten Spike-Protein. Das verändert die Fähigkeiten des Virus, an Zellen kleben zu bleiben oder in sie einzudringen, um sich dort zu vermehren.

Artenvielfalt I: die britische Variante - B.1.1.7

Bei dieser Virusvariante, die erstmals in Großbritannien festgestellt wurde und sich dort erfolgreich ausbreitet, hat die Veränderung der Spike-Proteine dafür gesorgt, dass sie sich besser an menschlichen Zellen, dem so genannten Wirt, andocken können. Vermutlich reicht deswegen eine geringere Virusmenge aus, um sich mit dieser Variante anzustecken. Auch eine kürzere Begegnung könnte für eine Infektion ausreichen. So schafft es B.1.1.7. schnell in weiten Landesteilen auszubreiten.

Somit ist diese Virusvarinte infektiöser, aber, und das klingt zunächst nach einer guten Nachricht, nicht tödlicher. Bisher sind keinen Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf bekannt. Aber je mehr Menschen sich anstecken, desto mehr Menschen können schwer erkranken, desto mehr Menschen könnten an einer Infektion sterben. Das erklärt die hohen Zahlen an Neuinfektionen und Todesfällen durch diese Virusvariante. Nach aktuellen Kenntnisstand geht die Wissenschaft von einer etwa 35% höheren Infektiosität im Vergleich zur ursprünglichen Variante aus.

Artenvielfalt II: die südafrikanische Variante - B.1.351

Auch bei dieser Variante - zuerst in Südafrika nachgewiesen - haben sich die Spike-Proteine verändert, so dass sie sich besser an menschlichen Zellen andocken und so auch besser verbreiten können - ganz ähnlich wie ihr britischer Verwandter. Hier gehen Expert*innen davon aus, dass sie bis zu 50 Prozent ansteckender ist. Noch ist diese Zahl aber unsicherer als die zu der britischen Variante. Somit kommt es auch zu mehr schweren Krankheitsverläufen. Die südafrikanischen Behörden haben trotzdem keinen höheren Anstieg an Todesfällen in Zusammenhang mit COVID-19 verzeichnet.

Inzwischen ist diese Virusvariante in Südafrika weit verbreitet und drängt das Ursprungsvirus zurück. Auch in Deutschland sind Infektionen mit B.1.351 festgestellt worden. Bei allen betroffenen Patienten konnte eine Rückverfolgung nach Südafrika festgestellt werden.

Artenvielfalt III: von Brasilien bis Hessen

Die dritte im Bunde ist erstmals in Brasilien nachgewiesen worden und ähnelt der Virusvariante aus Südafrika. Auch die brasilianische Verwandschaft scheint ansteckender zu sein, bewirkt aber keine schwereren Verläufe. Sie wurde hierzulande erstmal in Hessen nachgewiesen, bei einer Person, die aus Brasilien eingereist ist. Vor wenigen Tagen wurde auch in Garmisch-Partenkirchen ein Virus mit einer veränderten Erbsubstanz entdeckt - diese hat vermutlich aber keinen Einfluss auf die Eigenschaften des Virus. Proben werden aktuell in der Charité untersucht.

Bedeutungen für die Impfstrategie

Bisher gibt es keine Hinweise dafür, dass die verschiedenen Impfstoffe gegen die neuen Varianten weniger wirksam sind. Einer vorveröffentlichten, also noch nicht begutachteten Studie zufolge ist der BioNTech-Pfizer-Impfstoff aber auch gegen die derzeitigen Virusvarianten wirksam. Allerdings wurde immer nur eine Mutation getestet und nicht ein Mix aus vielen Veränderungen, wie er in der Umwelt vorkommt. Allerdings kann ein mRNA-Impfstoff ziemlich schnell an eine neuen Mutation angepasst werden. Diese müsste jedoch unter Umständen neu zugelassen und natürlich erneut in der Bevölkerung verteilt werden.

Ein weiteres Problem könnte durch sogenannten Immunescape entstehen: Nach einer Infektion, oder nach einer Impfung erkennt das menschliche Immunsystem das Virus, wenn es versucht sich an die Zellen anzudocken. Das Immunsystem ist gewarnt und weiß sich zu wehren. Bei den derzeit schnellen und erfolgreichen Veränderungen des Virus, besteht die Möglichkeit, dass es sich zukünftig so entwickelt, dass unser Immunsystem es nicht mehr so gut erkennt. Dadurch wären die bisherigen Impfmittel nicht mehr so wirkungsvoll, wie gegen die Ursprungsvariante. Insbesondere bei der Variante aus Südafrika gibt es diesbezüglich einen Verdacht, der sich aber noch nicht bestätigen lässt.

Aufgrund der höheren Verbreitungsgeschwindigkeit der drei Varianten wird jetzt eine Veränderung der Impfstrategie diskutiert, die auch schon in einigen Ländern wie dem Vereinigten Königreich angewandt wird: Statt die zweite Impfdosis für drei Wochen nach der ersten Impfung aufzubewahren, gibt man so vielen Menschen wie möglich erst einmal eine Impfung. Sobald die zweite Dosis ansteht, wird auch sie ausgegeben - sofern noch genügend Impfstoff da ist. Eine vorläufige israelische Studie legt nahe, das eine einmalige Impfung bereits eine Wirksamkeit von 50% haben könnte. Auch eine Modellierung der beiden Strategien im Vergleich lässt vermuten, dass bei der flexiblen Strategie wenige COVID-19-Erkrankungen entstehen. In Deutschland hält man derzeit an der bisherigen Impfstrategie fest.

Die neuen Virusvarianten sind eine weitere Herausforderung in der Pandemie. Die gute Nachricht bleibt auch, dass wir deren Verbreitung genauso wie bei dem Ursprungsvirus vermindern können und so Tod und Spätfolgen verhindern. Deshalb: Maske auf, Hände waschen, Abstand halten, physische Kontakte reduzieren, Warn-App nutzen, solidarisch bleiben.

Dieser Artikel ist Teil der losen Reihe von Basisinformationen zur COVID-19-Pandemie. Es folgen Beiträge zu Verschwörungserzählungen, der Akzeptanz von Maßnahmen und weitere Themen. Gern könnt ihr uns Feedback geben, welche Themen euch besonders interessieren.

Nachrichten

angstfrei.news ist gestartet als ein Projekt, das unaufgeregt die Neuigkeiten des Tages - jetzt der Woche - zusammenfasst. Ihr habt uns bestärkt, dass dieser Service wichtig ist, daher bleiben wir ihm treu für all jene, denen die Flut an Nachrichten zu viel wird. Deswegen fassen wir hier für euch die wichtigsten Entwicklungen im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie in der vergangenen Woche zusammen.

Inland

Corona-Beschränkungen bis 14. Februar verlängert und teilweise verschärft
Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung der Corona-Maßnahmen geeinigt. Grund dafür sind die deutschlandweit zwar leicht gesunkenen, aber immer noch hohen Infektionszahlen. Neu ist, dass Bürger*innen ab sofort im ÖPNV, beim Einkaufen und in sonstigen öffentlichen geschlossenen Räumen medizinische Masken tragen müssen. Dies sind Masken vom Typ FFP-2, KN95/N95 oder OP-Masken. Stoffmasken schützen nicht genügend vor Ansteckung. Für Menschen mit geringem Einkommen plant die Bunderegierung einen finanziellen Zuschuss zum Maskenkauf.

Weiterhin dürfen Bürger*innen sich nur mit einer Person aus einem weiteren Haushalt treffen. Arbeitgeber*innen müssen ab kommender Woche Arbeitnehmer*innen, wo dies möglich ist, Arbeit im Home-Office ermöglichen. Ansonsten müssen Arbeitgeber*innen medizinische Masken bereitstellen und Raumbelegungen reduzieren.

Berufstätige in Alten- und Pflegeheimen müssen ab sofort beim Kontakt mit Bewohner*innen FFP-2-Masken tragen. Außerdem müssen sich Personal und Besucher*innen Corona-Schnelltests unterziehen. Kinder im Schul- und Kindergartenalter müssen auch weiterhin zuhause bleiben, außer, wenn sie eine Notbetreuung brauchen.

Gläubige dürfen weiterhin Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen besuchen, müssen aber auch am Platz eine medizinische Maske tragen. Verantwortliche müssen Zusammenkünfte von mehr als 10 Menschen beim Ordnungsamt anmelden. Ziel der verlängerten Maßnahmen ist, dass auch in Regionen mit sehr hohen Inzidenzwerten bald eine Absenkung auf 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner über eine Woche erreicht wird. Bis Mitte Februar wollen Bund und Länder eine „sichere und gerechte Öffnungsstrategie“ für die Zeit nach dem Lockdown erstellen.
→ Tagesschau (Verschärfung Lockdown)
→ ZDF (Corona-Beschlüsse)
→ Bundesregierung (Beschluss vom 19. Januar 2021)
→ Tagesschau (Masken-Zuschuss)

Impfungen: Verzögerungen, Fortschritte und höhere Bereitschaft
Die Impfrate in Deutschland steigt trotz Lieferengpässen weiter an. Insbesondere Thüringen und Sachsen, die zuvor bundesweit die geringsten Impfquoten aufwiesen, holten in den vergangenen Wochen auf – Sachsen hatte zuletzt sogar Hessen, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen überholt.

Wegen eines Lieferengpasses des Herstellers BioNTech/Pfizer müssen die meisten Bundesländer nun jedoch einige der geplanten Impfungen pausieren. So bekommt NRW etwa 100.000 Dosen weniger, das bevölkerungsarme Thüringen und Rheinland-Pfalz 30.000 Dosen weniger. Die Länder gehen unterschiedlich damit um. Während einige lediglich die geplanten Termine reduzieren, stellt NRW den Impfbetrieb bis zur folgenden Lieferung ein. Dank des langsamen Starts kann Sachsen den Betrieb vorerst aufrecht halten. Bis Mitte Februar treffen in den Bundesländern auch die ersten Dosen des Impfstoffes von Moderna ein. Auch weitere Impfzentren werden in den Bundesländern in Betrieb genommen.

Parallel zu der Entwicklung der Impf-Infrastruktur wächst auch die Impfbereitschaft in Deutschland. Über die Hälfte (54%) der Deutschen plant mittlerweile eine Impfung gegen das Coronavirus, sobald dies möglich ist. Das sind 17% mehr als noch im November. Für eine Herdenimmunität braucht es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation 60 bis 70 Prozent tatsächlich geimpfter Menschen. Seit dem Start der Impfungen am 27. Dezember haben etwa 1,3 Millionen Deutsche eine Impfung erhalten.

Während die Impfungen zunehmen, wächst die Diskussion über Vorteile für Geimpfte. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht und Außenminister Heiko Maaß sprechen sich dafür aus, dass Geimpfte etwa vorzeitig Restaurants oder Kinos besuchen dürfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig lehnen dies hingegen ab. Dagegen spräche, dass noch nicht sicher sei, ob Geimpfte nicht weiterhin ansteckend sein können sowie die Solidarität innerhalb der Bevölkerung. Bundesinnenminister Horst Seehofer fürchtet eine Impfpflicht durch die Hintertür, sollten Vorteile für Geimpfte kommen.
Tagesschau (Lieferverzögerungen)
NDR (Impfbereitschaft)
Tagesschau (Vorteile für Geimpfte)
Spiegel Online (Impfzahlen und Kritik)

Befürchteter Anstieg auf Intensivstationen nicht eingetreten
Auf deutschen Intensivstationen hat es nicht den befürchteten Anstieg in Folge der Feiertage gegeben."Wir können keinen Weihnachts- oder Silvesterpeak erkennen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Gernot Marx. Den Bürgerinnen und Bürgern danke er für "große Disziplin". Viele Epidemiolog*innen waren aufgrund vermehrter Kontakte zu Weihnachten von steigenden Infektionszahlen Ende Dezember ausgegangen. Diese hätten sich dann mit zwei bis drei Wochen Verzögerung in der wachsenden Auslastung von Intensivstationen gezeigt. Vier Wochen nach Weihnachten scheint dies nicht der Fall.

Dennoch sterben immer noch viele Menschen im Zusammenhang mit dem Virus.: Am Freitag (22.1.) wurde die symbolische Zählmarke von 50.000 Todesfällen in Deutschland überschritten. Eine Auswertung des statistischen Bundesamts zeigte zudem, dass auch Ende Dezember insgesamt 31% mehr Menschen als sonst im langjährigen Mittel in Deutschland starben. Diese Phänomen heißt Übersterblichkeit. In Sachsen starben sogar mehr als doppelt so viele Menschen wie sonst in diesem Zeitraum.
Tagesschau.de

Ausland

Biden präsentiert Corona-Strategie und Frankreich verschärft Reisebeschränkungen
US-Präsident Joe Biden hat seine COVID-19-Strategie vorgestellt. Er plante eine Quarantänepflicht für Einreisende in die USA, Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Flugzeugen sowie ein landesweites Impfprojekt. Biden zeigte sich besorgt wegen der anhaltend hohen Verbreitung und den etwa insgesamt 500.000 Todesfälle infolge des Corona-Virus. Zudem sind COVID-19-Patient*innen in mehreren Bundesstaaten an neuen Varianten des Virus erkrankt. „Es wird erst schlechter, bevor es besser wird“, so der US-Präsident.

Biden kündigte an, in den nächsten 100 Tagen bis zu 100 Millionen Impfdosen kostenfrei zu verabreichen. Große Apothekenketten sollen das unterstützen. Zusätzlich zur pflichtmäßigen Mund-Nase-Bedeckung fordert Biden für die nächsten 100 Tage das freiwillige Tragen einer Maske im Alltag. Als Berater bestellte sich Biden den bekannten Immunologen Fauci wieder ins Weiße Haus.

Einreisende aus anderen Ländern müssen sich ab sofort vor der Einreise einem Corona-Test unterziehen und in Quarantäne begeben. Auch die EU beschloss pandemiebedingt strengere Maßnahmen für Reisende. So müssen Einreisende nach Frankreich ab kommende Woche einen negativen PCR-Test vorweisen. Für Reisende aus Zonen mit sehr hohen Inzidenzwerten erwägt die EU verpflichtende Tests und eine Quarantänepflicht. Undifferenzierte Grenzschließungen solle es zunächst nicht geben, aber nicht notwendige Reisen sollen möglichst vermieden werden.
Tagesschau (USA)
→ Süddeutsche Zeitung (Video REUTERS)
→ Zeit Online (Video REUTERS)
→ Süddeutsche Zeitung (Video Faucis Rückkehr)
→ Tagesschau (EU)
→ Tagesschau (EU-Corona-Gipfel)

Norwegen untersucht Todesfälle nach Impfungen
Norwegen untersucht 23 Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Corona-Impfungen. 13 Betroffene wurden obduziert. Alle waren stark gebrechlich, über 80 Jahre alt und verstarben innerhalb von vier Tagen nach der ersten Impfung. Noch ist unklar, ob die Todesfälle durch die Impfung ausgelöst oder zumindest wahrscheinlicher gemacht wurden, oder ob diese von der Impfung unabhängig passierten. In norwegischen Pflegeheimen sterben jede Woche zwischen 300 und 400 Menschen.

Die Todesfälle hatten international viel Aufmerksamkeit erregt, nachdem der russische Staatssender RT von einem “Impfmassaker” gesprochen hatte und die Einstellung des norwegischen Impfprogramms für Senior*innen behauptet wurde. Auch die NPD und die “Querdenken”-Bewegung hatte das in Deutschland verbreitet. Tatsächlich hatte das norwegische Institut für öffentliche Gesundheit lediglich seine Impfempfehlungen für schwerstkranke Senior*innen überarbeitet. Aufgrund derer nur noch sehr kurzen erwartbaren Lebenszeit könnte es sein, dass diese kleine Gruppe nicht von der Impfung profitiert. Eine Entscheidung zur Impfung sollte daher besonders gut durch die behandelnde Ärztin abgewogen werden.

Auch in Deutschland sind bereits zehn Menschen nach der Impfung gestorben. Auch hier waren hochbetagte, schwerstkranke Menschen betroffen. Das Paul-Ehrlich-Institut, dass in Deutschland Impfstoffe überwacht, hält es daher für wahrscheinlich, dass die Menschen an ihrer Grunderkrankung verstorben sind.
Faktisk.no (norwegische Faktenchecker*innen)
Tagesschau.de
Tagesschau.de (Anpassung der Impfempfehlungen)

Israel: Über 220.000 Impfungen an einem Tag
In Israel wurden 224.000 Impfungen am Donnerstag (21.1.) durchgeführt. Das schrieb der israelische Gesundheitsminister Edelstein auf Twitter. Insgesamt erhielten seit dem 19. Dezember 2,4 Millionen Menschen in Israel die erste und etwa 850.000 Menschen die zweite Impfung. Israel hat neun Millionen Einwohner*innen. In Deutschland gibt es neun Mal so viele Menschen - dennoch wurden hier nur 1,3 Millionen Menschen einmal und 78.000 Menschen zweimal gegen SARS-CoV-2 geimpft.

Es gibt mehrere Gründe für das hohe Tempo in Israel: Die Regierung hatte dem Pharmaunternehmen Pfizer schon im frühen Herbst etwa doppelt so viel Geld pro Dosis geboten wie die EU. Nun bekommt Israel im Januar bezogen auf die Bevölkerung etwa zehnmal so viel wie Deutschland. Zudem ist Israel ein flächenmäßig kleines Land mit einer eher jungen Bevölkerung - entsprechend schnell können die älteren Risikogruppen geimpft werden. Die vier staatlichen Krankenkassen mit ihren angestellten Ärzt*innen machen die Verteilung besonders effizient. Zusätzlich plant Israel demnächst die Impfzentren 24h am Tag sieben Tage die Woche zu öffnen. Premierminister Netanjahu will bis März 60% der Bevölkerung geimpft haben. In Deutschland ist dieses Ziel für den Spätsommer geplant.
Tagesschau.de
Twitter.com

Sport

Deutschland gewinnt gegen Kap Verde wegen Corona
Die deutschen Handballer gewinnen gegen Kap Verde, durch eine Spielabsage. Bei der Herren-Handball-WM in Ägypten war es zu mehreren Coronafällen im Team von Kap Verde gekommen. So fiel am Sonntag (17.01.2021) das Gruppenspiel aus und wurde als Sieg für die deutsche Mannschaft gewertet. So zogen sie vorzeitig in die Hauptrunde ein, verloren dort jedoch gegen Spanien und Ungarn. Jetzt haben sie nur noch theoretische Chancen auf die KO-Runde.
T-Online

Corona in Zahlen
In Deutschland sind 2.581.329 Menschen als infiziert getestet worden (Stand: 16.03.2021 00:00 Uhr, Quelle: RKI), das sind 5.480 Personen mehr als am Tag zuvor.

Warum diese Zahlen? Wir zitieren hier die offiziellen Zahlen des RKI, diese werden einmal täglich – immer um Mitternacht – vom RKI aktualisiert und um 10 Uhr morgens online veröffentlicht. Und warum gibt es hier nicht mehr davon? Es ist wichtig, die aktuell angeratenen Verhaltensweisen zu befolgen, das wissen wir alle. Zahlen über Neuerkrankte helfen uns dabei nicht. Achtet aufeinander und haltet Distanz.

Gesundheitsticker: 97.817.872 Menschen sind weltweit wieder genesen, das sind 393.198 Personen mehr als gestern Früh. Davon 2.383.600 in Deutschland (Stand: 17.03.2021 06:29 Uhr, Quelle: Worldometers).

Von Mensch zu Mensch

Die Macht und Vielfalt des Wortes Leistung
Laura

Dieses mächtige Wort Leistung lässt meine Herzrate ansteigen. Sofort schießen mir 100 Gedanken wie Blitze durch den Kopf, die ich mit Leistung bewusst und unbewusst verbinde.

Einige Menschen mit Angsterkrankungen kennen das Gefühl vom Anstieg des Herzschlags. Das Herz macht Sprünge, ob dies aufgrund von Aufregung, Sorge oder Freude geschieht, macht in diesem Moment keinen Unterschied, denn alles, was man dann empfindet, ist pure Angst. Angst, man würde gleich einen Herzanfall bekommen und sicher an Ort und Stelle sterben. Ein unangenehmes, aber in den allermeisten Fällen kein tödliches Gefühl.

Ein Gefühl von Angst, das in Panik umschlagen kann, und bei dem man die gefühlte Kontrolle über seinen Körper und alle physiologischen Reaktionen verliert. Verlust von Kontrolle = Versagen. So ist es bei mir im Kopf verknüpft. Versage ich, verliere ich die Kontrolle, schaffe ich es nicht, schwere Gefühle unterm Kessel zu halten, habe ich keine adäquate Leistung gezeigt. Dann fühle ich mich schlecht, deprimiert, weniger wert, bis hin zur Wut mir selbst gegenüber.

Leistung kann von Grundannahmen über die Welt zu einer Überlebensregel werden. Beispielsweise, dass man immer maximale Leistung bringen muss, um anerkannt und akzeptiert zu werden. Verinnerlicht man ein solches Muster, ist es nicht so einfach, sich dessen bewusst zu werden und es zu brechen.

Ich bin innerlich sehr getrieben von einer Energie, die mich zu Leistung bringt. Im Sport empfand ich dies immer als toll und hilfreich, denn es verhalf mir mein Potential auszuleben und ich hatte dabei auch Spaß. Doch nicht nur beim Sport will ich immer die Beste sein, sondern gerne auch in allen anderen Bereichen, in denen ich mich bewege. Ich möchte ungern verlieren, schlecht abschneiden, oder die Kontrolle verlieren, denn mein Unterbewusstsein hat wohl verinnerlicht: wenn ich die Leistung, die von mir erwartet wird, nicht erbringe, ist das negativ. Es folgt Bestrafung. Klassisches Lerngesetz.

Die Erwartung anderer zu erfüllen, obgleich sie nicht der eigenen entspricht, ist anstrengend, kostet Energie und Kraft und führt fast immer zur Enttäuschung und trotzdem ist es so schwer, sich davon zu lösen. Hat man Geschwister, steht man vielleicht schon früh mit diesen im Vergleich. Ist die Schwester oder der Bruder besser im Sport, in der Musik, in der Schule, oder auch später im Job, und erhalten sie hierfür Anerkennung, dann ist man bereits hier (familiärer Kontext) im Leistungsvergleich, denn wer möchte nicht gerne Anerkennung für das, was er oder sie leistet.

Wird es zum Hauptmotiv, dass wir Dinge machen, um die Anerkennung anderer zu erlangen, so ist das nicht selten mit enormem Druck und Versagensangst verbunden. Denn gekoppelt an diese Anerkennung oder die Leistung /Versagen, die dem vorausgeht, ist der Glaubenssatz: Nur wenn ich Leistung bringe, dann bin ich gut und werde geliebt. Nichts anderes geschieht auch in den meisten Schulen, wo der Wahnsinn weitergeht. Hier werden kleine Menschen in einer Ellbogengesellschaft herangezogen, bei der es ausschließlich um Leistung geht, nicht um das, was dieser Mensch individuell besonders gerne macht und daher vermutlich auch gut kann. Es geht um eine Leistung, die alle anhand von nicht selten fragwürdigen Noten vergleichbar machen soll. Arbeitet man im Job härter als die Kollegin, macht man mehr Überstunden und widersetzt man sich nicht dem, was von der Chefin verlangt wird, hat man auch die besseren Chancen auf eine höhere Position, höher, besser, mehr und mehr ist das Motto, das Menschliche bleibt hier oft auf der Strecke.

Oder ein anderes Beispiel, aus dem Studium. Hier ist man oft gezwungen sich zu vergleichen, ob man das nun möchte oder nicht, denn die Masterplätze, zumindest im Psychologiestudium, sind begrenzt und heiß begehrt. So lautet auch hier die Devise, mit unter den Besten zu sein, wenn möglich doch die Beste und die Mitstreiterinnen auszustechen, seine Lernunterlagen nicht zu teilen, damit bloß keine andere die Chance auf eine bessere Zensur hat, als man selbst. Diese Leistungsgesellschaft zwingt uns Menschen in den Vergleich, bei dem andere Werte und das Menschliche schlichtweg zu kurz kommen, bis gar nicht mehr berücksichtigt werden.

Ich war schon immer sehr aufgeregt vor Klassenarbeiten. Ich hatte Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein und keine Anerkennung zu erhalten. Meine Schulzeit war eine Tortur, was, wie ich heute weiß, nicht ausschließlich an mir und meiner Leistung lag.

Scheinbar verband ich schon früh gewisse Leistung zu erbringen damit, wie gern man mich mag, wie gut ich bin, oder was mich ausmacht, weshalb der Druck für mich immer größer wurde und mein Glaube an mich kleiner, denn ich war nie die klassische Einser-Kandidatin. Schule fiel mir nicht so leicht und ich musste mehr lernen als andere. Glücklicherweise habe ich einen unbändigen Ehrgeiz, der mich stets antrieb das zu verfolgen, was ich wirklich wollte, um an mein Ziel zu gelangen. Dieser Weg zum Ziel hatte einige Umwege und ich bin noch immer nicht ganz angekommen, aber ich befinde ich mich zumindest noch in der richtigen Spur. Darauf bin ich stolz.

Einige meiner dysfunktionalen Glaubenssätze haben sich schon früh manifestiert. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Leistung, die ich zu bringen habe weniger mit schulischer Leistung zu tun hatte, sondern eine soziale Leistung war. In dem schulischen Kontext waren die Erwartungen eher niedrig an mich, woraus sich vielleicht mein starker Wille entwickelte, genau das Gegenteil zu beweisen, indem mich durchkämpfte und durchbiss, trotz der nicht leichten Bedingungen in der Schule, der Arbeit und im Studium. Immer alles zu geben und noch weit darüber hinaus, um zu beweisen, dass ich es doch, entgegen aller Erwartungen, schaffe. Das wollte und ich will ich mir selbst auch heute noch beweisen. Nicht selten geht es mir genau deshalb nicht besonders gut. Denn der Druck der auf mir lastet ist enorm.

Die sozialen Erwartungen, wie z.B. ein bestimmtes Verhalten, prägten mich jedoch fast noch mehr. Mein Verhalten früher entsprach nicht unbedingt den Erwartungen meines näheren Umfeldes. War ich laut und rebellisch, voller Energie und nicht angepasst, hatte das häufig Konsequenzen, die man nicht mehr vergisst und die unser großes Unterbewusstsein speichert. So lernt und verinnerlicht man vielleicht, dass man so wie man ist, nicht gut (genug) ist und eigentlich doch bitte anders sein soll. Eine Leistung, die zu erbringen ist, um andere zufriedenzustellen und sein Naturell zu unterdrücken.

Verinnerlicht man diese Glaubenssätze, fühlt man sich irgendwann mit großer Wahrscheinlichkeit nicht besonders gut, denn wir sind nun mal nicht auf dieser Welt, um die Erwartungen der anderen zu erfüllen. Die Diskrepanz zwischen dem wie wir eigentlich sind und dem wie wir zu sein haben, ist etwas was Unsicherheit in uns auslöst, man spürt einen Konflikt. Doch wir sind nicht da, um uns komplett zurück zu nehmen, damit andere nicht enttäuscht sind. Manche von uns haben die Erfahrung in der eigenen Lerngeschichte gemacht, dafür auf der Welt zu sein, um andere nicht zu enttäuschen und gewisse Leistungen zu erbringen, die andere Menschen zufriedenstellen.

Von der Angst vor Ablehnung oder der, dass andere enttäuscht sein könnten, wenn ich mich nicht so verhalte, wie sie es sich wünschen, wurde ich oft getrieben und sie machte mich krank. Genau von dieser Angst möchte ich mich jedoch wieder befreien. Ich möchte mich loslösen von den Erwartungen der anderen, es wieder aushalten lernen, wenn mein Verhalten oder meine Leistung andere enttäuscht. Wenn ich mir jedoch dadurch treu bleibe, meiner Einstellung und meinen eigentlichen Glaubenssätzen, meinen Wünschen und Bedürfnissen, dann ist das in einer klassischen Kosten-Nutzen-Analyse ein klarer Sieg des Nutzen für mich.

Es ist keine gute Leistung, wenn man sich über sein persönliches Wohlergehen kaputt arbeitet, um andere zufriedenzustellen. Es ist keine gute Leistung seine schweren Gefühle wie Trauer, Angst oder Wut zu unterdrücken, damit man andere nicht in eine unangenehme Lage bringt. Es ist keine gute Leistung, seine Bedürfnisse und Wünsche hinten anzustellen, um die der anderen vorrangig zu befriedigen. Es ist keine gute Leistung, wenn man sich selbst vergisst und sich nur fremd geleitet durch Lebens bewegt.

Es ist eine gute Leistung, wenn man sich selbst so akzeptiert, wie man ist und für die eigenen Wünsche und Ziele kämpft, unabhängig von den Erwartungen anderer. Es ist eine gute Leistung, sich auf diesen Weg zu begeben. Es ist eine gute Leistung, sich selbst zu vertrauen. Es ist eine gute Leistung sich so anzunehmen wie man ist und so zu lieben.

Laura schreibt auf beeindruckende Weise davon, dass wir Leistung nicht für andere erbringen sollten, zumindest nicht aus der Angst vor Ablehnung oder der Suche nach Liebe heraus. Tina wendet den Blick nun nach außen und zeigt Beispiele von Leistung, die wir schnell übersehen, obwohl es sich um wahre Held:innen handelt…

Wahre Helden und andere
Tina

Zu diesem Thema fällt mir sofort ein, dass wir jeden Tag Leistungen erbringen müssen, ob wir wollen oder nicht. Sei es im Berufsleben, bei der Kindererziehung oder in einer Partnerschaft/Ehe. Sie ist fast immer präsent und wird mit großer Selbstverständlichkeit von uns erwartet.

Im zarten Grundschulalter wird das Fundament gesetzt. Und von da an nimmt der Leistungsdruck seinen Lauf. Man klotzt ran für die weiterführende Schule. Im besten Fall schaffen wir das Abi. Danach geht es mit einer Ausbildung/Studium weiter. Bis schließlich die Karriereleiter empor geklettert wird. Irgendwann folgt die Eheschließung und der Nachwuchs lässt dann auch nicht mehr lange auf sich warten. So sieht im allgemeinen, dass vorgesehene Grundgerüst einer Lebensplanung aus.

Doch was passiert, wenn das Gerüst unerwartet zu wackeln beginnt? Wenn in Form einer Krankheit oder wie in momentaner Ausnahmesituation, ein Virus die Welt beherrscht? Schlagartig verändert das gezwungenermaßen die Lebensplanung. Jedoch bleibt der Leistungsdruck nach wie bestehen. In vielen Familien herrscht aufgrund des Coronavirus eine Krisensituation. Schulen und Kitas sind geschlossen und viele müssen ihre Arbeit im Homeoffice fortführen. Da braucht es ein starkes Nervenkostüm, alles unter einem Hut zu bekommen.

Ich finde, dass die Leistung, die wir zur Zeit Tag für Tag aufbringen, auf eine harte Probe gestellt wird. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir uns selbst nicht aus den Augen verlieren. Das wir uns selbst wertschätzen. Denn damit befassen wir uns viel zu selten, weil wir gewohnt sind, ständig unter Strom zu stehen um wie ein Uhrwerk zu funktionieren.

Doch was genau sagen die Leistungen über uns aus? Sieht man unsere Leistungen sofort auf dem ersten Blick?

Es gibt viele unterschiedliche Menschen die ihren eigenen individuellen Lebensstil gefunden haben. U.a. einkommensstarke Menschen, die sich durch harte Arbeit ein angenehmes und finanziell sorgenfreies Leben leisten können. Aber auch Menschen mit traurigen Schicksalen, die viel zu selten auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die jeden Tag aufs Neue gegen schwere körperliche oder psychische Krankheiten ankämpfen, bringen Leistungen hervor. Sie kämpfen! Diese Leistungen sind für andere zum Teil nicht sichtbar. Doch sie kämpfen immer weiter, auch dann noch, wenn sie spüren, dass ihre Kraftreserven mit jedem Tag weniger werden. Das ist auch eine Art von Leistung.

Gesundheit ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt Unmengen von Krankheiten, die nur mit Stärke und unermüdlichem Willen jeden Tag aufs Neue besiegt werden.

Gerade mit psychischen Erkrankungen steht Leistung in einem starken Zusammenhang. Menschen, die unter Ängsten leiden, kämpfen für ihre Freiheit. Für Menschen, die unter Depressionen leiden, ist es eine enorme Leistung, wenn sie erreichen, dass ein kleiner Lichtstrahl ihr Leben erhellt.

Aber auch alleinerziehende Mütter, die sich liebevoll um ihre Kinder kümmern und ihren Alltag ohne die Hilfe eines Partners stemmen. Oder die Menschen, die sich selbstlos um alte und kranke Personen kümmern. Tierschützer, die aufopferungsvoll um jedes Tierleben kämpfen. Allesamt sind Persönlichkeiten, die starke Leistungen hervorbringen.

Und zum Abschluss dieses Beitrags verneige ich mich vor Ärzten samt Pflegepersonal. Denn in dieser Pandemie sind sie für uns alle nicht nur ein Fels in der Brandung, sondern ein rettender Anker. Sie gehen Tag für Tag weit über ihre körperlichen und seelischen Grenzen hinaus und nehmen die Gefahr einer Ansteckung bewusst in Kauf. Jeden Tag aufs Neue stellen sie sich dem Virus um Menschenleben zu retten. Was diese Menschen körperlich und seelisch leisten, übertrifft all unserer Vorstellungskraft. Sie sind in dieser schweren Zeit die wahren Helden!

Von Tinas – und unser aller – Held:innen geht es nun abschließend zu der sehr wichtigen Frage von Anne, ob es nicht auch einfach mal genug sein darf, wenn es reicht. Anne findet: Ja und erinnert uns daran, dass es manchmal garnicht so leicht ist, die eigenen Leistungen überhaupt wahrzunehmen.

Sichtbar machen
Anne


Im vergangen Jahr schrieb ich in dieser
Rubrik einen Text mit dem Titel „Nicht nur…

„Ich bin Mutter….
Ich bin Augenoptikerin…
Ich bin Redakteurin…
…ich bin vieles mehr.“

Hieß es darin. Gerade in diesen Wochen lohnt es sich mal einen Blick darauf zu werfen, was wir alles sind. Derzeit bin ich zusätzlich noch Lehrerin, Erzieherin und Spielgefährtin.

Abends, nach einem langen Tag, der viel zu wenig Stunden hat um die ganzen tTo Do's abzuarbeiten und all den Aufgaben und Bedürfnissen gerecht zu werden, ist man geneigt, nur auf die liegen gebliebenen Dinge zu schauen.

Die Wäsche, die noch nicht aufgehangen ist. Die Krümel unter dem Küchentisch die noch nicht aufgesaugt sind. Das Spielzeug, was noch das Wohnzimmer dekoriert. Die Zeilen, die den Weg aus dem Kopf aufs Papier noch nicht gefunden haben. Der Wunsch und das Bedürfnis nach einem Telefonat mit derdem Freundin, welches tagtäglich aufgeschoben wird.

Was bleibt, und sich zu diesen nicht erledigten Aufgaben gesellt, ist dann das Gefühl von Unfähigkeit, das eigene Leben irgendwie hin zu bekommen. In der Schule würde man es vermutlich Leistungsschwäche nennen.

Zurück zur Liste. Ein Blick auf die Rollen, in die man tagtäglich schlüpft, rückt die unerledigten Aufgaben wieder ins rechte Licht. So wenig ist es nun doch nicht, was man da leistet.

Aber wieso fällt es uns so schwer, unsere eigenen Leistungen zu sehen und einzuschätzen? Vielleicht, weil wir es gewohnt sind, dass diese von außen beurteilt werden? Vielleicht, weil wir in einer Gesellschaft leben, in der Leistung sichtbar und messbar sein muss? In der immer noch Menschen aneinander gemessen werden, ohne auf die individuellen Umstände zu blicken und die zig Rollen, die wir ausfüllen im Blick zu haben.

„Was, dein Sohn kann schon die Zahlen bis 20 lesen und einordnen? Dann muss ich dass wohl auch mal üben.“ Ich möchte laut „STOPP“ schreien. Kein Kindergartenkind muss das können und dass muss man auch nicht üben.

„Was deine Kind hat nur eine drei in Englisch, da müsst ihr aber noch viel tun!“ Warum das denn? Eine drei ist nicht gut und schon gar nicht sehr gut, aber sie ist mehr als ausreichend. Sie ist befriedigend.

Also sollten wir lernen uns mit einer befriedigenden Leistung zufrieden zu geben?! Auch wenn wir unser Bestes gegeben haben? Das muss jede*r für sich beantworten. Aber hilfreich ist es mit Sicherheit, unsere kleinen und großen Leistungen wohlwollend zu betrachten, sie für uns sichtbar zu machen. Und wenn wir es schaffen, ist das an sich ist schon eine großartige Leistung.

Tipps der Woche

Wir leben in einer Gesellschaft, in der Leistung positiv besetzt ist. Wer leistet ist etwas wert. Dass daran etwas falsch sein muss, fühlen viele von uns. Trotzdem tut es uns auch sehr gut, wenn wir für uns und unsere Projekte oder Menschen, die uns wichtig sind, leistungsfähig sind. Wir haben Euch ein paar Tipps zusammengestellt, wie ihr das schaffen könnt und was ihr bei Leistungsangst tun könnt.

Weniger Blues, mehr schaffen
Corona schlaucht. Das steht nach fast einem Jahr Pandemie nicht in Frage. Und so langsam sind wir mit unserem Latein oft am Ende, wie wir etwas gegen diese Belastung machen können. Dazu kommt ein jahreszeitbedingtes Motivationsloch. Das wirkt sich auch auf unser Arbeitsleben und generelles Produktivitätsempfinden aus. Was hilft, die tägliche Leistungsfähigkeit zu steigern ist Struktur. Nehmt Euch am Abend vor, den nächsten Tag zu planen. Darin sollte auf jeden Fall eine Stunde Bewegung an der frischen Luft enthalten sein - das ist gut fürs Gemüt, die Gesundheit und die Motivation. Auf geht’s!
Sol.de (rp-online)

Tipps gegen Leistungsangst
Insbesondere aus Schule, Uni oder Ausbildung kennen vielleicht einige eine ganz besondere Form der Leistungsangst: Nämlich die Angst vor Prüfungen. Diese erkennt man daran, dass sie über das “einfache” Lampenfieber hinaus geht. Die Gedanken im Vorfeld sind negativer (“das schaffe ich nie!”), der Körper reagiert mit Schweiß, Herzrasen, Zittern oder anderen ungewöhnlichen, nervositätbezogenen Symptomen und oft vermeiden Betroffene gänzlich die Beschäftigung mit der Prüfung (z.B. mit dem Lernen). Die Webseite Leistungsangst-prävention.de hat Tipps zusammengestellt, wie man Leistungsangst vorbeugen und im entscheidenden Moment auf sie reagieren kann.
Leistungsangst Prävention

Dies und Das

"Beginnen Sie unverzüglich, albern zu gehen!"
Wer erinnert sich noch an Monty Pythons Ministerium des albernen Gehens? Alle die, die sich daran erfreut haben, haben jetzt noch mehr grund zur Freude: Eine Familie aus Yorkshire in England hat den Gehweg vor ihrem Haus zum offiziellen Gebiet des Ministeriums für albernes Gehen ernannt und fordert die Menschen auf, diese paar Meter möglichst lustig hinter sich zu bringen. Eine Türkamera zeichnet die Gänge auf und das Ganze landet dann auf dem Instagram-Account @Yorkshire.Silly.walks. Anlass waren die aktuellen Beschränkungen der Corona-Krise, die wenig Kontakt und nur einen kleinen Bewegungsradius zu lassen. Herausgekommen ist eine wahnsinnig lustige Sammlung an mini-Clips. Schaut selbst!
zum Instagram-Account

Ein gutes Interview
Jan Lenarz und Milena Glimbovski von “Ein guter Plan” erzählen in diesem Interview ehrlich und authentisch, wie sie die Corona-Krise erlebt haben: von Umsatzhochs und Stimmungstiefs. Und wie die beiden in ihrem kleinen Verlag eine gesunde Arbeitsmoral leben. Wer im Urlaub keine Mails beantwortet, wird gelobt. Wie wohltuend!
Spiegel-Interview
Ein guter Winter (kostenloses “Krisentagebuch” zum Ausdrucken)

Bernie Sanders mit Wollhandschuhen
Manchmal ist es das Profane, das die Welt begeistert. Bernie Sanders hat der Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten in warmer Tracht mit samt dicker Wollhandschuhe beigewohnt. Das Bild, wie er fröstelnd auf seinem Stuhl versinkt geht seitdem in unzähligen Memes und Fotomontagen viral (*d.h. wird auf vielen Sozialen Netzwerken mannigfach geteilt). Die lustigsten findet ihr auf instagram unter dem Hashtag #berniesanders
Süddeutsche Zeitung
Instagram-Feed

Wir haben viel Energie für Euch in diese Ausgabe gesteckt und machen nun das, was auf jede Leistung folgen sollte: Wir klopfen uns auf die Schulter und machen eine Pause. Vielleicht könnt ihr das auch für Eure kommende Woche beherzigen. Wir wünschen Euch in diesem Sinne schöne, produktive und erholsame Tage und eine gesunde Portion Nachsicht mit Euch selbst.

Alles Liebe,
euer angstfrei.news Team.

Wer Lust hat, täglich von uns zu hören und mit uns in Kontakt zu treten, der kann uns auf Instagram finden, folgen und Nachrichten schicken. Wir freuen uns schon auf Deine Nachricht!

Kleine Erinnerung: wir freuen uns sehr, wenn ihr dieses neue Format mit einem Extra-Feedback bedenkt, nur so können wir lernen. DANKE! Ihr wollt unsere Arbeit unterstützen: Spenden und Fördermitgliedschaft bei der Deutschen Angst-Hilfe e.V.

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