Drei Schritte für das Bewältigen von Ängsten in Corona Virus Zeiten

Wolfgang Goede

1. Rationalisieren

Die Krise ist real. Die Vorsichtsmaßnahmen müssen eingehalten werden (Hygiene, Distanz, Quarantäne). Damit wird die Kette der Weiterinfizierung durchbrochen, der weitere Anstieg gebremst. Wichtig: Kein Panikschüren durch unkontrolliertes Weiterreichen von Informationen aus undurchsichtigen Kanälen in Social Media. Diese INFO-DEMIE ist genauso gefährlich wie die virologische Pandemie und verbreitet noch mehr Angst. Mit den beiden Maßnahmen — Einhaltung der Vorschriften, kritischer Medienkonsum — kann JEDE/R selbst zur Deeskalation beitragen.

Empfehlung: sorgsam ausgewählte Informationen und Meldungen zur aktuellen Lage der Corona Krise findest Du HIER.

2. Akzeptieren

Die Situation ruft Ängste hervor, unter Angstbetroffenen wie auch bisher relativ angstfreien Menschen. Das ist normal. Die wichtigste Antwort darauf wäre: Diese Ängste müssen wir als Betroffene und als Gesellschaft akzeptieren — und damit richtig umgehen. Das heißt: ZUHÖREN und dazu ermutigen, Gefühle zu zeigen. Das haben wir aus drei Jahrzehnten Angstselbsthilfe gelernt: weder kleinreden noch Ratschläge („Schläge mit dem Rat“), sondern Ängste akzeptieren. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Emotionen, haben Schutzcharakter, sind mit dem Großhirn kaum zu steuern, sind machtvoller als unsere „Vernunft“. Eine Möglichkeit in Zeiten, in denen reale Begegnungen, soziale Kontakte gemieden werden sollen: Sich die Angst von der Seele schreiben. Zum Beispiel in einem Tagebuch. Oder –in Zeiten des Internets – auch interaktiv in Foren oder sozialen Medien. Das entlastet zum einen, zum anderen entsteht durch andere Zuschriften ein solidarischer Geist, der Trost spendet.

An dieser Stelle noch ein persönlicher Tipp: Für das obige habe ich zwei Figuren erfunden und die immer dabei als Fingerpuppen. Einen MUTKASPER und ein ANGSTKROKODIL. Mit diesen spiele ich meine Ängste durch, dialogisch und in verteilten Rollen. Die Idee dazu stammt von einem Teilnehmer in meinen früheren Gesprächsgruppen, der seine Angst immer auf den Stuhl neben sich setzte und sich mit ihr unterhielt. Mit den Puppen wird sie gegenständlich und greifbarer, REAL. Auf diese Weise kann der Ängstler in Gestalt des Mutkaspers auch mit seiner Angst in Gestalt des Angstkrokodils in Verhandlungen treten und sogar einen Konflikt inszenieren und am Ende das Krokodil reiten. 

(Zweifel? Wer morgens um vier Uhr aufstehen muss, um seinen Zug oder sein Flugzeug zu erreichen, stelle sich vorm Schlafengehen zehn verschiedene Uhren mit 4-Uhr-Ziffernblattstellung intensiv vor. Sie oder er wird garantiert um diese Zeit aufwachen. Ähnlich funktioniert, Situationen zu visualiseren, die für einen mit Angst und Stress verbunden sind, etwa Prüfungen und Vorträge, und in seiner Vorstellungswelt eine souveräne Rolle einzunehmen. Die so hochgelobten Narrative/Storytelling entwickeln eine ähnliche Kraft. Also, einfach mal ausprobieren — oder kreativ weiterspinnen!)

3. Visionieren & Kanalisieren

Damit sind wir schon mitten beim dritten, vielleicht wichtigsten Punkt. Angst wird bewältigt, indem wir aus der „Opferrolle“ in eine aktive Position/Haltung wechseln. Proaktiv die Signale/Botschaften der Angst empfangen und unseren Lebensstil ändern. Was haben wir als Gesellschaft und als Einzelmensch mit der Corona Virus Krise zu tun? Viele empfinden ihn als Weckruf einer aus den Gleisen geworfenen Zivilisation und suchen nach neuen nachhaltigeren Lebens- und Wirtschaftsformen und einer stabileren Balance (s. auch Steingarts Morning Briefing „Der achte Tag“). Der CNN Moderator Chris Cuomo empfiehlt mehr „we“ statt „me“. Willkommen in der Gemeinschaft der Neudenker. Wer seine Ängste in praktisches Tun kanalisiert, ganz egal, wie groß oder klein ihre oder seine Vision dafür ist, entzieht der Angst den Boden. Das Hamsterrad steht derzeit still — Zeit für Muße und NEUES.

Viel Erfolg wünscht Wolfgang 

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