Starthilfe für die Gruppengründung

Die erfolgreiche Öffentlichkeits- und Informationsarbeit der Münchner Angstselbsthilfe e.V. (MASH) war Ende der 1990er Jahre Anstoß für zahlreiche neue Angst-Selbsthilfegruppen im deutschen Sprachraum. Das MASH-Modell gilt als Vorreiter und Initialzünder: Rund 200 neu gegründete Angst-Selbsthilfegruppen entstanden durch direkte Unterstützung von MASH und DASH. Auch heute steht DASH noch mit vielen Angstselbsthilfegruppen im Austausch und unterstützt neue Gruppen bei der Gründung.

Wir hören immer wieder, dass es in manchen Regionen noch keine Selbsthilfegruppe gibt, aber der Wunsch da ist, an einer Selbsthilfegruppe teilzunehmen. Daher möchten wir dich ermutigen, nicht länger zu warten, und selbst eine Gruppe zu gründen.

Der Aufwand lohnt sich und wir sind für dich da, um dich dabei zu unterstützen. Schau dir die Videos an. Sie geben dir einen guten Überblick, was wirklich zu beachten ist, und eine Schritt für Schritt Anleitung, wie du deinem Ziel näher kommst.

1. Teil: Gruppengründung und Gruppenleitung – ein Überblick

In diesem Video erhältst du einen Überblick, was für die Gruppengründung und die Leitung einer Gruppe wichtig ist.

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2. Teil: Gruppengründung Step by Step:

Hier zeigen wir dir, wie die Gruppengründung Schritt für Schritt abläuft. Im Zusatzmaterial haben wir dir auch einen Aushang vorbereitet, den du öffnen und mit deinen Daten füllen kannst:

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3. Teil: Die Leitung einer Gruppe – Wie gehst du es am besten an?

Die Leitung einer Gruppe zu übernehmen, bedeutet einerseits, die Treffen zu moderieren, aber auch die Teilnehmer auszuwählen, und auf die Regeln hinzuweisen. Als Grundlage stellen wir dir unsere Gruppenregeln zur Verfügung, und erzählen dir, auf was wir achten.

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Gruppenregeln

4. Teil: Das erste Treffen

Natürlich bist du nervös, bevor es los geht. Aber es gibt ein paar Tricks, wie du damit umgehen kannst, und dein erstes Treffen ein voller Erfolg wird.

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Teil 5: Schwierige Gespräche

Was, wenn doch mal nicht alles rund läuft? Wenn ein Teilnehmer öfter zu spät kommt, oder sich nicht an die Regeln hält? Auch hierfür haben wir ein paar Tipps für dich, und falls du noch mehr Unterstützung möchtest, ruf uns einfach an.

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Hilfreiche Kontakte

Für die Gruppengründung ist es oft wichtig, einen Ansprechpartner vor Ort zu kennen, der dir wichtige Informationen gibt oder Dokumente bereithält, und an den du dich wenden kannst, falls du Fragen hast oder Unterstützung benötigst.
Hier findest du eine Übersicht, die dir helfen soll, die passende Stelle für dich zu finden:

Selbsthilfekontaktstellen

Helfen beim Aufbau und bei der Durchführung von Selbsthilfegruppen im Allgemeinen. Die meisten haben eine gute Internetpräsenz, auf der du bereits Informationen, und auch deine Selbsthilfekontaktstelle in der Nähe findest.

Folgende Verbände können wir empfehlen:

  • Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS)
    www.nakos.de
  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG)
    www.dag-shg.de
  • Selbsthilfeverband für Soziale Phobie e.V. (VSSP)
    www.vssp.de

Finanzierung

Wenn du deine Selbsthilfegruppe finanziell unterstützen lassen möchtest, Projektideen hast oder dein Angebot erweitern möchtest, kannst du Pauschal- oder Projektförderung bei den Krankenkassen beantragen. Auch hierbei helfen dir die Selbsthilfekontaktstellen ( siehe Liste oben).

Kooperationspartner

Sprich auch Kliniken, Ärzte oder Psychotherapeuten in deiner Nähe an. Als Kooperationspartner mit Fachwissen können sie dich unterstützen und ggf. auch neue Teilnehmende für die Gruppe vermitteln.

Häufige Fragen und Antworten

Es gibt Fragen, die kommen quasi jedem, der eine Gruppe gründen möchte, und dies zum ersten Mal macht. Wir haben hier die häufigsten notiert, und Antworten hinzugefügt. Sollte deine Frage nicht dabei sein, schick uns eine E-Mail an dash@angstselbsthilfe.de oder rufe uns während der Telefonzeit an.
Wir vervollständigen die Liste dann Stück für Stück, damit es so einfach wie möglich wird, eine Gruppe zu gründen:

Rechtliches

  1. Ich möchte eine Selbsthilfegruppe gründen, habe aber die Befürchtung, dass ich den Verwaltungsaufwand neben meiner Berufstätigkeit nicht bewältigen kann. Mit welchem Aufwand muss ich rechnen?
    Im Grunde hast du keinen Verwaltungsaufwand im engeren Sinne. Das tolle an Selbsthilfe ist ja, dass es im Prinzip relativ schnell und einfach zu organisieren ist. Unser Gründer hat 1989 in München einfach eine Anzeige in die Lokalzeitung gesetzt und die ersten Treffen in seinem Wohnzimmer organisiert. Um eine Selbsthilfegruppe zu gründen braucht es einen geeigneten Raum für die Treffen (Wohnzimmer würden wir heute nicht mehr empfehlen)
    Bei digitaler Selbsthilfe kann das auch eine Videokonferenz sein.
    Dann setzt du noch einen Termin und eine Uhrzeit fest und suchst Interessent:innen die mitmachen (mehr als 6 wären empfehlenswert). Unterstützung findest du bei Selbsthilfekontaktstellen (www.nakos.de oder bei uns). Verwaltungsaufwand kommt eigentlich erst hinzu, wenn man Fördergelder beantragt und/oder einen Verein gründet.
  • Gibt es eine Checkliste oder einen Schritt-für-Schritt Plan für die Gründung?
    Auf unserer Website erklären wir den Prozess in insgesamt fünf Videos. Zusätzliches Material steht dort zum Download bereit.
  • Muss ich einen Verein gründen oder ist eine andere Rechtsform sinnvoll oder sogar vorgeschrieben?
    Nein, im Gegenteil, man das ganz unkompliziert und informell angehen und sich einfach als Gruppe treffen.
  • Darf ich einen Beitrag erheben und wenn ja in welcher Höhe? Wem „gehört“ dieses Geld?
    Ein Beitrag wird bei Selbsthilfegruppen i.d.R. nicht erhoben. Eine Ausnahme von der Regel könnte darstellen, wenn man gemeinschaftlich die Kosten für eine Raummiete der Gruppe trägt. Dann würde ein:e Ansprechpartner:in der Gruppe das Geld treuhänderisch und für den gemeinsam vereinbarten Zweck (in diesem Fall die Raummiete) verwenden.
    Weitere Ausnahmen können sein, wenn man gemeinsam einen Referenten oder ein Sommerfest der Gruppe finanzieren möchte. Wichtig ist, dass Einnahmen und Ausgaben der Gruppe transparent besprochen werden. Bei institutionalisierter Selbsthilfe, wie der Angst-Hilfe München e.V., die auch ein hauptamtliches Team im Hintergrund der Gruppen beschäftigen, gibt es monatliche Gruppenbeiträge.
  • Brauche ich ein eigenes Konto?
    Nein, anfangs sicher nicht. Wenn die Gruppe regelmäßig Unternehmungen macht, die etwas kosten, kann es aber schon Sinn machen, dafür ein Konto einzurichten.
  • Muss ich einen behördlichen Antrag stellen und wenn ja, welche Behörde ist zuständig?
    Nein. Selbsthilfe kann ganz informell organisiert werden.
  • Welche Versicherungen muss ich abschließen und wer bezahlt diese?
    Keine.
  • Brauche ich einen Kassenwart?
    Nur wenn du einen Verein gründest.
  • Wie kann ich den Datenschutz sicherstellen? Wer ist verantwortlich?
    Datenschutz ist ein sehr wichtiges Thema. Viele Selbsthilfekontaktstellen bieten dazu umfassende Informationen an.
    Mustervereinbarungen zum Datenschutz stellen die Selbsthilfekontaktstellen auf ihren Websites bereit. Zum Beispiel auf der Seite der SeKo Bayern.
    Die SEKO Bayern hat zudem einen Praxisleitfaden „Datenschutz in der Selbsthilfe“ Grundlagen und Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung veröffentlicht. Die Broschüre kann direkt beim Verlag als Sammelbestellung ab 5 Stück zu 2,00 Euro pro Stück zuzüglich Porto und Versand bezogen werden.
    Auch das Netzwerks Selbsthilfe Bremen-Nordniedersachsen e.V. bietet hierzu Informationen an.

Gewinnung von Gruppenmitgliedern

  • Wie und wo finde ich Gleichgesinnte? Ich möchte keine „falschen“ Leute anlocken. Über meine privaten Social-Media-Konten möchte ich keinen Aufruf starten, da ich mich nicht auf so großer Bühne outen möchte.
    Als erstes würde ich mich bei der lokalen Selbsthilfekontaktstelle erkundigen, ob da schon andere Interessent:innen bekannt sind. Dann kannst du
    – die Gruppensuche der DASH nutzen
    – einen kurzen Artikel für die daz.digital schreiben
    – uns einen Post für die Facebookseite der DASH schicken

    Natürlich kann man auch in lokalen Zeitungen eine Anzeige unter Chiffre aufgeben. Wichtig ist dabei möglichst genau zu beschreiben, worum es dir geht. Zum Beispiel eine reine Angststörungsgruppe oder Angst und Depression? Im Umkehrschluss kann man auch andere Erkrankungen ausschließen: “Bitte keine Suchtkranken oder Psychotiker”. Das mag zunächst sehr direkt und ausgrenzend wirken. Aber ein Wirkfaktor in der Selbsthilfe ist, dass man sich über das gleiche Thema austauscht.
  • Können Interessierte einfach kommen und gehen? Oder muss man sich für länger „verpflichten“?
    I.d.R. ist Selbsthilfe ein freiwilliges Angebot. Jeder kann also solange teilnehmen wie er/sie möchte. Meistens bedarf es aber schon ein paar Treffen, um überhaupt einschätzen zu können, ob es zu einem unterstützenden Angebot werden kann. Als hilfreich hat sich auch erwiesen, vorher mit Interessenten ein kurzes Gespräch zu führen und zu prüfen, ob die Gruppe auch das passende Angebot ist. Je nach Gruppen- und Moderationsmodell, übernimmt diese Aufgabe der/die Gruppenleiter:in, Gruppensprecher:in oder jemand anderes aus der Gruppe.
  • Werde ich unangenehme Teilnehmende wieder los?
    Können Konflikte in der Gruppe dauerhaft nicht konstruktiv gelöst werden und/oder bricht jemand eklatant die vereinbarten Regeln, dann kann die Gruppe oder auch ein/e ernannte Gruppenleitung, Teilnehmer:innen aus der Gruppe ausschließen. Wichtig ist hierbei die Gruppe in die Entscheidung mit einzubeziehen. Wird die Entscheidung von einer Mehrheit der Gruppe nicht getragen und/oder verstanden bzw. von der betreffenden Person nicht akzeptiert, dann sollte sich dringend Hilfe von außen geholt werden. Fragt bei eurer nächsten Selbsthilfekontaktstelle an, die haben ggf. eine/n Mediator:in oder kennen jemanden, der euch da beraten und begleiten kann. Diese Möglichkeit könnt ihr natürlich auch schon früher nutzen, wenn das Kind noch nicht in den Brunnen gefallen ist.
  • Wie lange bleiben Teilnehmende üblicherweise in einer Gruppe?
    Ganz unterschiedlich, von wenigen Wochen bis hin zu mehr als 10 Jahren. Im Durchschnitt aber ca. 3 Jahre.
  • Was, wenn ein Teilnehmer Probleme macht?
    Geht den Konflikten nicht aus dem Weg. Sprecht in der Gruppe an, was das Verhalten des/der Anderen bei euch auslöst. Geht es anderen in der Gruppe auch so bzw. wie empfinden sie das Geschehen? Vielleicht entsteht aus diesem Impuls ein klärender Prozess.
  • Ich möchte eine Gruppe nur für Frauen gründen. Darf ich das?
    Klar.
  • Wie erfahren andere von meiner Gruppe? Soll ich dafür Werbung machen? Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
    Es gibt viele Möglichkeiten kostenlos für eine Gruppe zu „werben.“ Über die lokale Selbsthilfekontaktstelle, über die Deutsche Angst-Hilfe e.V., über Soziale Medien.
  • Ist es sinnvoll, Gruppenmitglieder von zuhause abzuholen, wenn sie aufgrund ihrer starken (sozialen) Ängste das Haus nicht mehr verlassen bzw. alleine keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können?
    Wenn es das Ziel verfolgt, dass dieses Gruppenmitglied den Weg in absehbarer Zeit auch alleine bewältigen kann: klares Ja. Wenn dadurch neue Abhängigkeiten entstehen, eher nicht.
  • Gibt es eine Checkliste oder einen Schritt-für-Schritt Plan für den Ablauf eines Treffens?
    Wir kalkulieren gern mit ca. 2 h, die wie folgt ablaufen:
    Blitzlicht – Themenfindungsrunde – Ein Thema nach dem anderen – ggf. eine Pause zwischendurch – Abschlussblitzlicht.
  • Kann ich die Treffen (vorerst) in meiner eigenen Wohnung durchführen? Oder reihum bei den verschiedenen Gruppenmitgliedern?
    Das kann man machen. Um eine möglichst konzentrierte (Arbeits-)Atmosphäre herzustellen, eignet sich aber ein neutraler und gleichbleibender Raum erfahrungsgemäß besser.
  • Ist es möglich, dass sich zwei Personen die Moderation einer Gruppe teilen? Alleine traue ich es mir nicht zu.
    Ja.
  • Werden die Treffen protokolliert oder muss ich mir als Gruppenleitung Aufzeichnungen machen, damit ich bei einem Folgetreffen gezielt nachfragen kann?
    Nein, im Gegenteil, i.d.R. werden Inhalte der Treffen nicht aufgezeichnet.
  • Bin ich als Gruppenleitung/Moderator für die anderen Mitglieder verantwortlich?
    Nein, du stellst für sie nur den Rahmen her. In Selbsthilfegruppen steht die Selbstverantwortung jedes Einzelnen ganz oben. Wenn du dich unsicher fühlst, was dich erwartet, kannst du gern an einer unserer Schulungen teilnehmen. Informationen zur Buchung, Terminen und Inhalten findest du in unserem Shop.
  • Wen kann ich im Notfall kontaktieren, z.B. wenn es Probleme innerhalb der Gruppe gibt?
    Am besten erkundigst du dich bei deiner Selbsthilfekontaktstelle.