Presse-Gespräch am 06.07.2018: Zehn Millionen Angstbetroffene brauchen eine Lobby – Angstselbsthilfe bundesweit vernetzen

In Deutschland gibt es 10 Millionen Betroffene und mehr als 1000 Angstselbsthilfegruppen, aber es gibt kein Bündnis, keine Liga, kein starkes Netzwerk das sich dafür einsetzt.

Es fehlen Vernetzung, Information/Aufklärung, Schulungen/Fortbildungen, Qualitätsentwicklung und politische Interessenvertretung. Gleichzeitig nehmen die Komplexität, Ambivalenz und Unsicherheit, kurz gesagt die Anforderungen des Alltags und Berufslebens laufend zu. Gerade Ängste und insbesondere Angststörungen sind noch sehr schambesetzt. Nicht offen darüber sprechen zu können, verstärkt den Teufelskreislauf der Angst vor der Angst und drängt Betroffene an den Rand der Gesellschaft. Viele scheitern im Leben oder können zumindest ihre Potenziale nicht ausschöpfen.

Selbsthilfegruppen sind ein Inklusions- und Ressourcenmotor. Der offene und ehrliche Umgang in den Selbsthilfegruppen stärkt die Individuen, die Solidarität und die Gemeinschaft. Aus der vermeintlichen Schwäche wird eine Stärke und aus dem geschützten Rahmen heraus gelingt es Vielen auch in der Öffentlichkeit zu ihren Ängsten zu stehen.

Unsere Vision: Ein starkes Netzwerk für Menschen mit Angststörungen und bundesweit wirksame Angstselbsthilfegruppen würden nicht nur den einzelnen TeilnehmerInnen helfen, sondern die Gesellschaft letztlich mehr zu einem Angst-freien-Raum machen, wenn es darum geht, über seine Ängste, Schwächen und Fehler offen zu sprechen. Eine Grundessenz für eine offene, tolerante, innovative und mental gesunde Gesellschaft. Gerade heute braucht es ein starkes Netzwerk für Menschen mit Angststörungen–mehr denn je!

Wir haben daher ein Pressefrühstück veranstaltet, um unsere Vision der Öffentlichkeit vorzustellen.

Alexander Huber, Kletterlegende und Autor von „Die Angst, mein bester Freund“, zählt zu den erfolgreichsten Allround-Bergsteigern der Welt und ist als ehemaliger Betroffener seit 2014 Schirmherr der Angst-Hilfe e.V.

„Wir müssen uns in der Gesellschaft mit der Angst auseinandersetzen. (…) Je mehr Du Dich mit der Angst auseinandersetzt, umso besser bist Du für zukünftige Wellen [der Angst] gewappnet.“

Prof. Dr. Michael Kellner, Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ehemaliger Leiter des Arbeitsbereichs Angstspektrumsstörungen an der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Universitätsklinikum Eppendorf, Professor an der Universität Hamburg, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie & Psychosomatik des Klinikums Herford sowie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Angstselbsthilfe.

„Selbsthilfe ist eine der vier wünschenswerten Säulen einer effektiven Angsttherapie aus ärztlicher Sicht.“

Christian Zottl, Diplom Sozialpädagoge (FH), Systemischer Coach / Supervisor / Organisationsberater seit 2014 Geschäftsführer der Angst-Hilfe e.V.

„Es gibt einen großen Bedarf an Vernetzung in der Angstselbsthilfe-Landschaft. Seit 25 Jahren erleben wir, dass die Angsselbsthilfegruppe den Menschen hilft.“

Thomas Hinz, Head of Organizational Business Transformation in der Allianz Re. Der leidenschaftliche Marathonläufer engagiert sich ehrenamtlich bei verschiedenen sozialen Initiativen und unterstützte die DASH im Rahmen von Startsocial.

„Durch Nähe [zu den Vorgesetzten] und den offenen, konstruktiven Umgang mit Fehlern baut man Ängste [am Arbeitsplatz] ab.“

Moderation der Veranstaltung:
Wolfgang Chr. Goede
ist freier Wissenschaftsjournalist. Er lebt in München und Medellín/Kolumbien. Selbsthilfe und Empowerment, Fitmachen zum Mitreden und Mitgestalten sind seine zentralen Themen.

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